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06. April 2015

So funktioniert Mobile Payment

Noch dieses Jahr kann man in der Schweiz an vielen Kassen mit dem Handy zahlen. Gleich mehrere Systeme buhlen um die Gunst der Kunden – eins davon wurde jetzt gehackt.

Moblie Payment, Handy als Zahlungsmittel
Das Handy ist bald ein Zahlungsmittel. Grösstes Risiko ist und bleibt ­aber der Diebstahl (Illu: Supertotto/2 Agenten).

Schluss mit dem umständlichen Zusammenkratzen von Kleingeld: Um künftig einen Betrag an der Kasse zu begleichen, genügt es, das Handy an die Zahlstation zu halten.

Bis das sogenannte Mobile Payment hierzulande flächendeckend einsetzbar ist, dauerts nicht mehr lange. Anbieter aus verschiedenen Branchen arbeiten fleissig an einer eigenen Lösung. Darunter Post Finance und die Migros selbst. Ausserdem kündigte Apple-Chef Tim Cook kürzlich an, sein mobiles Bezahlsystem «noch dieses Jahr» nach Europa bringen zu wollen. Und nicht zuletzt besitzt der Megakonzern Google mit «Wallet» ein weiteres Konkurrenzprodukt.

Müssen sich Kundinnen und Kunden deshalb bald für einen Anbieter entscheiden, wenn sie an der Kasse mit ihrem Handy zahlen wollen? Keineswegs. Wie in ein herkömmliches Portemonnaie lassen sich auch in einen digitalen Geldbeutel mehrere Kärtchen gleichzeitig «einstecken» und nutzen – nur geschieht das bei Mobile Payment in Form von Apps.

Tapit heisst das derzeit einzige System, das in der Schweiz flächendeckend funktioniert. Beim gemeinsam von Orange, Sunrise und Swisscom entwickelten Produkt ist eine spezielle Kreditkarte von Cornèrcard oder Viseca Voraussetzung. Ausserdem müssen Handy und SIM-Karte den NFC-Standard (Near Field Communication) unterstützen.

Apparate mit diesem Symbol können heute schon Zahlungen mit dem Handy via Tapit akzeptieren.
Apparate mit diesem Symbol können heute schon Zahlungen mit dem Handy via Tapit akzeptieren.

Wer diese vergleichsweise hohe Hürde überspringt, kann dafür zumindest theoretisch in über 50 000 Läden, darunter zahlreichen Migros-Filialen, mit seinem Handy zahlen. Das iPhone wird derzeit allerdings nicht unterstützt.

Die Betreiber sichern das System ab, indem bei Beträgen ab 40 Franken ein PIN-Code eingegeben werden muss. Ausserdem kommt keine Transaktion zustande, wenn die Distanz zwischen Telefon und Terminal zu gross ist.

Eine 100-prozentige Sicherheit garantiert jedoch keines der erwähnten Bezahlsysteme. Warnendes Beispiel muss «Apple Pay» sein, das in den Vereinigten Staaten gemeinsam mit den kooperierenden Banken zu den prominenten Opfern zählt. Das System sieht vor, dass Letztere jede hinzugefügte Kreditkarte verifizieren müssen. Eine Sicherheitslücke bei diesem Verfahren ermöglichte Betrügern, mehrere Millionen Dollar zu erbeuten, berichtet die Zeitung «The Guardian».

Allen Unkenrufen zum Trotz: Wer sein Handy mit einem Zahlencode sperrt und stets sämtliche Updates installiert, ist gegen die gängigsten Gefahren gut geschützt und kann Mobile Payment sicher nutzen. Denn das grösste Risiko ist nicht der Hackerangriff, sondern der Verlust des Zahlungsmittels – auch wenn dieses nicht im Münzfach des Portemonnaies liegt.

Autor: Reto Vogt