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21. Januar 2013

Tempobolzer im Visier

Im Kanton St. Gallen müssen neben Rasern, auch Schnellfahrer mit massiv höheren Strafen rechnen. Doch reichen höhere Bussen allein aus?

Raserkampagne
Raserkampagne der Polizei: 
Ein Autowrack 
verdeutlicht, was man beim Rasen riskiert. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Der Kanton St. Gallen geht weiter, als es das revidierte Strassenverkehrsgesetz seit dem 1. Januar 2013 vorsieht: Auch wer nach den Richtlinien des Bundes noch nicht als Raser eingestuft wird, aber viel zu schnell unterwegs ist, wird massiv höher gebüsst. Zwei Beispiele: Wer bisher innerorts mit 80 km/h erwischt wurde, musste mit 14 Tagessätzen Geldstrafe plus 600 Franken Busse rechnen; neu sind es 25 Tagessätze und 800 Franken Busse. Wer gar mit 90 km/h unterwegs war, musste 16 Tagessätze Geldstrafe und 900 Franken gewärtigen, neu sind es 120 Tagessätze und 800 Franken Busse. Als Tagesansatz wird, je nach Einkommen, mit durchschnittlich 100 Franken gerechnet.

Dürfen Verkehrsteilnehmer nun auf weniger gefährliche Strassen hoffen? «Natürlich kann die Erhöhung der Strafen etwas bewirken», sagt Andreas Widmer (54), Verkehrspsychologe und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie. Die Erfahrung zeige aber, dass die Androhung höherer Strafen nach sechs bis neun Monaten verpuffe, wenn die Entdeckungsrate der Delikte so gering sei wie im Strassenverkehr. «Sinn machen würden daher vermehrte Geschwindigkeitskontrollen», sagt Widmer. Insbesondere bei den risikoreichen Fahrern werde die Wirkung der Verschärfung sonst schnell abnehmen.

Hingegen, so ist Widmer überzeugt, unterstützt die Verschärfung das Verhalten derjenigen, die sich grundsätzlich an Geschwindigkeitslimiten halten. «Diese werden in ihrem korrekten Verhalten bestärkt.» Sie sollten sich jedoch bewusst bleiben, dass ihnen auch in einer 50er-Zone plötzlich ein Wagen mit 90 km/h entgegenkommen kann. Sind also Massnahmen für Schnellfahrer wirkungslos? «Nein, aber sie bewirken keine Wunder», sagt Andreas Widmer. «Allein durch die Erhöhung von Strafen liess sich das Verhalten von Menschen noch nie nachhaltig verbessern.»

Autor: Claudia Weiss