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11. Januar 2016

Die Sport-Highlights und -Prognosen für 2016

Die beiden grössten Anlässe im reich befrachteten Sportjahr bilden die Olympischen Spiele und die Fussball-Europameisterschaft. Wir liefern die Übersicht aller Höhepunkte und wagen uns auf die Äste hinaus. Lesen Sie dazu das Porträt von Timea Baczinski, die neben den Grand Slams auch an den Spielen mit guten Chancen antritt.

Weltmeister Nino Schurter
Einer der grossen Trümpfe für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro: Weltmeister Nino Schurter (hier in Andorra September 2015 / Bild: Keystone).

Januar: AUSTRALIAN OPEN (ab 18.)
Das erste Grand-Slam-Turnier bildet traditionell den Auftakt bedeutender Events in weltumspannenden Sportarten. Und welcher Schweizer Sportfan möchte bei zwei Tennis-Eidgenossen in den Top 5 und zwei Frauen in den Top 15 bis Paris warten?
TIPP: Gegen Novak Djokovic ist kein Kraut gewachsen, Stan Wawrinka jedoch das Halbfinale zuzutrauen. Bestenfalls ebenso weit vorstossen könnte Belinda Bencic – Tipp: Viertelfinal.
Februar: EISHOCKEY-PLAYOFF (ab 29.)
Für die Schweizer Hockey-Begeisterten beginnt jetzt die schönste Saisonzeit. Statt um Prestige geht es endlich um Titel, für «Schwanzklubs» um die Existenz.
TIPP: Der eher auf ungerade Jahre spezialisierte HC Davos wird den Titel an die ZSC Lions verlieren.
März: SKI-WELTCUP-FINALE (16.–20.)
Ein Jahr vor der Ski-Weltmeisterschaft können Skifans das mondäne St. Moritz noch nicht völlig Fan-überlaufen erleben und neben den Rennen ein paar eigene Schwünge ziehen.
TIPP: Bleibt sie unverletzt, liegt für Lara Gut mindestens eine Kristallkugel für die Saisonbeste (Super-G, vielleicht gar Riesenslalom) drin. Die grosse Trophäe für den Gesamtweltcup holt aber Lindsey Vonn.
April: SCHWEIZER FUSSBALL
Die Rückrunde in der höchsten Schweizer Liga läuft seit Mitte Februar, Meisterschaft und Cup enden erst Ende Mai – entschieden werden sie aber Wochen zuvor. Meister wird einmal mehr ...
TIPP: ... der FC Basel, Cupsieger der Gewinner des Halbfinals Sion - FCZ. Prognose: der FCZ.

RAD-CLASSIQUES (Paris–Roubaix am 10.): Wie immer gehören Flandern-Rundfahrt, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Paris–Roubaix zu den Highlights im Velokalender. Die nordfranzösische und belgische Begeisterung schlägt die WM-Stimmung im Oktober in Doha (9.–16.) um Welten – dasselbe gilt für Parcours und Aussagekraft der Resultate. TIPP: Doyen Fabian Cancellara verabschiedet sich in guter Form von seinen Lieblingsrennen, im hektischen Roubaix-Finale verpasst er den Sieg nur mit Pech.

Mai: KUNSTTURN-EM (ab 25.)
Zum Ende des Wonnemonats steigen in Bern die Heim-Europameisterschaften der Ostschweizerin Giulia Steingruber.
TIPP: Wird eine Medaille an den Spielen in Rio im Mehrkampf fast unmöglich, am Boden schwierig und im Sprung unsicher, wird die Vorturnerin in der Postfinance-Halle zwei von drei Chancen auf eine Medaille nutzen (1 Mal Gold).

EISHOCKEY-WM (ab 6.): Ohne (die meisten) NHL-Stars und mit mittelmässigen Schweizern schlägt das Turnier in Moskau keine grossen Wellen. TIPP: Klares CH-Aus im knapp erreichten Viertelfinal.
Juni: FUSSBALL-EM (ab 10.)
In Frankreich steigt das Kontinentaltreffen mit neu 32 (statt 24) Nationalmannschaften. Es wird eine mit neuen Farbtupfern (Island!) belebte Veranstaltung auf unverändert hohem Niveau.
TIPP: Vladimir Petkovics Elf scheitert gegen Albanien knapp am Achtelfinaleinzug. Mit einem aufstrebenden Shaqiri oder Jungtalent Embolo operiert man offensiv frech, in der Rückwärtsbewegung aber ungenügend.
Juli: TOUR DE FRANCE IN BERN (18.–20.)
Fabian Cancellara, in den Frühjahrs-Classics trotz guter Form glücklos, feiert auf den Etappen 16 bis 18. Sein bevorstehendes Karriereende im heimischen Bern.
TIPP: Es wird trotz Ferienzeit ein grosses Volksfest, auch wenn ‚Spartakus’ lange nach dem Tourstart keine führende Rolle mehr spielen kann.

LEICHTATHLETIK-EM (6.–10.): Die Europameisterschaften in Amsterdam, genau ein Monat vor den Olympischen Spielen, stehen in allen Leichtathletiksparten klar im Schatten des bevorstehenden Vier-Jahre-Hits. TIPP: Fast alle Stars und viele Schweizer nutzen den Anlass mehr als Probegalopp denn als Saisonhöhepunkt – wenn sie überhaupt anreisen. Ein Fall für eingefleischte Fans.
August: OLYMPISCHE SPIELE (ab 5.)
Das unumschränkte Highlight für nahezu alle Sommersportarten. Die weltoffene Metropole Rio de Janeiro gibt einen sympathisch-feierfreudigen Gastgeber mit erstaunlich wenig Pannen ab und setzt Massstäbe für die nächsten Spiele.
TIPP: Die Schweizer Vertretung wird in Sachen Medaillenausbeute (13) eine der erfolgreicheren Spiele erleben, Gold holen aber mit Nino Schurter, Nicola Spirig und Bacsinszky/Wawrinka nur drei (Mountainbiker, Triathlon, Tennis-Mixed).

EIDGENÖSSISCHES SCHWINGFEST (26.–28.)
Für Sportinteressierte in traditionell schweizerischen Domänen bilden die Olympischen Spiele vielleicht bloss den Appetitanreger für das Schwingfest, das fünf Tage später auf dem Flughafengelände in Payerne VD steigt. Eine sechsstellige Zahl an Fachkundigen, aber auch immer mehr Modefans verfolgen hochklassige Gänge und feiern ein Wochenende durch. TIPP: Christian Stucki, Widersacher und fairer Finalverlierer 2013, rüttelt heftig am Thron von Matthias Sempach. Davon profitiert, etwas überraschend, der Nordostschweizer Daniel Bösch.
September: GP VON MONZA (4.)
Eines der absoluten Highlights neben dem GP von Deutschland oder dem Rennen in Spa (B) ist jedes Jahr das Formel-1-Weekend in Monza (von der Schweiz aus gut erreichbar).
TIPP: Ferrari schafft keinen Sieg, aber einen Podestplatz, der Sauber-Rennstall geht einmal mehr punktelos aus.

PARALYMPICS (ab 7.): Wer echte Sportbegeisterung verfolgen will, einen überschaubaren, aber dennoch professionellen Rahmen schätzt und besondere Sportlergeschichten sucht, ist bei den gut zehn Tagen der Spiele für Aktive mit Handicap besser bedient als mit den ‚grossen’ Spielen. TIPP: Auch nach dem Rücktritt von Schweizer Stars werden speziell bei Langdistanz-Rollstuhlrennen mehrere eidgenössische Exploits zu beklatschen sein.
Oktober: WELTCUP-FINALE IM ORIENTIERUNGSLAUFEN (14.–16.)
In Aarau kann die Schweizer mit der nordeuropäischen Elite beim Saisonschluss aus der Nähe verfolgt werden. Noch immer ein so faszinierender wie bei der breiten Masse unterschätzter Sport.
TIPP: Es gibt Medaillen von Einheimischen. Doch die Zeiten sind vorbei, als Seriensiegerinnen die Konkurrenz deklassierten.

WM-QUALIFIKATIONSSPIEL UNGARN - SCHWEIZ (7.): Nach der (unbefriedigenden) EM steigt die Schweizer Fussballauswahl in die Ausscheidung für die Weltmeisterschaften 2018. Nach dem Auftakt im September gegen Gruppenfavorit Portugal folgt ein Monat später das Schlüsselspiel gegen Ungarn. TIPP: Die Eidgenossen zeigen sich in der Abwehr etwas gefestigt und punkten in Budapest.
November: CURLING-EM (ab 18.)
Im schottischen Braehead treffen die aktuell besten Curling-Equipen (ohne Überseegrossmacht Kanada) wieder einmal in traditioneller Umgebung aufeinander.
TIPP: Die packenden Matches enden mit einer Bronzemedaille der Schweizer Herren und einem überzeugenden Triumph der Frauen.

FED-CUP-FINAL (12.–13.): Die World Tour Finals (14.–20.) im Tennis gehen ohne Schweizer Exploit zu Ende, der Davis-Cup hat für Roger Federer und Stan Wawrinka im Olympia-Jahr nicht erste Priorität. Hingegen raffen sich die Frauen um Senkrechtstarterin Belinda Bencic, Timea Bacsinszky und Doppel-Crack Martina Hingis zu einer Super-Spätform auf und ...
TIPP: ... holen sich gleich den Fed-Cup-Titel.
Dezember: STADTLÄUFE IN GENF UND ZÜRICH (3./4. und 11.)
Zum Jahresabschluss sind die Highlights primär zum Selbermitmachen da: Die beiden grössten Events steigen mit der Genfer Escalade am ersten Dezember-Weekend, eine Woche später steht der Zürcher Silvesterlauf an.
TIPP: Die Teilnehmerzahl erreicht die Rekordzahlen beinahe, Wetter und Stimmung passen.

Autor: Reto Meisser