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04. Mai 2015

Darf man Stühle, Hocker oder Plätze reservieren?

Philipp Tingler schreibt jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens. Diesmal über das Anrecht auf Platz für (noch) Abwesende.

Plätze für Nachkommende reservieren
Ein gesellschaftlicher Spagat: Im Restaurant Plätze für Nachkommende reservieren. (Illustration: Andreas Klammt)

«Entgegen einer im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Meinung ist es grundsätzlich unmanierlich, in einem vollbesetzten Lokal ohne Reservation über längere Zeit hinweg Stühle, Hocker oder Plätze besetzt zu halten für Menschen, die später kommen (oder vielleicht auch nie).

Wie viele Benimmfragen ist auch dies ein Territorialitätsproblem; die Botschaft, die jene Besetzthalter ihren Mitmenschen übermitteln, lautet: ‹Ich und meine Leute haben mehr Anrecht auf diesen Platz als du – auch wenn meine Leute gar nicht da sind.›

Dazu aber ist ganz allgemein festzustellen: Ein Hinterteil, das erst noch ankommen muss, kann nicht den Vorrang vor bereits anwesenden Hinterteilen geniessen.
Bei Bedarf wird sich schon was finden lassen. Und falls jemand mal eben aufs WC ging oder vor die Tür für eine Zigarette, gilt natürlich: Dieser Platz ist besetzt.»

Besetzen Sie auch manchmal Sitzplätze für Bekannte und Verwandte?

Autor: Philipp Tingler