Archiv
25. Januar 2016

Spracherkennung auf Schweizerdeutsch

Noch tun sich Spracherkennungsdienste schwer mit Schweizer Dialekten. Doch das dürfte sich bald ändern: Eine Schweizer Firma hat eine neue Software entwickelt.

«Wie isch ds Wätter ds Basu? U wie chumi am schnäuschte derthäre?»
«Wie isch ds Wätter ds Basu? U wie chumi am schnäuschte derthäre?» (Bild: Getty Images).

Schweizerdeutsch ist eine besondere Herausforderung: Es gibt zahlreiche, sehr unterschiedliche Dialekte und keine Grammatik. Kein Wunder, dass auch Sprach­erkennungsdienste nicht – oder ­zumindest nicht wie ­gewünscht – funktionieren ohne laut und deutlich gesprochenes Hochdeutsch.

Weder die Apple-Anwendung Siri noch Ok Google oder Cortana von Microsoft deutet schweizerdeutsche Sätze fehlerfrei. Auf Aussagen wie «Zäig mer bitte dr Wäg uf Bärn» oder «Wie isch ds Wätter ds Basu?» anwortet beispielsweise Siri: «Ich weiss leider nicht, wo das ist» und «Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe».

Den global operierenden Unternehmen wie Apple oder Google ist die Schweiz schlicht zu klein und unbedeutend, als dass sie den eigenen Spracherkennungsdiensten Bern- oder Baseldeutsch beibringen würden. Diese Lücke versucht die Schweizer Firma Spitch nun zu schliessen: Sie hat eine Software entwickelt, die Schweizer Mundart versteht.

Damit die Erkennung funktioniert, hat Spitch in Zusammenarbeit mit der ETH und Swisscom Sprachaufnahmen von Alltagsgesprächen gesammelt und diese in einer Datenbank gespeichert.

Spitch versteht nur Züridütsch

Die Software gleicht die gesprochenen Sätze noch während des «Zuhörens» mit der Datenbank ab. Sie erkennt nicht nur Schlagworte, sondern auch in welchem Zusammenhang diese Worte stehen. Darüber hinaus ist das System selbstlernend und passt sich der Sprechweise der Nutzer und deren Wortschatz an.

Trotzdem ist und bleibt die Datenbank die Achillesferse der Spitch-Software. Denn sie muss nicht nur die Bandbreite der Schweizer Dialekte komplett abdecken, sondern auch mit Anglizismen umgehen können, die sich im Wortschatz eingenistet haben.

Beides ist derzeit nicht der Fall, da nur Sätze im Zürcher Dialekt gespeichert sind. Die Datenbank ist jedoch flexibel erweiterbar: Einerseits lässt sie sich laufend mit weiteren Dialekten ergänzen, andererseits kann man jederzeit Begriffe hinzufügen, die neu im täglichen Sprachgebrauch auftauchen.

Weil weder Apple noch Google zu den Spitch-Kunden zählt, wird die Mundartsprachsteuerung vorerst noch nicht auf Smartphones auftauchen. Zwar ist die Software theoretisch fähig, das Programm Siri zu ­ersetzen oder ihm Schweizerdeutsch bei­zubringen, doch bis es so weit ist, müssen wir unsere Handys noch in deutlich gesprochenem Hochdeutsch steuern – oder ganz einfach mit den Fingern.

Autor: Reto Vogt