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08. Oktober 2012

Selbständig oder angestellt?

Die grosse Freiheit oder Stress pur: Der Schritt in die Selbständigkeit sollte gut überlegt sein. Die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick sowie einige nützliche Tipps zum Start.

Selbständig arbeiten
Wer im Homeoffice den Kontakt zu Berufskollegen vermisst, kann sich einen Platz in einem Gemeinschaftsatelier suchen.

Vorteile:

  • Flexibilität: freiere Einteilung der Arbeitszeiten, Arbeitstage und Ferienabsenzen
  • Mobilität: Lange Arbeitswege lassen sich vermeiden und «Home Office»-Tage sind – je nach Berufsgebiet – selbst wählbar.
  • Abwechslung: Verschiedenste Kunden, Projekte und Begegnungen machen den Alltag spannend und bringen wertvolle Erfahrungen.
  • Autonomie: Selbständige können sich nur selbst entlassen oder einzelne Kunden verlieren, sie werden von keinem Chef kontrolliert, sind nicht in Unternehmensstrukturen gefangen und erleben weniger zwischenmenschliche Spannungen im Büro.
  • Selbstverwirklichung: Aufgabengebiet und manche Projekte lassen mehr Raum für Kreativität.
  • Motivation: Selbständigen ist oft bewusster, wofür sie arbeiten, und bei erfolgreichem Projekt-Abschluss lässt das positive Feedback meist nicht lange auf sich warten.

Nachteile:

  • Arbeitsbilanz: Zu Beginn ist die Selbständigkeit arbeitsintensiv und meist nicht sehr ertragreich. Kundenberatung und Marketing beanspruchen viel Zeit und führen pft nicht sofort zu Einnahmen.
  • Auslastung: Das Auftragsvolumen ist schlecht planbar: Projekte überschneiden sich – oder es herrscht Flaute...
  • Stress und Leistungsdruck: Aufträge müssen vielfach innert kürzester Frist erledigt werden und die Kundenakquisition kann ebenfalls mit Stress verbunden sein.
  • Finanzielle Sicherheit: Das regelmässige Einkommen ist nicht garantiert und eine automatische Lohnfortzahlung bei Krankheit oder bezahlten Urlaub gibt es nicht. Existenzängste können grossen Stress verursachen, zu einer negativen Work-Life-Balance und im schlimmsten Fall zum Burnout führen.
  • Verwaltung: Der administrative Aufwand ist relativ hoch (E-Mails, Marketing, Offerten, Rechnungen, Sozialversicherungen etc.).
  • Kundenkontakt: «Der Kunde ist König» – das ist nicht immer nur angenehm.

Tipps:

Gute Vorbereitung ist das A & O für einen erfolgreichen Start in die berufliche Unabhängigkeit. Dazu ein paar nützliche Inputs und Links:

  • Einzelfirma, GmbH oder Aktiengesellschaft: Welche Rechtsform eignet sich für mein Unternehmen? Einen Überblick und weitere Informationen dazu finden Sie hier.
  • Kompetenz und Netzwerk: Auch wenn zu Beginn meist eine etwas breitere Palette an Dienstleistungen angeboten werden muss, lohnt sich erfahrungsgemäss auf lange Sicht die Spezialisierung auf gewisse Kernkompetenzen. Mindestens genauso wichtig wie Fachwissen und Berufserfahrung ist das Netzwerk: Ehemalige Arbeitgeber sind unter Umständen potentielle Kunden, und Konkurrenten können nicht nur wertvolle Inputs liefern, sondern sind bei Überlastung vielleicht gar froh um Unterstützung.
  • Finanzielle Reserve: Um Geldsorgen – insbesondere in der Startphase – zu vermeiden, ist ein gewisses finanzielles Polster absolut empfehlenswert. Unter Umständen kann auch ein Nebenjob finanzielle Erleichterung verschaffen.
  • Auftritt: Ein professioneller Auftritt ist bei der Kundenaquisition unabdingbar. Die Kommunikations- und Marketingmassnahmen sollten daher von Anfang an geplant und die Plattformen sorgfältig gewählt werden.
  • Honorar: Der Stundenlohn eines Selbständigen sollte sorgfältig berechnet werden, denn er muss viele Kosten decken: Sozialversicherungs- und Altersvorsorgekosten, Urlaub, Krankheit, Auftragslücken, Investitionen etc. Sich unter dem Marktwert zu verkaufen, wirkt überdies unprofessionell. Eine nützliche Honorar-Berechnungshilfe finden Sie hier.
  • Alltagsstruktur und Arbeitsplatz : Ein strukturierter Alltag mit regelmässigen Pausen, Freitagen und Ferien steigert erfahrungsgemäss die Produktivität und Leistungsfähigkeit. Auch wenn der Arbeitsmarkt Flexibilität erfordert, sollte die gesunde Work-Life-Balance nicht zu kurz kommen. Selbständige müssen oft lernen, auch einmal einen Auftrag abzulehnen.

Autor: Nicole Demarmels

Fotograf: Loan Nguyen