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06. Mai 2013

So klingt Kishas Karriere

Noch vor der Jahrtausendwende feiert Kisha mit dem englischen Schmusesong «Why» den grössten Erfolg ihrer Karriere. 14 Jahre später ist Mundart-Country Trumpf. Migrosmagazin.ch spielt den musikalischen Weg der Sängerin nach.

Brigitte Kobel alias Kisha
Brigitte Kobel alias Kisha

Die gerade mal 17-jährige Kisha landet wie aus dem Nichts einen Top-Ten-Hit. Sie singt in typischer Schmusebardinnenmanier von einem Mann, der ihr Schmetterlinge in den Bauch zaubert, nur schon wenn sie ihn ansieht. Die junge Blondine gibt sich mit dezentem Lippenstift und einer farbigen Blume auf dem Trägershirt als die Unschuld vom Lande. Aber ob ihr Angebeteter darauf steht? Kisha fragt im Liebeslied ständig «Why?» und sucht nach Antworten auf die wiederkehrende Frage. Der Refrain des Liedes ist noch heute ein Ohrwurm und kann von den meisten Hitparadenfans problemlos mitgesungen werden, oder kommt Ihnen die Zeile «Tell me why, tell me why. Tell me why I am too shy!» etwa nicht mehr bekannt vor? Eben.

Quelle: YouTube.com

Im Jahr 2002 ist vom Unschuldslamm nicht mehr viel zu spüren. Mit aufwändig gestylten Haaren, einem knallengen rotschwarzen Top und einem Glitzerhalsband wird Kisha zur Rockerbraut. Sie sucht nicht mehr nach der grossen Liebe, sondern posaunt zu harten und schnellen Gitarrenriffs «Hello-o-o-o! Hello-o-o-o! I’m gonna show you who I am!» raus. Aus dem jungen, ahnungslosen Mädchen von damals ist eine selbstbewusste Frau geworden. Dem musikalischen Erfolg ist dieser Wandel dagegen weniger zuträglich – im Gegenteil: Statt unter die ersten zehn Plätze schafft es das Lied nur noch auf Rang 76 und fällt zwei Wochen später komplett ausser Rang und Traktanden der Hitparade.

Auf das Album «Crazy World» antwortet Kisha mit einem «Stoffwächsu» und singt fortan auf Berndeutsch. Es ist gute, einheimische Popmusik, mit der die gebürtige Freiburgerin aber nicht mehr an den Erfolg ihrer ersten Hits anknüpfen kann. Die Singleauskoppelung «Läb Dini Tröim» erreicht nicht mal mehr eine Chartplatzierung. Das ist schade. Die erwachsene Kisha gibt mit dem Song ihre Lebenserfahrung an die junge Generation weiter. Sie will Mut machen, Eifer wecken: «Stang uf, pack’s a» oder «S’git nüt wo’s nid git, we’d kämpfsch drfür» sind klare Ansagen, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will.

In den Folgejahren wird es langsam stumm um Kisha. Den nennenswertesten Erfolg landet sie gemeinsam mit Tanja Dankner, Dani Kandlbauer und Marc Sway. Der Song «We Are On Fire» soll das Schweizer Olympiateam an den Winterspielen 2006 in Turin zu Höchstleistungen anspornen. Immerhin das gelingt mit 14 Medaillen – davon 5 Goldene – ganz ordentlich. Bei ihrem eigenen Song «Sowieso», der im gleichen Jahr erscheint, ist Kisha allerdings so weit von Edelmetall entfernt, wie ihr Wohnort Kleinbösingen von der grossen Konzertbühne namens Hallenstadion in Zürich. Daraus zieht die Sängerin die Konsequenzen und gönnt sich eine mehrjährige Auszeit von der Musik.

Bis sich Kisha im Jahr 2011 mit Reto Burrell und Nori Rickenbacher zusammentut und das Trio C.H. (Country Helvetia) bildet. Das zweite Album erscheint im März 2013 und heisst «Wurzle». Es beinhaltet elf Lieder mit schweizerdeutsch gesungener Country-Musik, die allerdings weder nach Bluegrass noch nach Rockabilly, zwei klassischen Stilrichtungen der Country-Musik, tönen. In ihren stark von Popmusik angehauchten Liedern träumen C.H. dagegen vom «Färnweh Nach Deheime» und einem schnellen «Heiwäg» zum Schatz. Nach dem Ausstieg Rickenbachers plant das verbliebene Duo ab Mai 2013 noch vier Konzerte bis Ende Jahr.

Quelle: YouTube.com

Autor: Reto Vogt

Fotograf: Marco Zanoni