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10. Juni 2014

Internet: Teure Romanze

Datingplattformen im Internet erfreuen sich grosser Beliebtheit. Sie führen zu Beziehungen oder gar Eheschliessungen, öffnen aber auch Betrügern Tür und Tor.

Comic: Sie liegt mit offenem Laptop auf dem Bett und denkt an Liebe, er liegt mit offenem Laptop auf dem Sofa und denkt an Geld.
Geld oder Liebe? In Online-Partnerbörsen ist das nicht immer eindeutig. (Illustration: Totto Renna)

Sie suchen die grosse Liebe und finden die grosse Leere – auf ihrem Bankkonto. Es sind oft Frauen, die sich bei der Partnersuche im Internet in ihren vermeintlichen Traummann verlieben, aber einem Betrüger aufsitzen.

Es beginnt harmlos: Nach dem Login blinkt der Posteingang, und die Nachricht eines Mannes liegt im Postfach: «Hallo meine Schöne, wie geht es dir?» Frau fühlt sich geschmeichelt und antwortet. Es entwickelt sich ein Gespräch über Familie, Beruf, Freizeitaktivitäten und Zukunftsträume. Die Betrüger sind geschickt und wissen, was die Chatpartnerin hören will. Sie schreiben kein Wort über Sex, sondern von Liebe und Romantik. Sie verhalten sich zuvorkommend, hören zu und stellen Fragen.

Erst wenns um ein Treffen geht, kommen erste Ausflüchte: Die Reise ist zu teuer. Sie bitten, Geld per Western Union oder Money Gram zu überweisen, um sich sehen zu können. Wer zahlt, sitzt in der Falle! Das Geld ist weg, und weitere Forderungen folgen. Geschröpft wird so lange, bis die Opfer pleite sind.

Die Masche ist immer dieselbe: So lange von einer gemeinsamen Zukunft schwärmen, bis das Vertrauen erschlichen ist. Dazu geben sich Betrüger beim «Romance Scamming» oft als englische oder amerikanische Staatsbürger aus, sprechen aber nur durchschnittliches Englisch. Sie arbeiten angeblich fürs Militär oder andere staatliche Organisationen und verraten regelmässig «Geheimnisse». Im Verdachtsfall gilt deshalb: Chatkontakt sofort abbrechen.

Autor: Reto Vogt