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19. Mai 2014

«Sport hat einen angstlösenden Effekt»

Was sind Angststörungen und welche Ansätze können gegen sie helfen? Thomas Idhe, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Unterseen BE, beantwortet die Fragen des Migros-Magazins. Das Porträt einer Betroffenen lesen Sie rechts. Und: Leiden oder litten Sie schon unter wiederkehrenden oder starken Ängsten? Stimmen Sie ab.

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Thomas Idhe
Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Thomas Idhe aus Unterseen BE gibt Auskunft. (Bild zVg)

Herr Ihde, wie kommt es zu einer Angsterkrankung?
Wie oft bei psychischen Krankheiten sind es verschiedene Faktoren, die zusammenspielen. Meist ist es eine bestimmte psychische Konstitution einer Person, die mit einer akuten Belastungssituation konfrontiert ist. Eine Erkrankung kann sich auch schleichend entwickeln, zum Beispiel bei einer sozialen Phobie (Angst vor Menschen), nicht aber bei Panikattacken, die akut auftreten können.
Was passiert im Kopf der Menschen?
Ein gesunder Mensch aktiviert, wenn reale Gefahr droht, ein inneres Alarmsystem. Bei einer Angsterkrankung ist dieses System gestört und aktiviert sich zur falschen Zeit und im falschen Ausmass.
Was bedeutet eine Angsterkrankung für den Betroffenen?
Einen grossen Leidensdruck. Oft wissen nur wenige Angehörige davon , und die Störung ist lange auch nicht als Krankheit diagnostiziert. Die Suizidrate ist hoch. Und das Vermeidungsverhalten engt das Leben immer mehr ein: Man geht nicht mehr einkaufen, der Weg zur Arbeit wird zur Belastung, die Angst, im Beruf eine Panikattacke zu erleiden, wächst.
Wie kann man einem solchen Teufelskreis entgegenwirken?
Die Familie sollte als Ganzes Unterstützung erhalten. Und vor allem ist es wichtig, dass sich die erkrankte Person Hilfe holt. Als Therapien eignen sich vorab Verhaltenstherapien. Man lässt sich am besten beraten, welche Form sich eignet. Langfristig setzt man Antidepressiva ein und gibt Notfallmedikamente ab, die innert Minuten wirken.
Was kann der Betroffene selbst tun?
Entspannungsübungen oder Atemtechniken. Sehr empfohlen ist Sport, der einen angstlösenden Effekt hat. Vermehrt Lachs essen wegen der Omega-3-Säuren und Safran wegen dessen antidepressiver Wirkung. Der Koffein-Konsum hingegen sollte reduziert werden.

WANN WERDEN ÄNGSTE KRANKHAFT?

Die Anzeichen für ernsthafte Angststörungen – bei mehrheitlichem Zutreffen lohnt sich eine ärztliche Diagnose.

Tipps zum Umgang mit betroffenen (nahen) Angehörigen.

Autor: Stefan Müller