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12. Dezember 2016

So wird Weihnachten in aller Welt gefeiert

Weihnachten wird praktisch überall auf der Welt gefeiert – im hohen Norden Europas genauso wie in vielen Ländern Asiens und Afrikas. Aber überall ein bisschen anders, wie unsere kleine Auswahl zeigt.

China

Offiziell gilt Weihnachten bei der Kommunistischen Partei nach wie vor als «Kulturgut des Auslands». Dennoch ist es sehr beliebt. Laut Umfragen verbindet jeder vierte Chinese mit dem Fest vor allem Romantik. In der Öffentlichkeit sieht man oft junge Pekinger, die sich übermütig mit Weihnachtsflitter aus der Spraydose besprühen, und Kinder, die mit Nikolausmütze zur Schule gehen. Auch Schaufenster mit Weihnachtsgrüssen in holprigem Englisch wie «Happey Christmos» sind keine Seltenheit.

Grossbritannien und Irland

Vor Weihnachten wird ein grosser Hausputz durchgeführt, dann hängt man Mistelzweige über die Eingangstüren. Den Misteln werden magische Kräfte nachgesagt – sie ­sollen böse Geister fernhalten und Glück bringen. Am Weihnachtstag dürfen alle Frauen und weiblichen Teenager ungefragt geküsst werden, sobald sie unter den geschmückten Türrahmen hindurchgehen.

Indien

Als Weihnachtsbaum dient meist ein Mangobaum oder eine Bananenstaude, die in westlicher Tradition geschmückt werden: mit bunten Lichterketten und Lametta. In manchen Teilen des Landes wird dem Haushaltsoberhaupt am Weihnachtsmorgen mit besten Wünschen eine Zitrone überreicht. Sie dient in diesem Fall als Symbol der Verehrung.

Balkan

In Serbien, Kroatien, Slowenien, Bulgarien und Albanien ist der Badnjak-Brauch weitverbreitet. Dafür wird am 24. Dezember vor Sonnenaufgang ein junger Baum gefällt. Er muss mit drei Axthieben geschlagen werden und nach Osten kippen, darf ­jedoch niemals den ­Boden berühren – das würde Unglück bringen. Auf die Schnittstelle wird Wein gegossen, um die Seele des gefällten Wesens zu versöhnen. Abends wird die Schnittstelle mit Honig bestrichen, dann wird der Stamm in offenem Feuer verbrannt. Der Asche wird eine heilsame und Krankheiten abwehrende Wirkung nachgesagt. Sie wird für reiche Ernten auf Feldern und in Gärten verstreut sowie zur Vertreibung des Hageldämons in die Luft geworfen.

Skandinavien

Im Jul, wie Weihnachten in den meisten Ländern Nordeuropas heisst, leben viele alte Bräuche aus den vorchristlichen Wintersonnwendfeiern weiter. Dazu zählt unter anderem der Ziegenbock des germanischen Donnergottes Thor, genannt Julbock, der in manchen Gegenden den Job des Weihnachtsmanns erledigt und die Geschenke für die Bescherung bringt.

Spanien und Portugal

An Nochebuena (Heiligabend) treffen sich spanische Familien zu einem opulenten Festmahl, später besuchen sie die Misa del Gallo (Mitternachtsmesse). In ländlichen Regionen versammeln sich die Menschen anschliessend auf dem Marktplatz und singen dort gemeinsam Weihnachtslieder. Es werden Feuer entzündet und man schwingt bis in den frühen Morgen hinein das Tanzbein.

Island

Zwischen dem 12. und 24. Dezember sind 13 Kobolde unterwegs, um die braven Kinder
zu beschenken, die dafür ihre Schuhe bereitstellen. Weniger Brave bekommen Kartoffeln statt Süssigkeiten.

Japan

Für die Jugend spielt sich «Kurisumasu», wie das Weihnachtsfest auf Japanisch heisst, heute vor allem in Restaurants und Diskotheken ab. Schon Wochen vorher erklingen die Weihnachtslieder in allen Kaufhäusern, und man sieht die ersten Dekorationen. Bis Heiligabend wird es immer lauter und schriller. An Weihnachten selbst kommen zahlreiche Japaner zu Christmas Partys im Restaurant zusammen. Dann zünden sie Knallfrösche, tragen Fasnachtshütchen und werfen Luftschlangen.

Polen

Zur Festtagstafel werden Freunde und Verwandte eingeladen. Und es wird immer ein Gedeck mehr aufgelegt, als Gäste zu erwarten sind. Schliesslich könnte sich ja noch ein Überraschungsgast hinzugesellen, und der soll sich willkommen fühlen.

Kenia

An Heiligabend trifft sich die Familie zum Festessen. Danach haben die Kinder zu tun: Sie müssen das Haus reinigen, dekorieren und das Essen für den nächsten Tag vorbereiten. Später geht man von Haus zu Haus, um überall fröhliche Weihnachten zu wünschen und Geschenke auszutauschen. Zum Ausklang wird die ganze Nacht hindurch ausgelassen getanzt.

Philippinen

Die überwiegend katholische Inselnation feiert vier Monate lang Weihnachten («Pasko»), bereits ab September wird im Radio und in den Kaufhäusern Weihnachtsmusik gespielt. Wer nicht spätestens Anfang Dezember einen Weihnachtsbaum hat, wird schief angeschaut. Die Bäume sind in der Regel aus Plastik, nur in den grossen Einkaufszentren und Hotels gibt es echte Tannen. An Weihnachten trägt man ausschliesslich neu gekaufte Kleidung.

Mexiko

Die Feste um die Ankunft des Gottes Huitzilopochtli werden seit der Kolonialisierung durch die Spanier einfach zu Ehren von Maria und Josef gefeiert. Dazu gehören die «Posadas» – bunte Umzüge, bei denen die Herbergssuche nachgestellt wird. Die Kinder erfreuen sich derweil an der «Pinata». Dafür wird ein Tongefäss mit Früchten und Süssigkeiten gefüllt und aufgehängt. Mit verbundenen Augen versuchen die Kinder, den Topf zu zerschlagen.

Quellen: Eurasisches Magazin , www.jesus.ch

Autor: Ralf Kaminski

Illustrationen: Martin Burgdorff