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10. März 2014

Stinktier-Alarm

Telefonalarme! Was habe ich sie laminiert, griffbereit aufbewahrt! Und jedes Mal, wenn ein neues Kind in den Kindsgi kam oder eines eine Schulklasse verliess, habe ich den neu verteilten Klassenalarm abermals laminiert und ihn zu Ärztenotruf und Pfadi-Quartalsprogramm in die orange Box auf dem Küchenregal gesteckt. Aber gebraucht? Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, da ein solcher Kettenalarm zum Einsatz gekommen wäre.

Nein, wenn unser Festnetzapparat vor acht Uhr in der Früh klingelt, ist es das Radio, das anruft. «Sii! Bänzfriedli! Sii als Huusmaa …!» Ganz aufgeregt bat jüngst wieder eine Moderatorin um einen Kommentar: Die Zahl der Hausmänner in der Schweiz habe sich letztes Jahr halbiert, drastisch … Und ich murmelte im Halbschlaf meinen alten Vers: «Man kann Vätern nicht genug sagen, was sie verpassen, wenn sie nicht mehr Alltagszeit mit ihren Kindern verbringen.» Erst als ich Stunden später wirklich wach war und mit meiner Gewährsfrau vom Bundesamt für Statistik telefoniert hatte, wurde mir klar: Das Radio war einer Zeitungsente aufgesessen. Es mag stimmen, dass die Zahl reiner Hausmänner auf rund 9000 zurückgegangen ist; aber nur, weil auch die Anzahl der Vollzeithausfrauen sinkt. Viel wesentlicher scheint mir, dass sich endlich mehr Männer an der Haus- und Familienarbeit beteiligen. Die Zahl derjenigen Väter nämlich, die daheim mindestens die halbe Büez machen, ist in den letzten 15 Jahren von verschwindenden 0,6 Prozent der Haushalte auf fast 3,5 Prozent gestiegen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass dies noch immer viel zu wenige sind. Die meisten Männer, hört man, hätten Angst, ihr Jobpensum zu reduzieren. Und Hausarbeit sei halt eintönig, sagt ausgerechnet der Sprecher jener Männerorganisation, die den Männern Teilzeit eigentlich schmackhaft machen will, Herr Theunert. Eintönig, unser Job?! Haushalt steckt voller Thrills! Von Abenteuern höchster Spannung kann ich berichten …

Es stank in Hans’ Zimmer. Zunehmend. Und bestialisch.

Spielzeug am Boden im Kinderzimmer.
«Es stank in Hans’ Zimmer. Zunehmend. Und bestialisch.»

Und Abenteuern des Grauens. Es begann damit, dass es in Hans’ Zimmer stank. Mochte ja sein, dass ich das Saubermachen ein bisschen vernachlässigt hatte aus Sorge, ich könnte eines der herumliegenden Schräublein fürs ferngesteuerte Auto wegsaugen. Aber als ich schliesslich doch gewischt, geschrubbt und poliert hatte, stank es noch immer. Zunehmend. Und bestialisch. Wars das Reisstroh seiner Futonunterlage, das so streng roch? Lag eine tote Maus in einem Winkel, verweste irgendwo ein Vogel? Gammelte ein ungegessenes Znüni in einem Turnsack vor sich hin? Alles durchwühlt, alles versucht, wider alle Vernunft auch winters stundenlang gelüftet – keine Besserung. Mit Duftlämpchen und Raumsprays wollte ich dem Gestank beikommen, vergeblich. Ging ich tagsüber in sein Zimmer, wurde mir übel, und ich hoffte, er würde es nicht merken. Kam Hans dann heim und merkte es doch: «Da drin schlafe ich im Fall nicht mehr!», entgegnete ich: «Tu doch nicht so!» – und dachte insgeheim: Das arme Kind. Die Monate vergingen. Ich schämte mich. Dann, im Februar, ein letzter Anlauf. Ich hob Kisten hoch, rückte Schränke umher, drehte alles um … Und stiess in einer aufrecht hinter sein Pult geklemmten Zeichenmappe auf das vermeintliche tote Tier: einen selbst gebastelten Gummiball, der vom Sims gefallen sein musste. Woher der stammte? Spielgruppe, Kindergarten, Bastelnachmittag im Gemeinschaftszentrum, Ferienlager? Keine Ahnung. Sie kennen das: Einen Luftballon mittels Trichter mit Mehl füllen, zuknöpfen – fertig. Wird aber die Hülle mal leck und das Mehl feucht, dann Gute Nacht!

Einen solchen Ball zu kneten, dient angeblich dem Stressabbau, die Anleitung findet sich im Internet unter «Stressball zum Selbermachen». Und wenn je ein Wort zutreffend war, dann dieses: Stressball. Soll ich einen Aufruf an alle Kindergärtner und Lagerleiterinnen lancieren? «Basteln Sie nie mehr solche Bälle!!» Nein! Die Hausarbeit würde sonst zu eintönig.

ANNA LUNA GOES WEST

Bänz Friedlis Tochter Anna Luna berichtet während ihres Austauschsemesters in den USA, wie es ihr fern von zu Hause ergeht. Ihr Bruder Hans antwortet aus Schweizer Sicht. Erfahren Sie, wie Anna Lunas Gastmutter erfuhr, dass sie Grossmutter wird: zum Blog

Bänz Friedli live: 6. 3. Grosshöchstetten BE, 8. 3. Engelburg SG, 9. 3. Adelboden BE.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli