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21. Oktober 2013

Sexting: Riskante Fotos

Denn sie wissen nicht, was sie tun: Viele Jugendliche verschicken Nacktfotos von sich per Handy. Der oft happigen Folgen sind sie sich nicht bewusst. Nun startet Pro Juventute eine Aufklärungskampagne.

Der Körper eines Jugendlichen mit einer Schlaufe, auf der steht: Mister-die-ganze-Schule-kenn-mich-nackt
Sujet der Kampagne von Pro Juventute: Sie will Jugendliche davor warnen, Nacktbilder von sich zu verschicken.

Kürzlich wurde wieder ein Fall publik: Ein Mädchen aus dem Raum Luzern wollte einem befreundeten Jungen imponieren und schickte ihm per Handy ein Nacktfoto von sich. Der leitet es weiter an Kollegen. Wenig später ist das Bild auf Dutzenden von Handys, wird auf Pausenplätzen herumgezeigt, das Mädchen als «Nutte» beschimpft. Für die junge Frau eine Katastrophe.

Sexting nennt sich das Verschicken freizügiger Fotos via E-Mail, Whatsapp oder MMS. Es ist auch in der Schweiz verbreitet. «30'000 bis 40'000 junge Menschen versenden hierzulande laut Schätzungen intime Bilder von sich», sagt Stephan Oetiker (43), Direktor von Pro Juventute. «Der möglichen gravierenden sozialen und gesellschaftlichen Konsequenzen sind sich die Jugendlichen nicht bewusst», sagt Stephan Oetiker.

Wie gering das Wissen rund um Sexting ist, zeigt auch die neueste repräsentative Umfrage von Pro Juventute: 8 von 10 befragten Schweizerinnen und Schweizern wissen nicht, was Sexting ist. Die Hälfte hat keine Ahnung, wo man Informationen zum Thema findet. Über die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass Jugendliche die Folgen von Sexting nicht abschätzen können. Und 84 Prozent wissen nicht, wo man Hilfe finden kann, wenn bereits etwas passiert ist. Das soll nun eine nationale Aufklärungskampagne von Pro Juventute ändern. Sie startet diesen Montag mit Plakaten, TV-Spots, über Facebook und Informationskampagnen an allen Schulen. «Man muss offen über Sexting reden und die Risiken bewusst machen. Jugendliche stehen zudem stark unter Druck, intime Fotos von sich weiterzugeben. Wir müssen ihnen vermitteln, dass sie Nein sagen dürfen», sagt Stephan Oetiker.

Bei der Pro-Juventute-Hotline 147 erhalten Kinder und Jugendliche rund um die Uhr gratis und anonym Beratung und Hilfe — auch bei Problemen wie Sexting oder Cybermobbing.

www.147.ch

Autor: Daniel Schifferle