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07. Januar 2013

Sport für Mädchen: Vorlieben, Ziele und Freundschaften

Spielen bei Mädchen und speziell jungen Frauen teilweise andere Motivationsgründe eine entscheidende Rolle als bei Buben oder Männern? migrosmagazin.ch stellt drei Thesen auf – was denken Sie?

Mädchen brauchen bei Individual-Sportarten eher Gesellschaft
Mehr als Jungs brauchen Mädchen auch bei Individual-Sportarten eher Gesellschaft.

1. Vorliebe: ANDERE SPORTARTEN HABEN ZULAUF
Früher waren die Unterschiede in der Wahl der Sportarten noch ausgeprägter als heute. Heute haben gewisse vor drei bis vier Jahrzehnten klar männlichen Kids und Teenagern 'vorbehaltene' Mannschaftssportarten wie Fussball schon respektablen Zulauf von Mädchen und jungen Frauen. Das hat vorab mit zwei Veränderungen zu tun:
a) Der Leistungsgedanke wird im Vergleich zu früher für mehr Mädchen attraktiv, auch den Status, den frau (oder man) als gute Spielerin einer in Gesellschaft und Medien stark beachteten Sportart wie gerade Fussball erringt, spricht vermehrt für eine leichte Angleichung im Gusto der Geschlechter.
b) Der ansteigende Anteil an Immigrantinnen aus Ländern, in denen Fussball & Co. ein noch höheres Ansehen geniessen und in denen auch die Chance, vielleicht den Sport später einmal gar als genug einträglichen Erwerb statt bloss als Hobby auszuüben,
für noch mehr Goodwill sorgt, hat in den letzten Jahren ebenfalls noch mehr Mädchen in die weit verbreiteten Mannschaftssportarten getrieben. Vermutlich ist der Begriff Mannschaftssportart bald einmal endgültig zu ersetzen...
Dennoch: Immer noch weit mehr Mädchen und weibliche Teenager wählen Individualsportarten. Gerade mit der Pubertät wächst das Bedürfnis eher noch, allein für sich etwas betreiben und trainieren zu können und nicht auf Gedeih oder Verderb auf ein Team angewiesen zu sein, um überhaupt aktiv zu werden. Tanzsportarten, Laufsport und andere Ausdauertätigkeit, die auch als gesund (und gut für das Aussehen/die Figur, auch dies ein Argument...) gelten, sind noch immer sehr beliebt, bei (etwas älteren) jungen Frauen dazu auch Tätigkeiten wie Yoga, die eine physische Aktivität (und teils auf sehr andstrengende Weise!) mit der Förderung und dem Erspüren ganzheitlicher Befindlichkeit verbinden. Individualsportarten sind also noch immer verbreiteter, selbst wenn Gesellschaft dabei (siehe Nr. 3) sehr willkommen und wichtig sind. Und wie einige Sportförderungskonzepte in Kantonen und grösseren Städten erkannt haben, liegt auf dem Weg zu höherer weiblicher Aktivität im Sportsektor viel daran, eine breite Palette an attraktiven, angesagten Sportarten anzubieten, die dieser Erkenntnis Rechnung tragen.

2. Ziele: DER ZUSTAND IST WICHTIGER ALS DER WETTKAMPF
Ähnlich wie bei Punkt 1 gilt es festzuhalten, dass sehr stark auf Wettkämpfe, Vergleiche usw. ausgerichtete Tätigkeiten bei Mädchen und jungen Frauen zuletzt an Terrain gewannen.
Trotzdem leben immer noch mehr dem Prinzip nach, gemäss dem das Tun weit mehr zählt als das Resultat. Bei einem zufriedenen Gefühl nach der Sporteinheit kann frau so zufrieden nach Hause gehen, wie Jungs oft nur nach gewonnenen (Trainings-)Spielen. Neben der Wahl der Sportart ist Mädchen deshalb auch ein gesunder, regelmässiger Rhythmus bei der Ausübung des Sports eher noch wichtiger als den Jungs, selbst wenn sich dieser (hohe) Rhythmus gar nicht in Leistung respektive Resultaten an Wettkämpfen oder anderen Vergleichen niederschlagen muss.
Ein hoher (Leistungs-)Druck im Sport schreckt noch immer eher mehr Mädchen ab als Jungs. Viele Experten und Jugendtrainer würden übrigens jedoch gleich anfügen: Absolut gesehen auch immer mehr Jungs...

3. Freundschaften: GESELLSCHAFT SCHLÄGT GEGNERSCHAFT
Ganz ohne Widersprüche gehts natürlich nicht ab: Ist noch immer der Anteil an Individualsportarten und an Ausübungsformen ohne stetige Leistungsausweise und -vergleiche höher, so ist den weiblichen Teenagern (und bereits jüngeren Mädchen) die Gesellschaft mindestens so wichtig wie den Jungs. Bloss muss nicht unbedingt mit den Freundinnen gewonnen (oder verloren) werden, es braucht sie allein schon stark als Motivationshilfe, als Ansprechpartnerinnen und soweit möglich auch als Freundinnen, mit denen man sehr schnell (auch) über anderes spricht als über den Sport.


IHRE MEINUNG

Was denken Sie?
Haben Frauen spätestens ab der Pubertät tatsächlich eine andere Einstellung zu Sport als Männer?
Treffen die Thesen 1 bis 3 zu, nur teilweise oder überhaupt nicht?
Welche anderen Unterschiede zwischen Frauen- zu Männersport stell(t)en Sie (bisher) fest?

Verraten Sie uns Ihre Meinung (nach oder ohne Login oben links) durch einen Kommentar gleich anschliessend an diesen Artikel. Vielen Dank!

Autor: Reto Meisser

Fotograf: Vera Hartmann