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27. Dezember 2016

So reden Männer halt

Pfefferminzbox mit Obama-Konterfei
Yes We Can! Auch mit Herrn Trump, wenns sein muss.

Ein wunderschöner Ort am Meer wars. Ich lag auf einem Massagetisch, hatte tags zuvor am Fernsehen den Konvent der US-Republikaner verfolgt. Nichts als Häme und Hass war zu hören gewesen. Die Gegenkandidatin, Hillary Clinton, wurde als Hexe verunglimpft, als Lügnerin und Mörderin. Positive Botschaften? Lösungen? Visionen? Hatte der Kandidat der Republikaner keine anzubieten.

«Dieser Trump …», hebe ich bäuchlings an. «He is gonna save us!», fällt Masseurin Margaret mir ins Wort, «he is a leader!» Ein Retter, ein Anführer sei der. Und das Gespräch, das folgt, macht mir klar: Die Wahrheit spielt keine Rolle. Die Leute sehen in Trump, was sie in ihm sehen wollen. Kleine Leute wie Margaret, vom Leben betrogen: Sie ist über 70, muss aber, weil die Pension nirgends hinreicht, noch immer verwöhnte Feriengäste wie mich massieren.

Bänz Friedli
Bänz Friedli (51) ärgert sich über Herrn Trump.

Ihren eigenen Sohn? Hat sie seit Jahren nicht gesehen. Er kehrte traumatisiert aus dem Irakkrieg heim, seither fehlt von ihm jede Spur. Der andere Sohn? Lebt sechs Flugstunden entfernt in Arizona und meidet den Kontakt. Ich hätte ihr gern erläutert, wie egal dem Mann, den sie zum Präsidenten wählen wollte, Menschen wie sie sind. Aber sie mochte es nicht hören.

Dieser Jahreswechsel ist auch ein Abschied. Von Barack Obama, den ich gemocht und trotz all der Kompromisse, die er eingehen musste, stets verteidigt habe; von seinen Töchtern und seiner grossartigen Frau Michelle. Der Nachfolger wird wohl das wenige, was Obama erreichte, zunichtezumachen versuchen: den Umweltschutz, die Gesundheitsversicherung für alle – gerade für ­Menschen wie Margaret. Wie verheerend Trumps Wirken fürs Klima und die Weltwirtschaft werden dürfte, haben gescheite Experten längst erklärt.

Eins aber will ich nicht auf uns Männern sitzen lassen. Als «locker room talk» tat Trump seine herabsetzenden, furchtbar primitiven Worte über Frauen ab, als Umkleidekabinengeschwätz. So redeten Jungs nun mal in der Sportgarderobe. Nein und nochmals nein, wir reden nicht so. Meine Fussballkollegen und ich, wir reden beim Umkleiden über Gemüsebrei, Eltern-und-Kind-Schwimmkurse und: «Sag mal, Bänz, wie hast du das jeweils gemacht mit dem Schoppen?» Und als Mitspieler Flo uns nach dem letzten Training vor Weih­nachten verriet, er werde im Juli zum ersten Mal Vater – haben wir da vulgär gejohlt? Nein, alle waren gerührt. Es fielen Worte der Zärtlichkeit und des Mitgefühls.

Okay, manchmal reden die Kameraden und ich auch über ihren FCZ und meine Young Boys. Und über unsere Gewichtsprobleme. Aber das tun die Frauen, glaub ich, auch.

Die aktuelle Bänz-Friedli-Hörkolumne, gelesen vom Autor (MP3)
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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli