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10. November 2014

«Seegänge»

In Spätherbst und Frühwinter locken die unterschiedlichsten Schweizer Seen mit wechselnden Kontrasten, Klarsicht, Dunst oder erstem Schnee zu ausgedehnten Spaziergängen. Vier Alternativen zum Outdoor-Ausflug bei Thun («Wanderung am Thunersee»).

Blick vom Mont Vully auf den Murtensee
Der Blick vom Mont Vully auf den Murtensee hinab (Bild: Christof Sonderegger).

Murtensee und Alpenkamm im Blick: SUGIEZ–VULLY
Einer der besten Beweise, dass attraktive Rundgänge nicht direkt dem Ufer entlang führen müssen. Die paar Höhenmeter auf den Mont Vully lohnen den Aufwand mit Aussicht, Picknickplatz und einem Abschnitt des lehrreichen Weinlehrpfads vollauf. Zwei bis drei Spots auf dem markanten Hügel voller Rebberge bieten einen Blick über den ganzen Murtensee. Hebt man den Blick, hat man zudem einmalige Eindrücke vom näheren Alpenkamm.

Der Tipp: Vom Bahnhöfchen in Sugiez FR (unmittelbar nordwestlich vor Murten) folgen wir dem Wegweiser in Richtung Mont Vully. Beim ersten grossen Rebberg zweigen wir links auf den Weinlehrpfad ein. Auf dem Höhenpunkt 463 m ü. M. heisst es den Pfad rechts verlassen und den Murtener Hausberg wieder steiler zu erklimmen. Bald erreicht man den grosszügigen Picknickplatz mit mehreren Bänkchen und schöner Aussicht auf den Murten- wie auch den Bielersee. Am besten setzt man die kurze Wanderung über Sur le Mont und das lohnende Hôtel Mont Vully Richtung Praz fort. Am oberen Dorfrand heisst es sich entscheiden: Man sticht hinab an den See und schlendert an dessen Gestaden zurück nach Sugiez oder gleich nach Murten. Oder aber – besonders mit Kindern attraktiver – man begeht wieder ein schönes Wegstück den Weinlehrpfad bis zu den Grottes du Vully, neben denen als weiteres Highlight die (mit Taschenlampe) gut begehbaren Sandsteinhöhlen aus dem Ersten Weltkrieg warten. Daneben treffen Hungrige wiederum auf eine attraktive Feuerstelle. Zum Abschluss empfehlen sich der Weg nach Môtiers und die Weiterreise Richtung Murten/Sugiez auf dem Seeweg, wenn Schiffe verkehren.

Dauer: zwei bis maximal zweieinhalb Stunden
Sich im Bodensee verlieren: ROMANSHORN–ALTNAU
Auf dieser Strecke erhalten besonders nicht bereits mit der Bodenseeregion Vertraute den schweizweit besten Eindruck von grosszügiger Weite – mit Blick aufs Wasser wie auch ins flachere bis wellige Hinterland. Bei letzterem kann selbst der Genfersee nicht mithalten. Deshalb heisst die Devise in diesem Fall: mit Ausnahme des ersten Wegstücks unbedingt am Ufer bleiben.

Der Tipp: Los gehts bei Bahnhof und Hafen in Romanshorn, zuerst beim Seepark vorbei und an der Picknickstelle zum Findlingsgarten. Schon bei der Unterführung verlassen wir den befahrenen Seeweg und erreichen über Holzenstein und Tobelmüli den neuen Wanderweg nach Uttwil. Gleich danach begeht man wieder den nunmehr ruhigen Seeweg unmittelbar am Wasser, der schon bald als sorgfältig gestalteter Gehölzlehrpfad weiter Richtung Kesswil verläuft. Die besten Plätze, um Wintervögel zu beobachten, folgen danach auf dem Seeweg weiter nach Güttingen. Dort lohnen sich das Hafengebiet und eine Pause im idyllischen Sunnehüsli mit Kinderspielplatz. Gemütlich nimmt man das letzte Wegstück nach Altnau unter die Füsse, wo sich am Ende auch eine kurze Besichtigung des malerischen Ortskerns anbietet.

Dauer: gegen zweieinhalb Stunden
Beschrieb bei Kreuzlingen-TourismusÜber dem Luganersee: SAN SALVATORE–CARONA
Nahe der Südtessiner Bankenstadt ermöglicht einer der beiden Hausberge Luganos mit Standseilbahn-Transfer direkt aus der Stadt den besten Überblick über einen Grossteil des Lago di Lugano. Zuerst auf den Hauptarm, später auch auf den westlichen Seitenarm. Der Mont-Vully-Effekt dauert hier noch viel länger an. Ein Ausflug lohnt sich besonders bei erstem Schnee (aber nur wenig frisch gefallenem unter 900 m ü. M.) oder leichtem Bodennebel. Allerdings möglichst unter der Woche, da Bahn und Restaurant am Wochenende mit hohem Ausflügler-Andrang zu kämpfen haben.

Der Tipp: Der Panoramaweg führt von der Bergstation mit Kirchlein, Restaurant und Aussichtspunkt hauptsächlich durch Wald Richtung Süd(west)en und Ciona. Nur zu Beginn mit erwähnenswertem Auf und Ab und teils felsigem Untergrund, später viel gemütlicher. Nach dem Dörfchen und überquerter Strasse folgen wir dem Weg weiter nach Carona, nach einigen Minuten gelangen wir dabei auf eine wenig befahrene Strasse. In Carona empfiehlt sich nach der Siedlung im Süden ein Besuch im Parco San Grato, einem der schweizweit schönsten botanischen Gärten. Zurück fährt der Bus 434 von Carona Paese (knapp 20 Minuten vom Parco Richtung Dorfzentrum) nach Lugano (al Forte).

Dauer: höchstens anderthalb Stunden, verlängerbar um knapp eine Stunde mit Weiterwandern und Abstieg nach Melide.
Über den Gestaden des Vierwaldstättersees: VITZNAU–WEGGIS
Punkto wandelbare Umgebung mit sich stetig verändernden Aussichten auf grössere Seen darf ein Vorschlag zum Vierwaldstättersee nicht fehlen. Wir wählen die berühmte Rigi, bleiben aber für einmal ziemlich weit unten an ihrer Südwestflanke – hauptsächlich auf dem Waldstätterweg, der mittlerweile alle Seearme auf attraktiver Route umfasst.

Der Tipp: Wir empfehlen mit dem Bus die Fahrt bis zur Haltestelle Floralpina, alternativ kann man auch an der Kirche und dem oberen Dorfteil vorbeispazieren, folgt danach der Ausschilderung in Richtung Gersau, nach dem Campingplatz gehts hinunter zur Hauptstrasse, dieser entlang bis zur Bushaltstelle mit der Wegabzweigung nach Bürglen. Auf dem Strässchen gewinnen wir Höhenmeter und blicken in stets leicht verändertem Winkel auf See und Berglandschaft. Im Bergrestaurant Kuorez stärkt man sich idealerweise, bevor es unmittelbar danach im Äbnet auf dem schmalen, bequem begehbaren Waldstätterweg mit Ziel Weggis weitergeht. Die weiteren Höhepunkte sind Wiese und Hof Unter Rängg, unterhalb deren man den Waldstätterweg verlässt und zuerst nochmals etwas aufwärts marschiert, um bald den malerischen Felstunnel zu durchschreiten und zum Schluss nach Weggis hinunter zu schlendern.

Dauer: knapp zwei Stunden (mit Bus)

UND IHR LIEBLINGSWEG?
Welches ist Ihr schönster Spaziergang oder Ihre speziellste Kurzwanderung an Schweizer Seegestaden? Verraten Sie es mit einem Bild in einem eigenen Tipp (Seite einreichen nach Login) oder in einem kurzen Kommentar mit Infos.

Autor: Reto Meisser