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23. April 2012

Sie ist weg!

In der Schweiz wird jede zweite Ehe geschieden, zwei Drittel der Scheidenden sind über 40. Nun wollen Forscher der Uni Bern ergründen, wie Betroffene mit diesem Einschnitt im Leben umgehen.

Wenn der Partner ausgezogen ist: Zerbrechen Ehen oder langjährige Beziehungen, stürzen viele Menschen in eine tiefe Krise. (Bild: Getty Images)

Fast jede zweite Ehe in der Schweiz wird geschieden. Und das ist nicht etwa die Schuld der unreifen Jungspunde, steht doch ein Grossteil der Scheidenden bereits in der zweiten Lebenshälfte. Von den über 19'000 Scheidungen in der Schweiz im Jahr 2009 betrafen zwei Drittel Eheleute, die älter als 40 waren. Mit einer Studie zum Thema «Trennung, Scheidung und Verwitwung» will das Psychologische Institut der Universität Bern nun ergründen, wie die Betroffenen mit diesem Einschnitt im Leben umgehen. Für die Studie werden Personen gesucht, die sich erst kürzlich trennten (Anmeldung siehe unten).

«Auffällig ist der hohe Anteil an Scheidungen nach langjährigen Ehen», sagt die Entwicklungspsychologin und Studienleiterin Pasqualina Perrig-Chiello (58) von der Uni Bern. Jede dritte Scheidung betrifft heute eine Ehe, die länger als 20 Jahre gedauert hat. «Die Gründe», so Perrig, «liegen einerseits in einem Wertewandel, dem Auszug der Kinder, andererseits darin, dass Frauen heute finanziell unabhängiger sind als noch vor ein paar Jahrzehnten.» Zusätzlich hat sich die Vorstellung von der Ehe gewandelt. Früher war sie mehr eine Zweckgemeinschaft. «Heute macht sie ohne Liebe keinen Sinn», sagt die Fachfrau. «Doch Trennungen gehören zu den schmerz- und stressvollsten Ereignissen im Leben.» Die Verarbeitung, also die Trauerphase, dauert gut zwei Jahre, wie Forschungen zeigen.

Trennungen kommen oft aus heiterem Himmel. «Viele Paare leben lange in einer Scheinwelt. Bricht dann jemand aus, fällt für den Verlassenen eine Welt zusammen», weiss Perrig. Nicht nur wegen des Trennungsschmerzes, oft auch wegen grosser finanzieller Probleme, in welche die Scheidung sie stürzt. Viel besser stehen Verwitwete da, wie eine Untersuchung des Bundes zeigt. Denn Verwitwete beziehen eine Hinterlassenenrente.

Anmeldung für die Studie (40- bis 90-Jährige, die in den letzten zwei Jahren geschieden oder verwitwet wurden oder sich getrennt haben) unter:
www.entwicklung.psy.unibe.ch/content/forschung/lives/ oder Tel. 031 631 56 38 oder per E-Mail an partnerschaftsstudie@psy.unibe.ch

Autor: Thomas Vogel