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06. März 2017

So wird der Frühlingsputz zum Fest des Putzens

Frühlingsputz … manchen grauts nur schon bei der Vorstellung. Das muss nicht sein, sagt Katharina Zaugg, die «Mutter des Wellness-Putzens»: Hören Sie Musik beim Putzen, setzen Sie den ganzen Körper ein – und nutzen Sie die Energie, die uns das intensivere Sonnenlicht im Frühling beschert.

Mehr Sonnenlicht, mehr Energie, mehr Putzlust
Mehr Sonnenlicht, mehr Energie, mehr Putzlust: Das Hormon Serotonin spornt uns an, die Wohnung zum Strahlen zu bringen. (Bild: Getty Images)

Schon die Kelten säuberten im Frühjahr ihre Hütten offenbar besonders gründlich. Die erhöhte Putzwut in dieser Jahreszeit hängt nicht zuletzt mit der gesteigerten Energie und Lebenslust zusammen, die uns das intensivere Sonnenlicht beschert. Dieses regt die Hormonproduktion an und sorgt für Frühlingsgefühle, erklärt Neuropsychologe Lutz Jäncke (59) von der Universität Zürich.

Einen wichtigen Einfluss dabei hat der Botenstoff Serotonin. Diesen produziert der menschliche Körper dank der längeren Tage überdurchschnittlich. Laut Jäncke kann Serotonin wie ein Rauschmittel wirken.

Alles neu macht der Frühling
Wenn draussen die Knospen spriessen und die Farben leuchten, spornt das Serotonin uns an, unserem Heim eine Rundumerneuerung zu gönnen. In Hunderttausenden von Haushalten steht in diesen Wochen der Frühjahrsputz auf dem Programm. Zu tun gibt es reichlich, denn Bakterien finden sich überall. Allein der Küchenschwamm, die grösste Dreckschleuder im Haushalt, bringt es auf 20 Millionen Bakterien pro Quadratzentimeter. Auf einer WC-Brille dagegen sitzen laut dem «Sanitas-Magazin» nur 200 pro Quadratzentimeter.

Doch Vorsicht beim Putzen: Das Bundesamt für Gesundheit warnt, dass Chemikalien bei unsachgemässer Anwendung die Gesundheit gefährden können. Machen Sie es deshalb so wie Katharina Zaugg, die Mutter des Wellness-Putzens (unten): Sie benutzt nur ökologische Mittel.

«Wenn ein Mann den Putzlumpen in die Hand nimmt, gilt er als Weichei»

Katharina Zaugg
Katharina Zaugg (66) ist Ethnologin, Buchautorin und Inhaberin der ökologischen Putzschule in Basel. Sie gilt als Mutter des Wellness-Putzens.

Weshalb sprechen wir ausgerechnet vom Frühjahrsputz und nicht etwa von der Winterreinigung?
In der bäuerlichen Gesellschaft wurde am Ende des Winters das Haus vom Dach bis in den Keller durchgeputzt. Das hatte praktische Gründe. Heute hingegen können wir ein Putzfest ansetzen, wann immer uns die Putzlust packt – das muss nicht zwingend im Frühling sein.

Schon in Ihrem Buch «Wellness beim Putzen» regen Sie an, aus jedem Putztag ein Fest zu machen. Was soll am Putzen so toll sein?
Wellness beim Putzen entsteht mit dem Schwung und mit dem Einbezug aller Sinne. Beim Putzen setze ich den ganzen Körper ein und verlagere mein Gewicht schwingend. Putzen soll keine mechanische Schrubberei sein. Ich baue gern ein Stretching ein und reinige mit allen Sinnen: Zum Beispiel arbeite ich mit Düften von Orangenblüten, die an die Sommerferien erinnern. Von der Weberei Daniel Jenny habe ich Baumwolllumpen in 14 verschiedenen Farben. Dazu höre ich tolle Musik oder Hörbücher. Das macht richtig Spass!

Ist es effektiver, alleine zu putzen?
Nein. Ich betone in meinen Vorträgen immer wieder, dass es viel angenehmer ist, wenn man zu zweit oder zu dritt putzt und jeden Monat von Wohnung zu Wohnung zieht. So kann man auch Kinder einbeziehen, die je nach Alter ihre Kompetenzen und Feinmotorik entwickeln können – beispielsweise, indem man sie unter Aufsicht auf eine Leiter steigen lässt, von wo sie die Fensterscheiben mit grosser Freude besprayen.

Was macht das Putzen besonders angenehm?
Ich nehme als Rechtshänderin den Lumpen bewusst in die linke Hand oder putze beidhändig, was das Hirn entspannt. Wichtig dabei ist die Einstellung. Wenn ich mir sage: Ich arme Sau muss das jetzt machen, ist es ungleich schwerer, als wenn ich diesen Ärgerkreislauf durchbreche und positiv denke.

«Wer vor dem Putzen keine Angst mehr hat, hat vor nichts mehr Angst», sagen Sie.
Genau. Putzen ist ja eine Auseinandersetzung mit dem Abgrund, dem Dreck. Wenn ich mit einer Sprühflasche und einem Lappen in der Hand unterwegs bin, grüssen mich die Leute weniger freundlich. In unseren Breitengraden ist Putzen mit so vielen Demütigungen verbunden: Schon in der Schule muss man zur Strafe die Toiletten putzen. Das ist eigentlich falsch.

Putzen ist eine Auseinandersetzung mit dem Abgrund.

Sie sind auf ökologisches Putzen spezialisiert. Wie gehen Sie vor?
Ich setze nur pflanzliche Substanzen ein. Zum Entkalken nehme ich zum Beispiel Zitronensäure und als Seifenersatz einen Neutralreiniger, den ich mit einem Tropfen ätherischen Öls anreichere.

Weshalb putzen noch immer so viel weniger Männer als Frauen?
Wenn ein Mann den Putzlumpen in die Hand nimmt, wird er als Weichei behandelt und fühlt sich in seinem Stolz angegriffen. Deshalb nehmen weniger als zehn Prozent der Männer einen Lumpen in die Hand. In Beziehungen wird das Putzen übrigens oft als Stellvertreterkrieg missbraucht: Man meint den Sex oder die Beziehung und schimpft über das Putzen.

Wie oft reinigen Sie?
Ich putze je länger, desto weniger. Mir macht es nichts aus, wenn es bei mir zu Hause ein wenig staubig ist. Erst wenn ich Besuch habe, lege ich mich wirklich ins Zeug. 
Katharina Zaugg(66) ist Ethnologin, Buchautorin und Inhaberin der ökologischen Putzschule in Basel. Sie gilt als Mutter des Wellness-Putzens.

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Autor: Reto E. Wild