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06. April 2015

Streifzug durch den Schweizer Humor

Jürg Randegger ist zurück. Und mit der Cabaret-Rotstift-Legende auch der Humor, der für die Schweiz so typisch ist: selten belehrend, zurückhaltend und doch pointiert. Ein Streifzug durch die helvetische Kabarettgeschichte. Und Ihr Lieblingswitz?

Die wichtigsten Schweizer Humormacher
Die wichtigsten Schweizer Humormacher (Illu: Luis Grañena Lopez).

Für ihren Käse, ihre Schokolade und ihre Problembanken ist die Schweiz im Ausland bekannt. Humor gehört nicht zu den Stärken, die man den Eidgenossen zugesteht.

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Nun gut, könnte man jetzt sagen und nachschieben, dass wir die deutschen Witze auch zu hart finden und den griechischen Humor sowieso nicht verstehen. Aber wir sind ja neutral, und deshalb schieben wir das nicht nach und konzentrieren uns auf unsere eigene Witzigkeit. Und die ist besser als ihr Ruf. «In der Spitze ist der Schweizer Humor vielleicht ein bisschen weniger hart und schwarz als in Deutschland oder England», sagt Satiriker Christian Jott Jenny (36). Die kleine herzige Schweiz produziere neben Humor auch Humörchen, und das sei auch okay so.

Den Skilift-Sketch kennt jede Schweizerin und jeder Schweizer.

Sehr viele Schweizer Humörchen hat das Cabaret Rotstift produziert. Während fast 50 Jahren hat das Ensemble aus Schlieren ZH den helvetischen Humor und sogar die Alltagssprache geprägt. Zum Beispiel, wenn jemand ein «Tropevogel» war, weil er «vo Planig kei Ahnig» hatte. Oder wenn es mal «ruckzuck zackzack» gehen musste.

Jürg Randegger meldet sich aus dem Ruhestand zurück.
Jürg Randegger meldet sich aus dem Ruhestand zurück.

Der Erfolg von Cabaret Rotstift hat sicher auch damit zu tun, dass ihre Gags nie belehrend waren. «Wie alle Rotstift-Mitglieder war ich Lehrer», erinnert sich Jürg Randegger (80), der 1965 ein Rotstift wurde und es bis zum Schluss 2002 blieb. «Ich habe mir immer gesagt, dass das mein Beitrag an die Menschheit ist. Aber von der Bühne aus muss ich die Menschen nicht erziehen.»

Seither hat sich der Humor verändert. Durch Fernsehen, Internet und Social Media ist er schneller geworden. Und vielleicht auch ein bisschen platter, denn «Humoristen müssen innerhalb einer Minute ihre Pointen loswerden, da die TV-Programme immer kürzer werden», sagt die Tessiner Clown-Komödiantin Gardi Hutter (62). Da habe es körperliches und mimisches Theater schwer, denn es sei zu langsam.

Umso erstaunlicher, dass das Cabaret Rotstift vor einem Comeback steht. Ab Anfang April lebt es im Musiktheater «Rotstift Reloaded» wieder auf. Mit dabei ist auch Jürg Randegger. Er wird gemeinsam mit Christian Jott Jenny und Schauspieler Andreas Matti (55, «Der Goalie bin ig») auf der Bühne stehen. Und wie schon früher geht es im neuen Programm um Alltagssituationen, in denen sich jeder ein wenig selbst erkennt. Nicht aggressiv, nicht laut und nicht missionarisch. Beobachtend und etwas überspitzt dargestellt. Typisch schweizerischer Humor halt.

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Den ehemaligen Pöstler Emil Steinberger(2. v.l., 82) kennt man auch in Frankreich und Deutschland. «Ruhestand geht bei mir einfach nicht», sagte er in einem Interview mit dem Migros-Magazin. Und doch mottete er die Bühnenfigur «Emil» 1987 ein und zog sechs Jahre später nach New York. Seit Jahren ist er wieder in der Schweiz und auf der Bühne zu sehen – ab dem 8. September in Basel mit «Emil – No einisch!»

Der einstige Primarlehrer Peach Weber (links, 62) aus Wohlen AG ist schon seit 35 Jahren und seinem ersten Album «So bin I halt» als Komiker unterwegs. Für den 15. Oktober 2027, einen Tag nach seinem 75. Geburtstag, hat er eine Veranstaltung im Zürcher Hallenstadion angekündigt. Dafür sind Tickets erhältlich: Weltrekord für den längsten Vorverkauf aller Zeiten!

Elsie Attenhofer (rechts, 1909 bis 1999) gilt als «Grand Old Lady» des Kabaretts und war seit 1934 und während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiges Mitglied des Cabarets Cornichon, das wegen seiner bissigen Satire Nazi-Deutschland ärgerte.

César Keiser(2. v.r., 1925–2007) lernte Margrit Läubli (87) am Cabaret Fédéral in Zürich kennen und heiratete sie. Seit 1962 trat das Ehepaar gemeinsam in eigenen Kabarettproduktionen auf. Das Stück «Hallo! Do isch Kuenz in Bünze» ist legendär. Sohn Lorenz Keiser (55) gehört ebenfalls zu den grossen Schweizer Kabarettisten.

Das «Totemügerli» ist das bekannteste «bärndütsche Gschichtli». Es steht für die Fabulierlust vonFranz Hohler (links, 72), der sich immer wieder auch kritisch zum Umgang mit unserem Planeten äussert. 2008 wurde er mit dem Salzburger Stier für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Viktor Giacobbo (rechts, 63) ist spätestens seit der Satiresendung «Viktors Spätprogramm» dem breiten TV-Publikum bekannt. Seine Figuren wie Harry Hasler, Fredi Hinz oder Debbie Mötteli sind fast so berühmt wie der Winterthurer Autor, Moderator und Kabarettist selbst. Seit 2008 ist er zusammen mit Mike Müller (51) im satirischen Wochenrückblick «Giacobbo/Müller» zu sehen.

Ursus & Nadeschkin (Nadja Sieger, Mitte, 46, und Urs Wehrli, 2. v.l., 45) touren seit 1987 zwischen Wien, Berlin, New York, Melbourne und der Schweiz und gehören seit ihrem Engagement beim Circus Knie 2002 definitiv zu den Grossen der Schweizer Theater- und Comedyszene. Die amerikanische Presse nennt sie «The German Marx Brothers».

Wer kennt den Soldaten HD Läppli nicht? Der Basler Kabarettist und Schauspieler Alfred Rasser (2. v.r., 1907–1977) hat die Figur mit seinen Filmen unsterblich gemacht. Der Name Rasser lebt weiter: Roland Rasser (82) und seine Tochter Caroline Rasser (43) sind ebenfalls Schauspieler und Kabarettisten.

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Autor: Andrej Abplanalp, Reto E. Wild