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01. Februar 2016

«Spiele als solche machen nicht süchtig»

Insbesondere Jungs sind verrückt nach Computerspielen. Was gibt es für Strategien, die Gamerei in einem vernünftigen Mass zu halten? Experte Marc Bodmer gibt Tipps.

GTA Version 5
Einer der grössten aktuellen Game-Hits: Grand Theft Auto 5 (Bild: ZVG)
Marc Bodmer (52) ist Jurist, Journalist und unabhängiger Game-Experte der Kulturstiftung Pro Helvetia.
Marc Bodmer (52) ist Jurist, Journalist und unabhängiger Game-Experte der Kulturstiftung Pro Helvetia.

Marc Bodmer, wie haben Computerspiele das Freizeitverhalten von Jugendlichen verändert?

Videospiele prägen nicht nur die Freizeit von Kindern und Jugendlichen, sondern einer wachsenden Zahl Erwachsener zu Hause, unterwegs, irgendwo. So sehr sie Spass machen, so viel Zeit nehmen sie in Anspruch, denn im Vergleich zu Musik und Film verlangen sie die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wie haben sie sich auf das Familienleben ausgewirkt?

Besonders Eltern von Jungs kennen die Diskussionen, wenn es um Games, Hausaufgaben und andere Pflichten geht. Für die Knaben bieten Computerspiele als eine Wettbewerbsplattform, eine Möglichkeit sich und ihre Fähigkeiten zu beweisen. Das ist ungeheuer reizvoll, aber zuerst sollten die Pflichten sauber erledigt sein.

Was raten Sie den Eltern, um die Spielerei ihrer Kinder in einem vernünftigen Mass zu halten?

Es geht hier nicht um Stunden oder Minuten. Spielen ist wie Sport sehr von der Tagesform abhängig. An manchen Tagen reichen 10 Minuten und der Spieler ist genervt. Dann sollte man aufhören. Tags darauf kann die Situation völlig anders sein. Bei jüngeren Kindern bietet es sich an, einen Zeitrahmen zu setzen. Entscheidend aber ist, dass der Alltag ausgewogen ist und Platz für Schule, Bewegung und Medien bietet.

Wann ist es zuviel?

Wenn eine Aktivität eine andere verdrängt, dann ist es zu viel. Wenn vor lauter Gamen, der Sport oder eben die Hausaufgaben unter die Räder kommen, ist es nicht gut. Es ist aber auch nicht sinnvoll, wenn das Kind vor lauter Schulstress keine freie Zeit mehr hat.

Wie hoch ist das Risiko für Spielsucht oder andere unerwünschte Nebenwirkungen, etwa von Gewaltspielen?

Das Risiko ist zum Glück sehr gering. Spiele als solche machen nicht süchtig. Sie können aber als eine Krücke eingesetzt werden, wenn das Selbstwertgefühl stark angeschlagen ist oder viel Stress auftritt, wie zum Beispiel bei einer Scheidung der Eltern oder Mobbing an der Schule. Dann kann es vorkommen, dass Games genutzt werden, um dem unangenehmen Alltag zu entfliehen. In Zusammenhang mit Gewalt in der Gesellschaft spielen Games neben häuslicher Gewalt, Erniedrigungen durch Lehrpersonen und Drogenmissbrauch eine vernachlässigbare Rolle und lenken bloss von diesen schwerwiegenden Problemen ab.

Mehr Informationen: Marcbodmer.com

Game-Experte Marc Bodmer über Gewalt in Computerspielen.

Autor: Ralf Kaminski