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14. Mai 2012

«Sport soll mir in erster Linie Spass machen»

Ihre Klassenkameradinnen starten am 10. Juni beim Schweizer Frauenlauf. Und wie halten es die Buben der Primarschule Grafenried mit der Fitness? Das Migros-Magazin hat nachgefragt.

Die Buben sind Fussballfans
Die Buben sind Fussballfans. 
Aber auch Handball, Völkerball oder Burgball gefällt ihnen. Hauptsache Ball – und Mannschaft.

Jugend & Fitness heute, Teil 1: Die Mädchen
«Wenn ich zu wenig Sport mache, habe ich miese Laune»

«Hab ihn sicher!», ruft Jan Schneider und läuft über den Platz, den Ball konzentriert vor sich her dribbelnd. Dann: Schuss. «Tor!», schreit der 12-Jährige und reisst die Hände in die Luft. Philippe Müller (12) klopft ihm anerkennend auf die Schulter. Jetzt im Frühling spielen die Jungs der Klassen 5 und 6 der Primarschule Grafenried BE im Sportunterricht oft Fussball. Draussen auf einem Rasenplatz.

Im Fussballsport sind die Jungs geübt. Denn die meisten von ihnen spielen auch in ihrer Freizeit. «Ich trainiere fast jeden Nachmittag, zweimal die Woche auch im Verein, oder ich treffe mich mit Kollegen auf dem Fussballplatz», sagt Philippe. Dann ist auch Ben Zimmermann (11) mit von der Partie. «Allein zu Hause abhängen und Computer spielen ist doch langweilig», sagt er. Und mehr als eine halbe Stunde täglich im Netz würden ihm seine Eltern sowieso nicht erlauben.

Laut dem 2008 veröffentlichten Kinder- und Jugendbericht des Bundesamts für Sport (BASPO) sind 62 Prozent aller Kinder und 47 Prozent aller Jugendlichen Mitglied in einem Sportverein. Die wichtigste Vereinssportart ist Fussball. Dies gilt insbesondere für die 10- bis 14-jährigen Buben, von denen fast ein Drittel Mitglied eines Fussballclubs ist. In der Studie wurden 1530 Kinder im Alter von 10 bis 14 und 1534 Jugendliche von 15 bis 19 Jahren zu ihrem Sportverhalten befragt.

Ob man ohne Sport dick wird, ist eher ein Thema bei den Mädchen
Im Sportunterricht mögen die Jungs neben Fussball auch alle anderen Mannschaftssportarten wie Handball, Völkerball oder Burgball. Gar nicht gut finden sie Turnübungen. «Sport soll mir in erster Linie Spass machen», betont Lucas Trey (12). Natürlich sei es wichtig, sich fit zu halten, aber Gedanken darüber, ob man ohne Sport zu dick wird, machen sich eher die Mädchen. Sind denn die Jungs besser im Sport als die Mädchen? «In allem, was mit Bällen zu tun hat, ja», sagt Jan und lacht. «Wobei, in Koordinations- und Beweglichkeitsübungen sind die Mädchen besser», verbessert ihn Ben. Philippe: «Wir haben halt mehr Kraft und können besser schiessen.»

Aber nicht alle Klassenkameraden von Philippe sind Fussballfans. Während Justin Studers Kollegen alle Fussball spielen, hat sich der 12-Jährige vor zwei Monaten in einem Modern-Dance-Studio angemeldet; dort tanzt er Hip-Hop. «Es ist cool, sich zu Musik zu bewegen», erzählt er. Und es ist ziemlich athletisch. Handstand und Kopfstand hat Justin schon gelernt. «Früher war ich auch im Fussballverein, aber das ist mir irgendwann zu langweilig geworden.»

Glaubt man dem Bericht des BASPO, kommen Vereinsaustritte im Kindes- und Jugendalter sehr häufig vor. Fast die Hälfte aller befragten 10- und 14 Jährigen sind mindestens einmal aus einem Sportverein ausgetreten, bei den 15- bis 19-Jährigen sind es sogar 63 Prozent, die schon zumindest einem Verein den Rücken gekehrt haben. Die Gründe: verlorenes Interesse an der Sportart, Konflikte mit anderen Jugendlichen oder dem Trainer. Vielen fehle die Zeit, weil die Belastungen in der Schule gestiegen seien oder weil sie mehr Zeit mit Kollegen verbringen wollten.

«Jeder soll das tun, was ihm Spass macht»
Auch Lucas hat dem Fussball vor vier Jahren den Rücken gekehrt. «Das war einfach nicht so mein Ding», erinnert er sich. Er spielt Volleyball und Golf. Zum Golfen ist er über seinen Götti gekommen. Der sei ein guter Spieler und habe ihn einmal auf den Golfplatz mitgenommen. Jetzt trainiert Lucas mittwochs und freitags. Am Sonntag spielt er Turniere. Wie finden das die anderen Jungs? «Ich glaube, ganz okay.» Philippe nickt. «Stundenlang einem Golfball hinterhertrotten wäre nichts für mich. Aber jeder soll das tun, was ihm Spass macht», sagt er, schnappt sich den Fussball und rennt los.

I’M fit – mit der Migros zum Schweizer Frauenlauf

Die Migros verspricht, als Hauptsponsorin bis 2015 jedes Jahr Laufveranstaltungen für 200 000 Sportlerinnen und Sportler zu ermöglichen – und junge Sportler zu unterstützen. So starten dank der Initiative «I’M fit» jährlich rund 475 Schulklassen gratis, das sind etwa 5500 Teilnehmende. Beim Schweizer Frauenlauf am 10. Juni offeriert die Migros den ersten 30 angemeldeten Jugendgruppen je 20 Freistarts inklusive Anreise nach Bern. «I’M fit» ist eine Initiative der Migros, die Jugendliche zum gemeinsamen Aktivsein animiert und zeigt, wie wichtig Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind. 1987 hiess es zum ersten Mal «women only», als 2000 Teilnehmerinnen zum Schweizer Frauenlauf in Bern starteten. Dieses Jahr findet das sportliche Grossereignis zum 26. Mal statt. Eine Online-Anmeldung ist noch bis 30. Mai unter www.frauenlauf.ch möglich. Und wer möchte, kann sich mit dem Trainings- und Ernährungsratgeber von «I’M fit» für den Anlass in Form bringen: www.migros.ch/i-m-fit

Autor: Evelin Hartmann

Fotograf: Vera Hartmann