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26. August 2013

Swissness in jedem Display

LCD-Technik in Fernsehern? Kein Geheimnis. Aber dass die Schweizer Erfindung in fast allen Geräten steckt, die wir täglich nutzen, wissen nur wenige. Die Übersicht und ein Blick in die Zukunft.

Fernseher und PC-Bildschirme besitzen LC-Displays, aber darüber hinaus noch viele weitere Geräte (Bild: Christian Flierl).

Ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, der Fernseher flackert kurz und zeigt sofort ein «kristallklares» Bild. Die Wortwahl ist nicht zufällig: Dafür sorgen schliesslich Flüssigkristalle, die der Schweizer Physiker Martin Schadt (siehe separaten Artikel) erfunden hat. Zunächst betraf das nur ganz wenige Menschen – heute aber kommen alle Schweizerinnen und Schweizer mehrmals täglich mit LC-Displays (engl. Liquid Crystal, dt. Flüssigkristall) in Berührung. Und dafür müssen sie keinen Fernseher oder Computerbildschirm einschalten. Der folgende Tagesablauf zeigt, wo wir überall mit Schadts Erfindung in Kontakt kommen:

In einem normalen Auto-Cockpit befinden sich zahlreiche LC-Displays
In einem normalen Auto-Cockpit befinden sich zahlreiche LC-Displays (Bild: Shutterstock).

7.07 Uhr: Der Radiowecker spielt den Lieblingssender. Auf dem Bildschirm leuchten die aktuelle Uhrzeit und der laufende Songtitel.
7.31 Uhr: Noch vor dem Duschen geht es auf den Ergometer. Das Display zeigt die Herzfrequenz, die eingestellte Steigung und den Schwierigkeitsgrad.
7.58 Uhr: Der Eierkocher braucht noch zehn Sekunden, dann gibt’s endlich Frühstück.
8.14 Uhr: Es wird kalt und regnerisch. Das verrät der Blick auf das Thermometer mit Wettervorhersage.
8.15 Uhr: Heute Abend gibt’s einen Braten zum Znacht. Zum Glück lässt sich der Backofen programmieren. Der Salat dazu liegt im Kühlschrank bei fünf Grad.
8.30 Uhr: Das Navigationsgerät im Auto weist den Weg zum Kundentermin. Wer lieber Zug fährt, löst das Billet am Ticketautomaten.
9.00 Uhr: Dem Kunden gefällt die Präsentation auf dem Tablet-PC. Auf dem Taschenrechner kontrolliert er die Auftragssumme.
9.15 Uhr: Es bimmelt. Das Smartphone zeigt den nächsten Termin.

Gerade mal zwei Stunden und acht Minuten sind vergangen, und jeder Mensch nutzt bei einem normalen Tagesablauf zehn LC-Displays. Es ist ohne Frage die grösste technische Erfindung eines Schweizers. Es gibt sie seit Ende der 60er-Jahre, und sie wird noch lange Zeit einen zentralen Platz in unseren Wohnzimmern einnehmen. Wenn auch in einer weiterentwickelten Form.

Das bringt die Zukunft

Um das Jahr 2009 lösten LED-Fernseher die LCD-Geräte ab. Zum Einsatz kommt immer noch die ursprüngliche Technik – mit dem einzigen Unterschied, dass Leuchtdioden (engl. LEDs) für die Hintergrundbeleuchtung sorgen und dadurch unter anderem den Stromverbrauch senken und für eine längere Lebensdauer sorgen. Heute steht bereits die nächste Generation der LED-Geräte in den Startlöchern: Die Hersteller spendieren ihren Fernsehern die vierfache Full-HD-Auflösung und verkaufen sie unter der Bezeichnung Ultra-HD oder 4K. Die beeindruckende Bildqualität hat aber ihren Preis: derzeit etwa 20'000 Franken.

Schon länger geplant, aber bei grossen TV-Bildschirmen noch unbedeutend, ist die nächste technische Weiterentwicklung: OLED-Fernseher mit organischen – also selbstleuchtenden – Dioden sollen LCDs irgendwann vergessen machen. Die Technik verspricht schöne, kontrastreiche Bilder auf superdünnen Displays bei einem geringen Stromverbrauch. Sie ermöglicht ausserdem gebogene respektive biegsame Displays. Allerdings ist die Lebensdauer des Materials derzeit noch ungeklärt – wohl mit ein Grund dafür, dass die Produktion in grossen Stückzahlen noch fehlt.

Autor: Reto Vogt