Archiv
16. Juli 2012

«Telefonieren kann Leben kosten»

Ein Buspassagier hatte eine telefonierende Chauffeuse fotografiert und das Bild deren Arbeitgeber geschickt – die Fahrerin war ihren Job daraufhin per sofort los. Solch harte Massnahmen seien sinnvoll, sagt Mario Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Mario Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich
Marco Cortesi (56), Chef Mediendienst 
der Stadtpolizei Zürich. (Bild zVg)

1. Mario Cortesi, eine Chauffeuse des Autobusbetriebes Zürich–Zollikon–Küsnacht wurde wegen Telefonierens am Steuer fristlos entlassen. Ist das nicht etwas hart?

Die Haltung des Unternehmens ist konsequent und für mich nachvollziehbar. Schliesslich will niemand in einem öffentlichen Verkehrsmittel sitzen, in dem sich die Person am Steuer nicht zu 100 Prozent dem Verkehr widmet. Und wer während der Fahrt mit dem Handy hantiert, ist mit den Augen nicht mehr auf der Strasse, mit dem Kopf nicht bei den Verkehrsgefahren und mit der Hand nicht am Steuer. Das bisschen Telefonieren kann Leben kosten.

2. Gelten für Chauffeure von Gesetzes wegen strengere Richtlinien als für private Lenker?

Nein, grundsätzlich sind das Strassenverkehrsgesetz und die Ordnungsbussen für alle gleich. Wenn es allerdings wegen des Telefonierens zu gefährlichen Situationen kommt oder sogar zu einem Unfall, kann der Beruf natürlich beim Strafmass eine Rolle spielen.

3. Reicht denn Telefonieren am Steuer, um einem Buschauffeur den Fahrausweis zu entziehen?

Ja, wenn wegen der Ablenkung durch das Handy gefährliche Situation entstehen. Dann droht neben der Verurteilung wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln auch ein Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten.

4. Passieren denn wirklich Unfälle wegen des Telefonierens?

Ja, seit Jahren ist ungenügende Aufmerksamkeit im Strassenverkehr eine der Hauptunfallursachen. Ein Grossteil davon fällt sicher auf die Ablenkung durch Geräte wie Mobiltelefone, Navigationsgeräte oder Musikanlagen. Häufig wird das von den Beteiligten abgestritten, daher ist die Dunkelziffer hoch.

5. Ist eine Freisprecheinrichtung besser?

Nein. Untersuchungen haben gezeigt: Das Hauptproblem ist nicht das Gerät, sondern die gedankliche Beanspruchung. Noch schlimmer ist, wenn man zum Bedienen das Auge von der Strasse abwendet. Es käme ja auch niemandem in den Sinn, mit verbundenen Augen Auto zu fahren. Bei Tempo 60 sind es über 16 Meter Blindfahrt pro Sekunde — und in dieser Zeit hat man noch nicht einmal die Sperre des Telefons aufgehoben. Das gilt übrigens auch für angeregte Gespräche mit dem Beifahrer. Je nach Gespräch ist die Ablenkung ebenso gross oder sogar grösser als beim Telefonieren.

Der Bericht in «20 Minuten» vom 2. Juli 2012
Der Bericht in «20 Minuten» vom 2. Juli 2012 (leider keine Online-Version verfügbar)

Autor: Thomas Vogel