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18. März 2013

Stressfrei zügeln

Vielen graut schon vor dem 1. April, dem offiziellen Zügeltermin. Das muss nicht sein. Denn gut vorbereitet ist halb gezügelt. Daran müssen Sie denken.

Stressfrei zügeln
Haben Sie sperrige Möbel und ziehen 
in den fünften Stock eines Altbaus? Engagieren Sie dem Seelenfrieden zuliebe einen Zügelprofi. (Bild: Getty Images)

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Hanspeter hatte die Zügelmänner noch gefragt: «Habt ihr denn schon mal einen Flügel gezügelt?» Sie hatten geheuchelt: «Ja sicher.» Doch da war es schon zu spät. Das beinahe 100-jährige Instrument, das Hanspeter liebevoll Frau Blüthner nennt, war schon raus aus der alten Wohnung und stand bald in der neuen — schwer ramponiert: Die Lyra, das Pedal des Flügels, war gebrochen. Die Zügelmänner kaschierten den Bruch. Hanspeter bemerkte es trotzdem, der Ärger war riesig. Die Lyra konnte zwar repariert werden, und die Zügelfirma musste den Schaden berappen. Doch der 100-jährige Flügel hatte wegen ein paar schlampiger Zügelmänner im Nu seine Unversehrtheit verloren.

«Prinzipiell haftet der Verursacher», sagt Daniel Bruckhoff (32), Mediensprecher bei Homegate. «Zügelfirmen haben Haftpflichtversicherungen. Machen Freunde beim Zügeln etwas kaputt, kommt deren Privathaftpflicht dafür auf.» Für den Umzug braucht man nur dann eine zusätzliche Versicherung, wenn teure Vasen und Kunstgegenstände transportiert werden: «Da lohnt es sich, eine separate Versicherung abzuschliessen, die allfällige Schäden ausreichend deckt», rät Bruckhoff.

Ein guter Umzug beginnt mit Ausmisten

Zügeln kann schnell Stress bedeuten. Aber: «Mit guter Planung und Vorbereitung ist Zügeln nur halb so schlimm», weiss Daniel Bruckhoff. Zu einer guten Vorbereitung gehört zwingend das Ausmisten — endlich weg mit altem Zeug. Was steht in Keller, Estrich, Wohnzimmer und Küche, das man nicht mehr braucht? Welche Kleider zieht man nicht mehr an? Hat man Möbel, die man nicht mehr will, ruft man am besten ein Brockenhaus an. Oft bieten diese einen Abholdienst an. Aber: Sie freuen sich nur über gut erhaltene Stücke, und der Abholservice wird vor offiziellen Zügelterminen stark beansprucht. Mit etwas Glück kann man seine überflüssige Habe auch auf www.ricardo.ch verhökern. Sonst: ab in den Entsorgungshof. Öffnungszeiten und genaue Adresse erfährt man auf der Gemeinde. Aber Achtung: Am Zügelwochenende sind Andrang und Wartezeiten garantiert, vor allem in den Städten.

Wer ausgediente Möbel und Hausrat vor die Haustür stellt und einen Zettel «Zum Mitnehmen» dranklebt, muss eines beachten: Werden die Möbel nicht innerhalb eines Tages mitgenommen, sind sie anderweitig zu entsorgen. Lässt man sie stehen, macht man sich der illegalen Entsorgung schuldig und riskiert eine Busse.

Was aber tun mit Kleidern, die noch zu schön sind, um als Putzlappen verwendet zu werden? Die Kleidersammlung hat man verpasst — also ab in den Müll? Ja nicht! In den Städten boomen Secondhand-Flohmärkte. Wer keine Zeit hat, seine Ware da anzubieten, schreibt ein Rundmail an Freunde und Arbeitskollegen oder ein gibt ein Inserat auf www.ronorp.net auf. Meist findet sich eine Secondhand-Kleiderjägerin, welche die Kleider auch gleich abholt.

Gut gepackt ist halb gezügelt

Nach dem Ausmisten gehts ans Packen: «Gut gepackt ist halb gezügelt», sagt Daniel Bruckhoff. «Am Zügeltag sollte alles demontiert und eingepackt sein.» Packen braucht aber Zeit, für einen Raum rechnet man einen halben bis einen ganzen Tag.

Man beginnt mit den Dingen, die man im Alltag nicht braucht: Keller und Estrich, danach Gegenstände wie Vasen, Bilder und Bücher aus Wohn- und Schlafzimmer. Zuletzt kommen Arbeitspult und Küche dran. Sein Hab und Gut versorgt man am besten in Umzugskartons und schreibt darauf, in welchen Raum sie gehören und was drin ist.

Einzig für Bücher sind Kartonkisten ungeeignet. Sie werden schnell so schwer, dass nur noch bärenstarke Zügelprofis sie tragen können. Wer Freunde für den Umzug anheuert, verstaut die Bücher besser in Migros­Säcken: Zwei Taschen ineinander, so halten sie selbst kiloschwere Kunstbände aus. Ordentlich gepackt, lassen sich die Taschen gut aufeinanderstapeln.

Das Beste am Zügeln: Man kriegt einen Tag frei

«Genügend Helfer ist einer der wichtigsten Faktoren für stressfreies Zügeln», weiss Daniel Bruckhoff von Homegate. Doch wie viele Leute braucht es für einen Umzug? Bei professionellen Zügelleuten gilt: pro Zimmer ein Zügelmann. Helfen Freunde und Bekannte, müssen mehr her: Eine bis zwei Personen, die den Zügelwagen beladen, und pro Zimmer zwei Helfer, welche die Ware heruntertragen. Und, ganz wichtig: Snacks und Getränke nicht vergessen.

Wer in der neuen Wohnung feststellt, dass der Mietzins seit dem Vormieter missbräuchlich um mehr als 10 Prozent erhöht wurde, kann diesen innert 30 Tagen anfechten. Oft geschieht das aber nicht — Mieter haben die unbegründete Angst, dass ihnen gekündigt wird.

Auf jeden Fall gilt: Mietvertrag gut durchlesen, Mängelliste erstellen und sich informieren, wann was letztmals erneuert worden ist. Die Lebensdauer eines Wandanstrichs ist 10 bis 15 Jahre und Erneuerung Sache des Vermieters.

Das Beste am Zügeln ist jedoch: Man bekommt einen Tag frei. Als Arbeitnehmer mit 100-Prozent-Pensum hat man das Recht auf einen freien Tag für den Umzug.

Autor: Claudia Langenegger