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22. April 2014

Teichbau à la Bohnebluescht

Sie wollen einen Teich anlegen? Die Garten-Bloggerin hat ihr Fotoalbum rausgekramt und rekonstruiert den Bau ihres eigenen Biotops. Nachbauer sind herzlich willkommen!

Der fertige Teich im Sommer
So präsentiert sich der Bohnebluescht-Teich in den Sommermonaten - ein kleines Paradies.

Marisa Flores’ Teichdebakel mit der Gartenhacke hat für viele Reaktionen gesorgt - sowohl online als auch offline. Dabei ging es aber oft weniger um die Frage, wie man eine Teichfolie flickt, als vielmehr darum, wie man einen Teich überhaupt baut.

Nachdem ich gefühlte 33 Mal mündlich und schriftlich per Mail darlegen durfte, wie es denn bei uns damals war, fasse ich das Ganze hier für allfällige Nachbauer nochmals als «Do it yourself in zehn Schritten» zusammen.

Dazu vorab zwei ganz wichtige Anmerkungen, sozusagen das Kleingedruckte in Grossbuchstaben:

Erstens: Unser Teich wurde nach bestem Wissen und Gewissen von uns selber erbaut, also nicht von irgendeinem dipl. Ing. Prof. Mag. Teichbauer. Frau Bohnebluescht, ihr Herzensmann und all die netten Mitbuddler übernehmen daher null Haftung für allfällige Land-unter-Szenarien bei einem Nachbau Eurerseits.

Zweitens: Die Fotos sind rund sechs Jahre alt und noch mit einer analogen Kamera aufgenommen worden. Ich musste sie alle vorsichtig aus dem Fotoalbum lösen und einscannen. Entschuldigt also bitte den leichten Gelbstich. Aber: Damit ist auch schon bewiesen, dass unsere Art von Teichbau doch eine gewisse Dauerhaftigkeit ausweist. Bis heute (Holz anfassen!) gabs erst einmal ein Landunter, aber nicht, weil der Teich geronnen hätte, sondern weil es wochenlang so gegossen hat, dass er schlicht und einfach überlief.

Und jetzt gehts los mit dem «Do it yourself»:

Schritt 1: Man nehme ein paar freiwillige Buddler mit möglichst viel Muskelmasse, die den künftigen Teichstandort von all dem befreien, was bis dahin dort existiert hat – in unserem Fall vor allem völlig ausgekahlte Rhododendronbüsche und alte Waschbetonplatten.

Zwei Männer am Graben,


Schritt 2: Mit einem Gartenschlauch markiere man die künftige Teichgrösse auf dem Boden. Bei uns gings anschliessend in die zweite Buddelrunde respektive den Wurzeln der Rhododendronbüsche an den Kragen. Da unser Teich am tiefsten Punkt rund 1,40 Meter tief ist, durften die Buddler recht heftig buddeln. Den Muskelkater gabs dafür gratis.

Gartenschlauch markiert den künftigen Teichverlauf.


Schritt 3: Der künftige Teichboden wird mit einer rund 10 Zentimeter dicken Sandschicht bedeckt. Diese soll die Teichfolie vor spitzen Steinen und ähnlich Unangenehmem schützen. Links hinten auf dem Bild sieht man, dass der Teichboden leicht terrassiert ist.

Mann verteilt Samd mit einer Harke.


Schritt 4 (und hier wirds jetzt wirklich Marke Bohnebluescht): Dort, wo der Teichrand zu liegen kommt, werden alle Meter stabile Vierkanthölzer in den Boden gerammt. Holz beim Teichbau?! Jawohl, schliesslich hat mein Herzensmann ursprünglich Zimmermann gelernt, und ohne Holz geht drum bei uns in Haus und Garten und damit auch beim Teichbau GAR NIX!

Pfosten markieren die Teichgrenze.


Schritt 5: An besagte Vierkanthölzer, auf die richtige Länge abgesägt, werden nun knapp über Boden Querbretter geschraubt. Über diese wiederum wird erst ein Vlies und dann die Teichfolie gezogen. Die Querbretter helfen übrigens vorzüglich bei der waagrechten Nivellierung des Gartenteichs, da im Blei. Und: Der dadurch entstehende Randwall dient als Kapillarsperre. Diese verhindert, dass die Pflanzen und Wurzeln am Teichrand dem Biotop kein Wasser entziehen.

Mann verteilt weiteren Sand.


Schritt 6: Das auf dem Sand verlegte Vlies verteilt die Punktlast im Teich auf eine grössere Fläche – ein weiterer Schutz für die eigentliche Teichfolie.

Zwei Männer legen Vlies am Teichboden aus.


Schritt 7: Nochmals richtig Manpower verlangt das Einpassen der Teichfolie. Zum einen ist sie mächtig schwer und zum anderen sollte sie möglichst ohne Falten verlegt werden. Ein kleiner Tipp am Rande: Besser nicht bei praller Sonne auslegen, der Kautschuk wird heftig heiss. Bei tiefen Temperaturen wiederum wird die Folie extrem gschtabig. Und: Es empfiehlt sich, dass sich die Folie einen Tag lang setzen kann, bevor Wasser eingelassen wird.

Zwei Männer legen Teichfolie aus.


Schritt 8: Ist der Teich ganz gefüllt, sollte nochmals kontrolliert werden, ob die Folie einigermassen glatt liegt. Anschliessend wird sie am Teichrand mit grossen Steinen fixiert. Überstehendes Material ist abzuschneiden.

Mann steht im mit Wasser gefüllten Teich und begradigt Folie.


Schritt 9: Nun gehts an die Rundumgestaltung. Bei uns dienen Steine als Unterbau für...

Blick auf die Steineinfassung.


Schritt 10: ... unser Holzdeck. Und ganz wichtig: Ein Zaun kann gerade in einem Haushalt mit Kleinkindern Leben retten. Wasser übt nun einmal auf Klein und Gross einen grossen Reiz aus, sonst würden wir es uns ja auch nicht in den Garten holen.

Mann montiert Zaun, beobachtet von Kleinkind.


PS: Und wer jetzt reklamiert, für einen Teich brauche man mega viel Platz, nur so viel: Mein erster Teich fand in einem halben Weinfass statt, das geht sogar auf einem Balkon!

Sitzt Ihr noch auf dem Trockenen oder «götscht» Ihr schon? Im Brunnen? Fassteich? Swimmingpool? Teilt Eure Erfahrungen in einem Kommentar mit, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe oben rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger