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07. Januar 2013

Hans Schneeberger

Der 53-jährige Chefredaktor des Migros-Magazin liebt bei Filmen das Epische, Grosse und Bedeutende und verfolgt Comedy-Serien auf dem Laufband.

The Screensavers
«The Screensavers» – weil das Leben zu kurz ist für schlechte Filme und Serien! (Illustration Melk Thalmann)
Hans Schneeberger
Hans Schneeberger

Kino/Serienhintergrund
Seit Anbeginn der Zeiten Fan von allem, was sich bewegt. Filme, (Fuss-)Bälle, Motorräder und bewegte Zeiten. Liebt alles Epische, die grossen Dramen der Weltgeschichte und den gepflegten Showdown von Gut gegen Böse (aber nur, wenn das Gute gewinnt). Hasst die Kurzatmigkeit von Filmen unter 90 Minuten, will schwelgen statt sinnieren und sucht die grosse Leinwand statt des kleinen Ipad-Screens. Kam erst mit dem amerikanischen Kabel-TV-Pionier HBO («hat das Fernsehen revolutioniert») auf den Serien-Geschmack.
Ich kann nicht genug kriegen von/Ich sehe immer wieder gerne

SERIEN:
Geprägt haben ihn The Sopranos und 24 («hat mich Nächte und ganze Festtags-Weekends gekostet»), gefordert Deadwood und gebildet Six Feet Under. Zurzeit geniesst er die Implosion seiner Interessen Film/Motorrad bei der Rocker-Saga Sons of Anarchy. Entspannt auf dem Laufband bei The Big Bang Theorie, («Wieso tritt Leonard Sheldon nie in den Hintern? Hätt' ich schon lange getan») oder How I Met your Mother und kann sogar bei der fünften Wiederholung von Two and a Half Men noch lachen. Und ja: Lässt auf seiner Teufel-Home-Cinema-Anlage Glee krachen («Die Stimmen von Lea Michele/Rachel und Amber Riley/Mercedes sind göttlich!»)

FILME:
Liebt alles Epische, Grosse, und Bedeutende. Spiel mir das Lied vom Tod («Das absolute Meisterwerk»), Once upon a time in America («Wurde die Prohibition je schöner gefeiert?») und The Gangs of New York (vom Erwachen einer Nation). Kriegt von der Mafia nie genug, sei es mit Scarface, Der Pate oder Goodfellas. Suhlt sich gerne auch mal in Seichtem wie Muriels Wedding oder verdrückt eine Träne bei August Rush oder Blind Side. Hat Christopher Nolans depressiven Blick auf die Zukunft schätzen gelernt und Martin Scorseses Detailverliebtheit. Als Comic-Sammler haben es ihm sowohl die X-Men-Serie als auch die Spidy und Hellboy angetan. Ist elternseits mit Schweizer Heimatwerken wie Hinter den sieben Gleisen oder Bäckerei Zürrer und Ueli der Knecht aufgezogen und bruderseits mit Schweizer Kunstproduzenten wie Claude Gorretta oder Alain Tanner überfordert worden.
Jagen kann man mich mit
Allem, was nach Splatter oder plattem Horror aussieht (Saw I bis unendlich, The Hills have Eyes, neu The Collection oder Braindead). Mit schwedischem Kammerkino und mit müden amerikanischen Teenie-Komödien. Mich ärgern zu schnelle Schnitte, dröge Dialoge und alternde Diven, die sich aufspritzen lassen.
Und was ich sonst noch sagen wollte
«Aber was, wenn es kein Morgen gibt? Heute gab es nämlich auch keins.» (Aus: Und täglich grüsst das Murmeltier).
Ich freue mich auf eine Widerrede!

Fotograf: Ueli Christoffel