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20. Juli 2015

Test: Apple Watch

30 Jahre nach «Knight Rider» soll es wieder Mode werden, mit seiner Uhr zu reden. Bis dahin wird es aber noch etwas dauern. Auch mit Apples Smartwatch, der besten ihrer Art.

Portemonnaie, Hausschlüssel, Handy: Vergesse ich auch nur eins davon einzupacken, habe ich ein Problem – oder zumindest bilde ich mir es ein. Bei der Apple Watch hingegen ist das nicht der Fall. Nachdem ich sie eine Woche lang regelmässig getragen hatte, blieb sie immer öfter unbemerkt zu Hause liegen.

Drei verschiedene Materialien, 17 passende Armbänder: Die Apple-Smartwatch ist ein Bijou.
Drei verschiedene Materialien, 17 passende Armbänder: Die Apple-Smartwatch ist ein Bijou.

Dabei ist die Uhr optisch ein echter Hingucker. Sie ist sauber verarbeitet und kommt je nach Budget in einem Aluminium-, Edelstahl- oder Goldgehäuse daher. Weil sie Apple darüber hinaus in zwei verschiedenen Grössen und mit zahlreichen Armbandkombinationen verkauft, passt sie an jedes Handgelenk und zu jedem Geschmack.

Auch sonst hält die Apple Watch, was sie verspricht. Nach der simplen Koppelung mit dem Handy – Voraussetzung ist mindestens ein iPhone 5 mit iOS 8.2 – vibrierts am Handgelenk bei neuen SMS, E-Mails oder Anrufen. Wer möchte, kann sich ausserdem über anstehende Termine, Sportergebnisse oder Wetterprognosen informieren oder den Weg zur nächsten Beiz anzeigen lassen.

Das funktioniert aber nur, solange das iPhone nicht weiter als zehn Meter entfernt ist. Verliert die Uhr die Verbindung zum Telefon, tut sie hauptsächlich das, was eine Uhr tun muss: Die Zeit anzeigen – immerhin auf einem individuell designbaren Zifferblatt.

Was vor 30 Jahren Mode war, ist heute wieder «In»: Mit seiner Uhr zu sprechen
Was vor 30 Jahren Mode war, ist heute wieder «In»: Mit seiner Uhr zu sprechen (Bild: Getty Images).

Nur ein «Spiegel» des iPhones

Darüber hinaus erfüllt sie – mit oder ohne Handy – zwei Aufgaben: Zum einen lässt sich Musik auf die Uhr übertragen, die über einen Bluetooth-Kopfhörer gehört werden kann. Und zum anderen misst ein Sensor auf der Unterseite des Gehäuses, wie viele Kalorien der Tragende verbrennt und wie viele Meter er täglich zu Fuss zurücklegt. Wer ausserdem gern Velo fährt oder joggt, kann seine Trainings aufzeichnen und das Geleistete dokumentieren.

Wenn die Apple Watch also weder als Accessoire noch als Smartwatch versagt, warum vermisse ich sie dann im Alltag nicht?

Weil die Uhr derzeit lediglich ein kleiner Spiegel des iPhones ist. Sicher, die Benachrichtigungen am Handgelenk sind nützlich: Bei Spam-Mails bleibt einem der Griff zum iPhone erspart.

Aber das ist zu wenig. Die Uhr wird erst zum unverzichtbaren Begleiter, wenn sie sich vom Smartphone emanzipiert.

Ob das jemals geschieht? Die Chancen stehen gut! Wenn die Uhr dieselbe Entwicklung nimmt, wie das iPhone seit dem Launch der ersten Generation im Jahr 2007, hat
sie eine Zukunft vor sich.

In der Gegenwart bleibt sie ihre Existenzberechtigung noch schuldig.