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17. Oktober 2016

Sony PlayStation VR im Test

PlayStation VR entführt Gamer in eine virtuelle Welt. Das ist faszinierend und bedrückend zugleich. Denn beim Spielen wird man rasch reisekrank.

Sony PlayStation VR im Härtetest am virtuellen Kopfballpendel.
Sony PlayStation VR im Härtetest am virtuellen Kopfballpendel.

Mein Blick richtet sich geradeaus. Ich sehe eine asphaltierte Strasse, drei rote Ferraris und zwei knallgrüne Maseratis. Im Hintergrund donnern Motoren. Doch ich rieche nicht Motorenöl, sondern frischen Kuchen. Ich sitze nämlich nicht an einem richtigen Steuer, sondern daheim auf dem Sofa. Entspannt bin ich nicht, ganz im Gegenteil: Mein Puls ist auf 180, ich rase gerade mit 300 Sachen durchs Fraser Valley in Kanada.

Beim Ausprobieren der PlayStation VR wirds vielen Testern richtig schlecht – mir auch.

PlayStation VR ist eine sogenannte Virtual-Reality-Brille, die den Träger in eine völlig andere Welt entführt. Nutzen kann sie allerdings nur, wer eine PlayStation 4, die zugehörige Kamera und ein kompatibles Spiel besitzt. Eins davon ist die Rennsimulation «DriveClubVR». Wer sich die Brille aufsetzt und aufs Gaspedal drückt, vergisst alles andere und ist im Cockpit gefangen – und rund 800 Franken ärmer. So viel kostet das Gesamtpaket aus Spielkonsole und notwendigem Zubehör in etwa.

Von aussen betrachtet, sieht es ganz schon bescheuert aus, wenn sich jemand mit der PlayStation VR vergnügt. Hier wird «Headmaster» gespielt.

Als technikbegeisterter Freak fasziniert mich die virtuelle Realität enorm. Gaming wird dadurch nicht verändert, sondern komplett neu erfunden. Innert Sekunden wechselt man zwischen Rennstrecke, Fussballplatz und Wild-west-Schiesserei hin und her und wird jeweils integraler Bestandteil davon. Für Körper und Hirn ist das kein Zuckerschlecken. Denn diese Erlebnisse zu verarbeiten, ist alles andere als einfach.

Aus Simulation wird Realität

Das Eintauchen in die Simula­tion – Tempo 300, Massenkarambo­lage, Driften und Schleudern – wirkt auf den Körper so real, dass das Hirn nicht damit zurechtkommt. Mir wurde nach nur 10 Minuten «DriveClubVR» so schlecht, dass ich die PlayStation-VR-Brille absetzen und frische Luft schnappen musste. Bis zur vollständigen Erholung dauerte es weitere drei Stunden – also fast 20-mal so lang, wie ich zuvor tatsächlich ­gespielt hatte.

Dieses Phänomen ist allerdings nicht allein dem Gaming zuzuschreiben. Regelmässige Zugfahrer kennen es ganz ohne VR-Umgebung, beispielsweise vom Cisalpino-Neigezug. Nicht umsonst wird das bei VR auftretende Phänomen schlicht Reisekrankheit (Kinetose) genannt.

Doch kann sich der Körper daran gewöhnen, wenn er nur oft genug damit konfrontiert wird? Die Meinungen von Experten gehen auseinander. Klar ist nur eins: Für ein abschliessendes Urteil ist es noch viel zu früh. Virtual Reality steckt derzeit in den Kinderschuhen, trotz der überaus realistischen Qualität, wie sie die PlayStation VR bietet. Und genau deshalb würde ich es trotz der Übelkeit nochmals probieren.

Bei Digitec gibts die PlayStation VR für 479 Franken; mit Kamera kostet sie 549 Franken. Die PlayStation 4 gibts ab 299 Franken.

Autor: Reto Vogt

Fotograf: Holger Salach