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05. Januar 2015

Spielerisch zu mehr Bewegung

Wie animiert man Kinder daheim und draussen zu Aktivität? Sechs Ansätze mit wenig Aufwand – und Konsequenzen für die Eltern.

Kinderturnen: hohe Sprünge
Hohe Sprünge sind nicht nur in der Turnhalle möglich...

Turnvereine organisieren Kinderturnen auch schon vor dem regulären Unterricht in der Schule ( «KiTu – Spass an der Bewegung» ). Bei den meisten Kindern mit Mangel an körperlicher Aktivität hapert es jedoch vor allem im privaten Bereich. Neben speziellen Programmen unter professioneller Anleitung wäre für sie von grösster Bedeutung, zu Hause zu mehr Bewegung animiert zu werden. Dazu braucht es kaum Material, etwas Zeit, aber auch mitmachende Eltern.

Die sechs wichtigsten Tipps für den spielerischen Einbau von Aktivitäten in den Alltag und wie die Motivation der Kleinen generell erhöht werden kann:
1. Vorbildfunktion wahrnehmen
Nicht alle Eltern hören es gern, unbestritten ist aber: Zählen Mami und Papi zu den eingefleischten Stubenhockern, die in der Freizeit vor allem an Computer, Smartphone, TV oder übers Buch gebeugt sitzen, ist die Hürde, sich zu bewegen, für das Kind entsprechend höher. Gehen sie eher raus und unternehmen etwas (mal mit, mal ohne Kind), ist sie tiefer.
2. Für Gesellschaft sorgen
Anders als Erwachsene in oder nach der Midlife-Crisis sowie ambitionierte (Amateur-)Sportler finden es Kinder sehr selten attraktiv, allein zu laufen, gar einen Vita-Parcours zu absolvieren. Sie tun es vielleicht einmal mit den Eltern, wenn diese kindgerecht unterwegs sind, den Ausflug flexibel verlängern oder abkürzen und die Übungen nicht alle als sakrosankt auffassen. Später am ehesten mit Gschpänli und eventuell bereits einsetzendem Wettbewerbsgedanken.
3. Früh anfangen
Neben dem Vorbildeffekt zählt auch, dass Eltern spielerische Aktivitäten in bescheidenem Ausmass schon ab Baby- und Kleinkindalter in den Alltag einbauen. Nicht erst wenn der acht- oder zehnjährige Zögling mit klar erkennbarem Übergewicht nur noch herumsitzt. Das kann mit kurzem Pedalentreten von Füsschen und Beinchem beim Wickeln beginnen und später mit gemeinsamem Schneemannbauen beim ersten Schneefall weitergehen.
4. Interessen ausloten
Wie bereits erwähnt, kommt es selten vor, dass Kinder vor oder im ersten Schulalter konzentriert einen Sport oder eine anforderungsreiche Tätigkeit ausüben. Dann lohnt es sich sicher, möglichst früh in Erfahrung zu bringen, welche Aktivitäten dem Kind liegen. Tollt und dreht es sich viel lieber zu Musik, könnte bald Tanzen sein Hobby respektive Sport sein. Reagiert es auf einen Ball wie bei einem Schlüsselreiz, liegt seine Bagabung vielleicht in einem Mannschaftssport mit entsprechendem Gerät. Zentral: Was das Kind mit/ab Schuleintritt tut, soll nicht erzwungen werden oder seinen Interessen zuwiderlaufen.
5. Die Welt entdecken
Noch lieber als Erwachsene verbinden Kinder den Sport- oder Aktivitätsaspekt mit etwas anderem, an sich Attraktivem: per Rad oder zu Fuss die Umgebung erforschen, Tiere und Pflanzen kennenlernen. Auch hier bringt es nur etwas, wenn das Interesse an der Welt draussen von den Eltern geteilt und zwanglos weitergegeben werden kann.
6. Zeitlich Freiraum schaffen
Nicht vergessen sollte man in der heutigen Zeit, dass neben der Schule mit den Aufgaben sowie den allfälligen Hobbys bei vielen Kindern und Jugendlichen der Alltag bis auf die letzte Minute verplant ist. Die wenigen Stunden dazwischen sollten deshalb nicht (ganz) allein Videogames und Chats mit Freunden gewidmet werden. Sonst bleibt schlicht nichts übrig. Darum: Zu zwei bis drei Zeitpunkten draussen gemeinsam etwas unternehmen, Gamezeit und Social-Media-Aufwand wenn nötig etwas einschränken. Geschieht dies früh und konsequent, wird es auch eher akzeptiert.

Autor: Reto Meisser

Fotograf: Marco Zanoni