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10. Juni 2013

Sonnenschutz: Sonnenklar! Oder nicht?

So wichtig die Sonne für das allgemeine Wohlbefinden ist, so schädlich kann sie für die Haut sein. Das wissen alle. Doch was schützt und wie gut? Sunblocker, Lichtschutzfaktor, Hautvitamine: häufige Irrtümer zum Thema Sonnenschutz.

Hautschutz bei Outdoor-Aktivitäten
Endlich Sonne, endlich Sommer! Bei Outdooraktivitäten ist Hautschutz wichtig, vor allem am Wasser, wo die Sonneneinstrahlung noch intensiver wirkt. (Illustration: Atelier Mamei & Kircheis, Dresden)

Sommerzeit ist Sonnenzeit! Sonnenlicht in dosierten Mengen ist nicht nur erlaubt, sondern unverzichtbar. Bereits eine sehr geringe Dosis Ultraviolett- oder UV-Strahlung genügt, um die für den Körper notwendige Menge von Vitamin D3 zu produzieren, die insbesondere für gesunde Knochen so wichtig ist. Dafür reicht schon ein 10- bis 15-minütiger Spaziergang an der Sonne. Und da braucht es den totalen Sonnenschutz noch nicht.

UNTERSCHIEDLICHE HAUTTYPEN
Ausserdem zum Thema: Reinhard Dummer, Dermatologe am Unispital Zürich, erklärt in der rechten Spalte, warum Models niemals an der Sonne «braten».
Finden Sie zudem heraus, welchen Hauttyp Sie haben und wieviel Schutz deshalb nötig ist: Zum Artikel.

Wer sich dem Sonnenlicht länger aussetzt oder gar ausgedehnte Sonnenbäder liebt, der muss sich jedoch um die nötige Vorsorge kümmern. Denn die Haut vergisst nie, und die Zahl der Hautkrebsbetroffenen steigt stetig. Ausserdem können nach der Einnahme von gewissen Antibiotika, Schmerzmitteln oder pflanzlichen Mitteln wie etwa dem Johanniskraut fototoxische Reaktionen eintreten, bei denen die sonnenbestrahlte Haut mit Rötung oder Blasenbildung reagiert.

Viele verwenden nur die Hälfte der empfohlenen Dosis Sonnencreme.

Sonnencremes sollten nicht nur vor der langwelligen UVA-Strahlung schützen, die tief in die Haut eindringt und zur vorzeitigen Hautalterung beiträgt, sondern auch vor der UVB-Strahlung, die für den Sonnenbrand verantwortlich ist. So zahlreich die Tipps rund um den Sonnenschutz, so zahlreich sind auch Irrtümer und Halbwissen. Hier einige der wichtigsten Fakten:

Wussten Sie dass …

… Sunblocker-Cremes die Sonne nicht «blocken»?

Auch wenn auf vielen Tuben oder Flaschen mit Lichtschutzmitteln der Begriff Sunblocker steht und diese Cremes deshalb zu überlangen Sonnenbädern verleiten können: Selbst eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 60 kann nicht alle UVA- und UVB-Strahlen abwenden. Die Höhe des Lichtschutzfaktors (LSF) ist somit nicht ausschlaggebend, und Eincremen allein reicht nicht für einen optimalen Schutz. Vernünftig ist, wer die Sonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr meidet und seine sehr empfindlichen Körperstellen mit Kleidern oder einem Hut schützt.

… Lichtschutzfaktor 20 nicht bedeutet, dass man 20 Mal länger in der Sonne bleiben kann?

Wer ohne Schutz nach zehn Minuten in der Sonne rote Haut bekommt, ist mit LSF 20 theoretisch bis zu 200 Minuten geschützt. Da jedoch Lichtschutzfaktoren nur Durchschnittswerte angeben und durch gewisse Umstände ein reduziertes Wirkungsspektrum haben, empfehlen Dermatologen, lieber schon nach zwei Dritteln der Maximalzeit in den Schatten zu gehen.

… Sonnencremes generell zu sparsam verwendet werden?

Was nach einem kommerziellen Schachzug der Kosmetikindustrie tönt, um den Absatz an Sonnenschutzmitteln zu erhöhen, hat laut der EU-Kommission und dem Bundesamt für Gesundheit ganz pragmatische Gründe: Sie raten zu 6 TL Creme pro Anwendung (1 TL ist circa eine gute Handfläche voll), um die optimale Menge an Lichtschutzfaktoren auf die Haut zu bringen. Viele Sonnenanbeter verwenden jedoch oftmals nur die Hälfte der empfohlenen Dosis. Bei Sonnensprays gilt es, sorgfältig und ausgiebig alle sonnenexponierten Stellen zu besprühen.

… wasserfeste Produkte nicht wirklich wasserfest sind?

Auch wenn einige Produkte damit werben, dass sie wasserfest sind, so hat die deutsche Stiftung Warentest nach Tests doch festgestellt, dass diese Produkte nach dem Baden oft deutlich an Wirkung einbüssen. Deshalb nach jedem Bad erneut eincremen! Auch die sogenannte Einmalanwendung, die gewisse Sonnenschutzmittelhersteller propagieren, ist trügerisch. Schon das Abtupfen mit dem Badetuch reicht nämlich aus, um Teile der Sonnenmilch zu entfernen.

… Solarium und sogenannte Hautvitamine nicht auf die Sonne vorbereiten?

Die sogenannte Solariumvorbräunung führt zu keiner nennenswerten Erhöhung des Eigenschutzes der Haut. Sie bringt also nicht viel und kostet erst noch Geld. Zudem wird die persönliche UV-Dosis (kumulative Dosis) erhöht. Pflanzliche Antioxidantien wie Carotinoide (z.B. in Rüebli enthalten), Lycopine (z.B. in Tomaten) oder Grüner Tee können zwar weder den Eigenschutz der Haut erhöhen noch einen Sonnenbrand verhindern. Sie schützen jedoch die Zellen vor oxidativem Stress und kurbeln das zelleigene Reparatursystem an.

… auch dunkelhäutige Menschen Sonnenbrand kriegen?

Menschen aus Indien oder Afrika mit sehr dunkler Haut gehören dem Hauttyp 6 an, ihre Haut weist die höchste Eigenschutzzeit auf. Sie können sich bis 90 Minuten in der Sonne aufhalten, ohne dass die Haut Schaden nimmt. Nach 90 Minuten gilt auch für diese Hauttypen: Sonnenschutzcreme auftragen!

Autor: Isabella Fischer