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29. September 2014

«SRF muss sich sorgen!»

Reed Hastings ist CEO und Mitbegründer von Netflix. Im Interview spricht es über die Zukunft des Fernsehens.

Reed Hastings
Reed Hastings

Reed Hastings, Netflix gibts in den USA seit 14 Jahren. Warum mussten wir so lange warten?

Weil wir langsam sind (lacht).

Deshalb haben sich Film- und Serienfans schon einen Netflix-Zugang besorgt!

Ich weiss, das ist nicht cool. Jetzt bieten wir es endlich für alle an. Sie müssen wissen: Es ist teuer, die Rechte für Filme und Serien in allen Ländern zu kaufen, deshalb die Verzögerung.

Es ist auch uncool, über 30 Prozent mehr zu bezahlen als in den USA.

Eine Tasse Kaffee kostet hier auch mehr. Generell sind Lebenshaltungskosten sehr hoch in der Schweiz. Ich finde unsere Preise fair.

Wie gross ist denn Ihr Katalog tatsächlich? Wie viele Filme und Serien bieten Sie in der Schweiz an?

Genaue Zahlen verrate ich nicht. Aber das Angebot verändert sich sowieso fast täglich. Wir passen uns dem Sehverhalten der Schweizerinnen und Schweizer an.

Dafür müssen Sie aber eine Menge Daten sammeln.

Ja, wir wissen, welche Filme und Serien sie mögen, ob sie einen Titel zu Ende sehen oder nicht, kennen ihre Lieblingsschauspieler, Empfehlungen von Freunden und demografische Angaben wie Geschlecht oder das Alter.

Halten Sie es nicht für eine Hürde, wenn Kunden ihre Set-Top-Boxen von UPC Cablecom oder Swisscom ausschalten müssen, um Netflix zu sehen?

Nein, das ist nicht essenziell. Netflix funktioniert auf Geräten wie internetfähigen Fernsehern, iPads, Smartphones, Spielkonsolen oder Blu-ray-Spielern.

Das müssen Sie jetzt sagen, weil die beiden Firmen Ihre Konkurrenten sind!

Nein, unser Hauptkonkurrent ist Piraterie, die hier halblegal und deshalb weit verbreitet ist.

Was ist mit Schweizer Serien und Filmen?

Dafür ist das Land zu klein, sorry.

Ihrer Meinung nach ist TV nach Programmzeitschrift sowieso bald vorbei. Sind Sie der Totengräber dieser Industrie?

Nein, aber das ist der Lauf der Zeit. Wir fahren ja auch nicht mehr in Postkutschen herum. Darum machen sich traditionelle TV-Anstalten wie SRF Sorgen. Und das sollten sie auch.

Autor: Reto Vogt