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07. Januar 2013

Reto Meisser

Der 40-jährige Online-Redaktor des Migros-Magazins schätzte selbst die Anfänge der Desperate-Housevives-Serie, geht aber noch immer am liebsten ins Kino, nicht ins Heimkino.

The Screensavers
«The Screensavers» – weil das Leben zu kurz ist für schlechte Filme und Serien! (Illustration Melk Thalmann)
Reto Meisser
Reto Meisser

Kino-/Serienhintergrund
Seit Placeur-Tätigkeit in der Jugend wöchentlich meist mehrmaliger Kinogänger. Selbst das eine oder andere Semester Filmwissenschaft entwöhnte nicht vom masslosen Konsum von Popcorn-Blockbustern – allerdings selten mit Popcorn – über unzählige Studio- bis hin zu homöopathisch dosierten Kunstfilmen. Abstinenz führt mitunter zu sozialer Unverträglichkeit, auf längeren Reisen gehört die Suche nach und der Besuch von Kinos stets dazu. Und nein: Auch die beste Home Cinema-Anlage ist nicht dasselbe. Es geht nämlich nicht nur um die Bild- und Tonqualität.
TV-Serien kommen rege zum Zug, jedoch in ein paar Fällen fast eher als Suchtmittelersatz.
Ich kann nicht genug kriegen von/Ich sehe immer wieder gerne

FILME:
Das meiste von Martin Scorsese, Peter Jackson, Lars von Trier, Walt Disney, Ursula Meier oder Miguel Gomes, Orson Welles, Jean-Luc Godard oder Jean-Claude Van Damme (ich weiss, das sprengt den klassischen Autor-Begriff etwas), um nur ein paar unterschiedliche Beispiele zu nennen. Es sollte im jeweiligen Genre gut gemacht sein und wenn möglich eine Idee oder schlicht: einen Stoff haben. Bestenfalls (sicher keine Vorgabe) hat das eine auch mal mit dem andern zu tun.

SERIEN:
Fast am liebsten solche, die auch beinahe Filmstoffe erzählen, wie Mad Men im Episoden-, 24 im neuartigen Thriller-Aufbau oder Breaking Bad in etwa dazwischen.
Dann aber auch die Feier von skurrilen Figuren wie Dr. House, früher selbst anarchisch-zynischen Plattmach-Humor wie in Eine schrecklich nette Familie.
Suchtpotential entwickelten für mich lange auch Ärzteserien wie Emergency Room oder auch noch Grey's Anatomy (beides lief sich nach der Hälfte immer mehr tot), zugegebenermassen auch die ersten beiden, raffiniert erzählten Staffeln von Desperate Housevives.Jagen kann man mich mit
... verklärend-naiven Parallelwelten von Matrix 1 - 3 bis zum unsäglichen ExistenZ, die das (angeblich) Gute auf der Leinwand mit dem Guten im Leben verbinden wollen.
... handgestrickten und unentschlossenen Konzepten genau zwischen Reality- und Fiction-TV, etwa gewisse Richter- oder in andere Richtungen 'weiterentwickelte' Talksendungen
... auch den meisten Talent-, noch schlimmer Dschungel-Shows. Fernsehen war immer dann gut, wenn es wie die allerersten Big Brother-Staffeln simpel Leute aufeinander losliess, die eingesperrt wurden und viel zu viel Zeit, vor allem aber keine Aufgabe zu erledigen hatten – ausser vielleicht: Die Langeweile und das Nichts auszuhalten (wie die Zuschauer!)
... der Mär der ach so wertvollen und stets gekonnt gefertigten Schweizer Dokumentarfilme, die oft dem guten Ruf Hohn spotten und mit Könnern wie dem Holländer Van der Keuken nicht im Ansatz mithalten können. Umgekehrt halte ich den Schweizer Spielfilm für eher besser als sein Ruf.
Was ich noch sagen wollte
Schnitt!

Autor: Reto Meisser

Fotograf: Ueli Christoffel