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10. Juni 2013

Späte Erfüllung

Obwohl die Pensionierung nicht mehr weit ist, wagen manche Menschen einen späten Neuanfang. Migrosmagazin.ch zeigt vier prominente Beispiele, die mit ihrem bisherigen Berufsleben abschlossen. Kennen Sie die Situation?

Es passiert selten aus dem Affekt, sondern ist meist wohlüberlegt. Der Entscheid, dem eigenen Leben nach über 30 Jahren Berufserfahrung eine Wende zu verpassen und den bisherigen Job an den berühmten Nagel zu hängen. Für viele ein privilegierter Schritt. Denn eines ist klar: Man muss es sich leisten können, sich vor der Pensionierung nur noch seinem Hobby zu widmen und dabei wohl weit weniger zu verdienen als vorher. Die folgenden vier Prominenten stehen exemplarisch für alle Menschen, die sich beruflich völlig verändert haben.

Fast nicht wiederzuerkennen: Ex-Tagesschau-Sprecher Heiri Müller
Fast nicht wiederzuerkennen: Ex-Tagesschau-Sprecher Heiri Müller (Bild: Heinrichmueller.ch, Sir Robin Photography).

Gesungene Nachrichten

Nach 24 Jahren «Tagesschau»-Moderation hatte er genug. Dennoch sagte Heinrich «Heiri» Müller dem Schweizer Fernsehpublikum am 15. Juni 2007 als 61-Jähriger nicht «Tschüss», sondern lediglich «auf Wiedersehen.» Schliesslich konzentrierte sich Müller fortan auf sein Hobby, das Musikmachen, und gibt seitdem regelmässig Konzerte für seine ehemaligen Fernsehzuschauer (und alle anderen). Der Musiker veröffentlicht bis heute insgesamt vier Alben, sein bisher letztes ist eine Hommage an den amerikanischen Rockmusiker Bruce Springsteen und heisst «On Fire».

Grüne Nationalrätin a.D. mit doppeltem Nachdiplomstudium
Grüne Nationalrätin a.D. mit doppeltem Nachdiplomstudium (Bild: Piahollenstein.ch).

Politikerin mit Ethik

Von 1991 bis 2005 vertrat Pia Hollenstein die Grüne Partei im Nationalrat. Die gelernte Krankenschwester liess sich noch vor dem Antritt ihres Mandats zur Berufsschullehrerin weiterbilden und unterrichtete während mehr als 20 Jahren an einer Schule für Gesundheits- und Krankenpflege. Nach ihrem Rücktritt aus der Politik ruhte sich Hollenstein nicht aus. Im Gegenteil: Sie absolviert zwei Nachdiplomstudiengänge in den Bereichen Ethik sowie Geriatrie und ist seit Dezember 2009 Aus- und Weiterbildungsverantwortliche am Spital Appenzell. Zudem präsidiert Hollenstein den Verein für Qualität in Palliativ Care.

Vom Herzchirurg zum LKW-Chaffeur, Markus Studer
Vom Herzchirurg zum LKW-Chaffeur, Markus Studer (Bild: SRF).

Chirurgisch auf Achse

Ein Vierteljahrhundert lang arbeitete Markus Studer als Chirurg und operierte rund 10’000 Menschen am offenen Herzen. Weil er seine Karriere auf dem Höhepunkt beenden wollte, wechselte er als 57-Jähriger noch vor seiner Pensionierung auf die offene Strasse. Als Quereinsteiger im Lastwagen-Business legte er während fast zehn Jahren über eine Million Kilometer in ganz Europa zurück – bis er seinen geliebten roten LKW aufgrund der sinkenden Preise im internationalen Transportmarkt verkaufte. Doch statt nochmals das Skalpell zu wetzen, fährt Markus Studer weiter – und kutschiert heute als Carchauffeur Menschen durch die Welt.

Jana Caniga ist Hoteldirektorin auf dem Inselparadies Grenada
Jana Caniga ist Hoteldirektorin auf dem Inselparadies Grenada (Bild: SRF).

Grenada statt Glotze

Fernsehfrau Jana Caniga zog es nach neun Jahren «10 vor 10» weg von der Kamera. Sie arbeitete danach während dreier Jahre fürs Migros-Kulturprozent und übernahm anschliessend für weitere drei Jahre das Restaurant Ochsen im zürcherischen Wetzikon. Danach wagte Caniga mit ihrem Partner den ganz grossen Schritt und wanderte als 45-Jährige ins Inselparadies Grenada aus. Dort baute das Paar gemeinsam ein Luxusferienresort, das sie heute noch führen. Jana Caniga heiratete auf der Insel ihren langjährigen Lebensgefährten. Vor wenigen Wochen erhielt das Paar sogar die grenadische Staatsbürgerschaft.

Wie ist es bei Ihnen?

Kurz vor der Pensionierung das Berufsleben umgekrempelt: Haben Sie eine Weiterbildung in Angriff genommen oder ein Studium begonnen? Reisten Sie in ein Entwicklungsland und arbeiteten in einem Hilfsprojekt mit? Oder legten Sie Ihre Karrierepläne ganz einfach ad acta und widmeten sich etwas ganz anderem – beispielsweise der Kunst? Ihre Geschichte interessiert uns. Erzählen Sie sie. Ganz einfach per Kommentar unten oder per E-Mail an onlineredaktion@migrosmedien.ch .

Autor: Reto Vogt