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06. Juni 2016

Ständig im Clinch

Wenn die Kinder sich immer in die Haare geraten, stossen Eltern irgendwann an ihre Grenzen – und suchen deshalb auch mal Hilfe bei Beratungsstellen wie Pro Juventute. Die Streithähne sofort räumlich trennen oder sich sofort aussprechen: Mit welcher Methode hatten Sie schon Erfolg?

Zwei streitende Kinder
Lautstark bis handgreiflich: Wenn Geschwister sich zanken, geht es oft hoch zu und her. (Bild: Charles Schmidt/Getty Images)

Miriam (42) ist mit den Nerven am Ende. Schon wieder haben sich ihre Kinder nach der Schule sofort in die Haare gekriegt. Vielleicht findet Yann (11) seine Schwester Helga (10) einfach von Grund auf doof und fängt deshalb seit Jahren ständig Streit an. Das könnte es sein, oder? «Streiten Kinder oft miteinander, ist Antipathie kaum der Grund», sagt Eveline Männel Fretz (42), Sozialarbeiterin bei der Elternberatungsstelle von Pro Juventute. «Streit ist etwas Emotionales und Aktives. Wer eine Person nicht mag, geht ihr eher aus dem Weg.» Können Geschwister nicht viel miteinander anfangen, zeigt sich dies eher, indem sie weniger miteinander unternehmen.

«Geschwisterstreit ist einer der häufigen Gründe, warum Eltern sich bei uns melden», sagt die Elternberaterin. «Diese Streitereien sind oft nur schwer auszuhalten.» So schwierig es ist: Eltern müssen lernen, die Situation so anzunehmen, wie sie ist. Oft stehen ihnen dabei ihre Erwartungen nach Harmonie im Weg. Es hilft aber, dem Streit gegenüber offen zu sein und ihn zu thematisieren – mit möglichst wenigen Worten. «Man tendiert schnell dazu, zu viel zu sagen, eine Richterrolle einzunehmen und alles in Ordnung bringen zu wollen», weiss Eveline Männel Fretz. Dabei sollten Eltern vor allem eins: die Emotionen ernst nehmen. «Dies stärkt das Kind.» Manchmal reicht es schon, in Worte zu fassen, was man gesehen hat, oder nachzufragen, wie es dazu gekommen ist.

Auseinandersetzungen unter Geschwistern seien ganz normal, «die Familie bietet einen geschützten Rahmen dafür». Chronischer Streit hingegen kann ein Hilferuf sein – wenn das Kind sich vernachlässigt fühlt, eifersüchtig ist, wenn Ehezwist oder eine schwierige finanzielle Situation das Klima zu Hause belastet. Dann ist es sinnvoll, professionellen Rat einzuholen.

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Autor: Claudia Langenegger