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12. Januar 2015

Der Spatz ist gefährdet

Frech, intelligent, anpassungsfähig: Mit diesen Eigenschaften eroberte der Spatz die Welt. Doch der robuste Vogel ist bedroht, denn seine Siedlungsräume schwinden.

Der Spatz (Haussperling)
Der Spatz oder Haussperling ist Vogel des Jahres 2015. (Bild: Mathias Schaef / SVS)

Für 2015 wählte der Schweizer Vogelschutz (SVS/BirdLife Schweiz) den Haussperling zum Vogel des Jahres. «Einen Vogel, den zwar jeder kennt, über den man aber erstaunlich wenig weiss», wie Christa Glauser (55), stellvertretende Geschäftsführerin SVS erklärt. Immerhin eroberte der freche, intelligente und anpassungsfähige Vogel im Gefolge des Menschen die Welt.

Dennoch scheint selbst diese robuste Art immer mehr Schwierigkeiten zu haben, in der Nachbarschaft des Homo sapiens zu überleben. «In den letzten Jahren ging der Bestand deutlich zurück», so Glauser. Im Grossraum Zürich sank er zum Beispiel seit 1980 um 25 Prozent, und im Bodenseeraum, also einer eher ländlichen Gegend, gar um 40 Prozent. «Deshalb», ist die passionierte Naturschützerin überzeugt, «müssen wir heute Gegensteuer geben, bevor der Bestand gefährdet ist.»

Steht ein Vogel nämlich erst einmal auf der roten Liste, ist es extrem schwierig, seinen Bestand wieder zu erhöhen. Die Gründe für den Rückgang beim Haussperling sind vielfältig. So finden die Spatzen als typische Gebäudebrüter immer weniger Nistmöglichkeiten. Glauser: «Nischen, Spalten und Hohlräume an Gebäuden, in denen Spatzen ihr Nest bauen könnten, werden wegrenoviert beziehungsweise bei Neubauten gar nicht erst eingeplant.» Und an glatten Fassaden könne kein Spatz brüten.

«Weiter mangelt es am Nahrungsangebot zur Jungenaufzucht», ergänzt sie, «denn im Gegensatz zu den Eltern fressen die Jungvögel hauptsächlich Insekten.» Die aber sind in dicht bebauten oder in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten rar geworden. «Es braucht mehr Hecken aus einheimischen Büschen, Blumenwiesen und Nistmöglichkeiten im Siedlungsraum», sagt Christa Glauser. «Auch Nistkästen helfen Spatzen bei der Wohnungssuche.»

Autor: Thomas Vogel