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10. April 2012

Die öffentliche Hand finanziert mit

Förderprogramme des Bundes, der Kantone und der Gemeinden bieten Wohneigentümern und Wohneigentümerinnen Hand bei energetischen Sanierungen. Die Palette der unterstützten Projekte reicht von Einzelmassnahmen bei der Dämmung über den Einsatz erneuerbarer Energien bis zu Gesamtsanierungen nach dem Standard Minergie-P.

Mehr als 40% der CO2-Emissionen in unserem Land gehen auf das Konto des Gebäudeparks, der trotz seiner rund eineinhalb Millionen renovationsbedürftigen Liegenschaften eine tiefe Sanierungsquote von jährlich nur gerade einem Prozent aufweist. Um den CO2-Ausstoss um 35 bis 52 Millionen Tonnen zu senken, haben die Konferenz kantonaler Energiedirektoren EnDK, das Bundesamt für Energie BFE und das Bundesamt für Umwelt BAFU das so genannte Gebäudeprogramm entwickelt. Dieses unterstützt Wohneigentümer seit anfangs 2010 mit Förderbeiträgen bei energieeffizienten Sanierungen und der Umstellung auf erneuerbare Energien zur Beheizung von Gebäuden und zur Warmwasseraufbereitung. Finanziert wird das bis in Jahr 2019 laufende Gebäudeprogramm durch die CO2-Abgabe auf den fossilen Brennstoffen Heizöl und Gas. Von den jährlich knapp 600 Millionen Franken, die durch diese Lenkungsabgabe entstehen, fliesst ein Drittel in das Gebäudeprogramm.

Bessere Wärmedämmung

Das Gebäudeprogramm besteht aus zwei Teilen. Der nationale Teil unterstützt energieeffiziente Sanierungen der Gebäudehülle – Dächer, Fassaden, Böden und Fenster –mit bis zu 133 Millionen Franken im Jahr. Bedingungen sind ein Baujahr vor 2000 sowie nachgewiesenermassen gute Dämmwerte. Der Fördersatz für Fenster sowie für eine Dämmung gegen aussen beträgt 40 Franken pro Quadratmeter, für eine Dämmung zu unbeheizten Räumen hin gibt es 15 Franken pro Quadratmeter. Vom Gebäudeprogramm profitieren allerdings nur Eigentümer, deren Sanierungsmassnahmen im Umfang von mindestens 3000 Franken förderberechtigt sind. Zudem muss das Gesuch vor Baubeginn eingereicht werden.

Nach den Erfahrungen der ersten beiden Jahre zieht Matthias Gerth, Mediensprecher des Gebäudeprogramms, ein positives Fazit: «Die hohe Zahl der bisher eingereichten Gesuche zeigt, dass das Gebäudeprogramm einem Bedürfnis der Wohneigentümer entspricht. Es motiviert nicht nur zu Sanierungen, sondern verbessert auch deren Energieeffizienz, wodurch es einen wesentlichen Beitrag zur Klimaschutz leistet.» Um sicherzustellen, dass sanierungswilligen Wohneigentümern auch in Zukunft genügend Mittel zur Verfügung stehen, mussten 2011 denn auch bereits erste Anpassungen bei den Fördersätzen und bei der Beitragsberechtigung gemacht werden. Dadurch hat sich die im Jahr 2011 durchschnittliche Fördersumme auf 10’881 Franken pro Gesuch erhöht. Am meisten Geld wird für Dachsanierungen gesprochen, gefolgt vom Einbau neuer Fenster und der Wärmedämmung der Fassaden. Die Einzelmassnahmen machen dabei 74% aller Gesuche aus und betreffen in zwei Drittel aller Fälle den Fensterersatz.

Möglichkeiten ausschöpfen

Der kantonale Teil des Gebäudeprogramms umfasst unterschiedliche Programme, mit denen erneuerbare Energien, die Abwärmenutzung, die Optimierung der Gebäudetechnik sowie Gesamtsanierungen gefördert werden. So unterstützen manche Kantone beispielsweise Neubauten nach dem Standard Minergie-P oder den Einbau thermischer Sonnenkollektoranlagen. Aus der CO2-Abgabe stehen dafür jährlich bis zu 67 Millionen Franken zur Verfügung, die von den Kantonen um 80 bis 100 Millionen Franken ergänzt werden. Mit der Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV wird auf nationaler Ebene ferner Strom aus erneuerbaren Energien gefördert, wobei die jährliche Fördersumme von rund 500 Millionen Franken vollumfänglich für bereits laufende Projekte verpflichtet ist, so dass derzeit keine neuen Anträge bewilligt werden können, wie Hans-Heiri Frei, Projektleiter KEV bei Swissgrid, bestätigt. Des Weiteren existieren Unterstützungsmöglichkeiten durch Gemeinden sowie durch Energieversorgungsunternehmen. Einen guten Überblick über die für jeden Wohnort bestehenden Subventionsmöglichkeiten bietet die Website von Energiefranken.

In Etappen sanieren

Geld für energieeffiziente Sanierungen gibt es auch in indirekter Form, sei es als günstigere Konditionen bei der Hypothekarvergabe durch Banken oder als steuerliche Vorteile. Sanierungen erhöhen zwar meist den Wert einer Liegenschaft, was zu einem Anstieg des Eigenmietwerts und damit zu einer höheren Steuerbelastung führt, doch können energieeffiziente Massnahmen in den meisten Kantonen selbst dann zum Abzug gebracht werden, wenn sie wertvermehrend sind. «Unter dem Strich sparen Wohneigentümer mit energetischen Sanierungen Steuern, da die Einsparungen selbst über zwanzig Jahre gerechnet stärker ins Gewicht fallen als die höhere Belastung», sagt Hans Jürg Steiner, Leiter Steuerabteilung Region Mittelland bei der KPMG. Am vorteilhaftesten sind gestaffelte Sanierungen, weil diese gleich in mehreren Steuerperioden gegen das steuerbare Einkommen aufgerechnet werden können. In den Jahren ohne Renovationsarbeiten empfiehlt sich statt des Abzugs der effektiven Kosten hingegen der Pauschalabzug.

Links

Das Gebäudeprogramm: www.dasgebaeudeprogramm.ch

Zum Fördergeldrechner des Gebäudeprogramms gelangen Sie hier

Energiefranken: Fördergelder nach PLZ: www.energiefranken.ch

Energieschweiz: Fördergelder nach PLZ: http://www.energieschweiz.ch

Autor: Karin Meier