Archiv
23. Januar 2017

Sharing Culture aus aller Welt

Sparen von Ressourcen, Zugang zu Dingen auch für Ärmere und spannende Begegnungen: Teilen kann ein Weg sein zu mehr Ökologie, Gerechtigkeit und Gemeinschaft. Ein paar Beispiele zum Interview mit Expertin Luise Tremel («Die Expertin des Teilens»).

Immigranten in Brasilien geben Kochkurse
Die Internetplattform Migraflix bringt Brasilianer und Einwanderer näher – beispielsweise beim Kochen (Bild: migraflix.com.br).

Gratisbücher für alle

Kinder mit «ihrer» Little Free Library
Keiner zu klein, seine eigene kleine Bibliothek zu gründen (Bild: littlefreelibrary.org).

«Gib ein Buch. Nimm ein Buch» – unter diesem Motto funktioniert die kostenlose Bücheraustausch-Community «Little Free Library». Die erste Buchtauschstation wurde 2009 von Todd Bol in seiner Garage in Hudson im US-Bundesstaat Wisconsin errichtet. Todd hatte als Kind selber Schwierigkeiten mit dem Lesen gehabt. Unterdessen gibt es über 40’000 registrierte Little Free Libraries in mehr als 70 Ländern weltweit – 9 davon in der Schweiz.

Mit Marionetten kulturelles Bewusstsein schaffen

«La Pergola» heisst das Strassentheater, mit dem die junge ägyptische Anwältin Rania Refaat Kairos Bewohner über ihre gesetzlich festgelegten Rechte und Pflichten aufklären will. Mithilfe selbst gebastelter Marionetten sprechen sie und ihre rund 15 Mitstreiter seit rund fünf Jahren gesellschaftliche Missstände wie das Müllproblem der Grossstadt oder auch die zunehmende Zahl von Strassenkindern an.

Taubblind auf die Bühne

chauspieler von «Na Laga’at» in Aktion
Die Schauspieler von «Na Laga’at» lassen sich nicht behindern (Bild: nalagaat.org.il).

«Na Laga’at» (Bitte berühren) heisst ein weltweit einzigartiges Theaterexperiment im israelischen Jaffa: Alle Schauspieler sind gehörlos, stumm und blind. Kommuniziert wird über die Vibrationen von Trommeln. Dem Theater angeschlossen sind ein Café mit gehörloser Bedienung und ein Restaurant, in dem man in totaler Finsternis von blinden Kellnern bedient wird. Mittlerweile haben über 750’000 Interessierte das Na Laga’at Center besucht und Einblicke bekommen in die Lebenswelt der Menschen, die dort arbeiten.

Vom Fischernetz zum Skateboard

Das Start-up Bureo in Kalifornien (USA) stellt Skateboards aus ausrangierten Fangnetzen her. Das Material bezieht das Unternehmen von chilenischen Fischern, die ihre alten Netze bis anhin oft einfach im Meer entsorgt hatten, wo sie zu tödlichen Fallen für diverse Meeresbewohner wurden. Der maritime Plastikmüll wird gesammelt, eingeschmolzen und anschliessend in Form gegossen.

UP-Cycling statt Wegwerfen

das Ladengeschäft von «La Collecterie»
Ziel von «La Collecterie» ist es, alten Dingen neues Leben einzuhauchen (Bild: lacollecterie.org).

Wiederverwendung und damit Reduktion von Abfällen ist auch das Ziel von «La Collecterie», einem gemeinnützigen Projekt im französischen Montreuil. Alte Möbel, Textilien, aber auch elektronische Haushaltsgeräte werden repariert respektive in neuwertige Produkte verwandelt und anschliessend im kollektiveigenen Laden verkauft. In Workshops lernen Interessierte beispielsweise, alte Stühle zu reparieren,

Von Immigranten lernen

Brasilianer und Einwanderer via Kulturaustausch einander näherzubringen – mit diesem Ziel ging im Herbst 2015 in São Paulo die Internetplattform Migraflix online. In mehr als 70 Workshops vermitteln Immigranten aus Bolivien, Peru oder auch Syrien ihr Wissen und Können zu Musik und Tanz, Kochen, aber auch Schönschrift an Interessierte und werden so ihrerseits in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integriert.

Filmschule für Indigene

Vincent Carelli, Sohn eines Brasilianers und einer Französin, hat vor mehr als 30 Jahren eine einzigartige Filmschule für die indigene Bevölkerung Brasiliens gegründet. Im Alter von 16 Jahren war er beim Besuch in einem Indianerdorf im Bundesstaat Pará von einem «Indianervater» adoptiert worden und hat seither das indigene Leben per Kamera dokumentiert. Gleichzeitig bildete er junge indigene Filmemacher in der Handhabe der Kamera aus. Bis heute wurden dank «Vídeo nas aldeias» (Film in den Dörfern) mehr als 100 Filme von rund 50 unterschiedlichen Ethnien gedreht.

Sauber trotz Obdachlosigkeit

Ithaca-Laundry-Team vor dem Kleinbus
Das Ithaca-Laundry-Team vor seinem Kleinbus (Bild: ithacalaundry.gr).

Seit vergangenem Jahr können Athens Obdachlose kostenlos ihre Kleidung waschen lassen. Möglich macht das der mobile Waschsalon Ithaca Laundry, den vier junge Griechen mit Hilfe von Sponsoren auf die Beine gestellt haben. Der Kleinbus mit zwei Waschmaschinen und Trocknern wird nach Zeitplänen an bestimmten Stellen in Athen platziert, die Bedienung erfolgt durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Ein gepflegtes Erscheinungsbild gebe den Obdachlosen ein Stück Selbstbewusstsein zurück, erklären die Initianten ihr Engagement.

Autor: Almut Berger