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07. November 2011

«Täglich werden bis zu 50 Laserpointer geliefert»

Mirjana Moser, Physikerin und Strahlenschutzexpertin im Bundesamt für Gesundheit (BAG), ist besorgt: Täglich werden in der Schweiz übers Internet 50 Laserpointer gekauft, die 1000 Mal stärker sind als erlaubt.

Laserpointer
Mirjana Moser, Physikerin und Strahlenschutzexpertin: «Ein 15-Jähriger hat fast die Hälfte seiner Sehkraft verloren.» (Bild: Petros Giannakouris)
Mirjana Moser, Physikerin und Strahlenschutzexpertin im Bundesamt für Gesundheit (BAG). (Bild: zVg.)
Mirjana Moser, Physikerin und Strahlenschutzexpertin im Bundesamt für Gesundheit (BAG). (Bild: zVg.)

Mirjana Moser, 2009 registrierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt 60 Laserattacken gegen Piloten. Letztes Jahr erhöhte sich die Zahl auf 150 Fälle. Gleichzeitig haben auch Attacken gegen Lokführer oder Fussballer dramatisch zugenommen. Weshalb?

Laserpointer werden dank neuer Technologien immer stärker, kleiner und billiger produziert.

Läuten im BAG in Bern die Alarmglocken?

Tatsächlich, obwohl das Problem nicht neu ist. Seit Jahren gibt es Lasergeräte, die viel stärker sind als deklariert. Mit diesen Billigmodellen spielen Kinder. Schlimm dabei ist, dass Eltern ihren Kindern Laserpointer schenken, ohne zu wissen, was sie damit anrichten. Die Polizei hat kürzlich bei einem Elfjährigen einen sehr starken Laserpointer konfisziert. Ein 15-Jähriger hat mit einem Laserpointer gespielt und fast die Hälfte seiner Sehkraft verloren. Das war irreparabel.

Was unternimmt das BAG?

Unsere Möglichkeiten beschränken sich auf die Information, denn griffige Gesetze gibt es bisher keine.

Aber der Bund hat doch im Mai 2011 den Verkauf von Laserpointern verboten.

Der Verkauf ist in der Schweiz verboten. Das hindert die Leute aber nicht daran, die Geräte über Internet zu bestellen und für Privatzwecke zu benutzen. Wir gehen davon aus, dass täglich bis zu 50 Laserpointer in die Schweiz geliefert werden, die 1000 Mal stärker sind als erlaubt.

Was kann man dagegen tun?

Laserpointer sind kein schweizerisches Problem, sondern ein europäisches. In der EU läuft derzeit eine Marktüberwachungsaktion. Nach deren Auswertung schauen wir, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, bereits den Besitz eines solchen Geräts unter Strafe zu stellen, wie das heute schon in Australien der Fall ist. Wir überlegen uns, zusammen mit unseren Kollegen in der Europäischen Union Vorschläge an die betreffende EU-Kommission zu richten.

Dauert das nicht zu lange? Die SBB leiden inzwischentäglichunter Laserattacken auf Lokführer, auch in Fussballstadien ist das Problem akut.

Die technologische Entwicklung ist unglaublich schnell. Da mag das Gesetz schlicht nicht mithalten.

Unsere Gesetze sind also veraltet?

Genau. Oder es gibt gar keine, weil die Problematik relativ neu ist. Wir überprüfen, ob wir für das Verbot und die Einschränkung von Laserpointern überhaupt eine Verfassungsgrundlage haben. Falls nicht, muss das Volk darüber entscheiden. Und das dauert. Wir haben alles Mögliche getan. Die Polizei beispielsweise beschlagnahmt die Geräte, die zu stark sind. Für weitere Strafmassnahmen muss man aber die Täter in flagranti erwischen. Der einzige Weg ist, die Laserpointer international zu verbieten oder nur noch für gewerbliche Zwecke wie beim Edelsteinschleifen zuzulassen.

Ab welcher Stärke ist ein Lasergerät gefährlich?

Alle Geräte ab einem Milliwatt sind für die Augen respektive deren Netzhaut gefährlich. Ab 500 Milliwatt kann es zusätzlich zu verheerenden Hautverbrennungen kommen. Zusätzlich ist die Blendungsgefahr enorm. Das sind Waffen. Mir graut vor dem Moment, wenn ein Kind aus reinem Blödsinn für den Rest seines Lebens sehbehindert wird oder wenn Velofahrer im Verkehr gestört werden und dadurch schwer verunfallen.