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15. Februar 2013

Christine Kunovits

Die 50-jährige Chefredaktorin der Saisonküche und Co-Leiterin des Corporate Publishing der Migros Presse hat breite TV-Erfahrung von Daktari über Raumschiff Enterprise bis zu Grey's Anatomy oder Downtown Abbey, und sorgte in den 90ern mit dafür, dass Serien in der Schweiz Kult wurden.

The Screensavers
«The Screensavers» – weil das Leben zu kurz ist für schlechte Filme und Serien! (Illustration Melk Thalmann)
Christine Kunovits, Chefredaktorin der Saisonküche
Christine Kunovits, Chefredaktorin der Saisonküche

Serienhintergrund
Ich bin mit Serien gross geworden. Meine Kindheit wurde geprägt von Tiergeschichten wie Daktari, Flipper, Mein Freund Ben und die Folly Foot Farm, Familienerzählungen wie Lieber Onkel Bill sowie Märchen über die Bezaubernde Jeannie. Und Raumschiff Enterprise. Leutnant Uhura war mein Vorbild, ihren Sende-Knopf im linken Ohr fand ich grossartig. Beamen selbstverständlich auch. Als das ZDF die Enterprise 1969 absetzte, schickte ich, zuammen mit meinen empörten Mitschülern, einen Protestbrief an den Sender. Vergeblich. Leider.

Als Teenager änderte sich mein Interesse, es galt fortan Männern wie Kapitän James Onedin und dem Aufbau seiner Schiffsflotte oder dem Leben der Dienerschaft um Mr. Hudson im Haus der Bellamys am Eaton Place. Weiter erwähnenswert, weil prägend, sind aus der Zeit Arpad der Zigeuner, der Kurier der Kaiserin, die Waltons oder Drei sind einer zu viel. Im darauffolgenden Jahrzehnt, den 80ern also, war Fernsehen nicht so angesagt, und folglich kümmerte ich mich kaum um das Seriengeschehen. Ging stattdessen ins Kino (mindestens dreimal wöchentlich – heute dreimal jährlich). Aber die Irrungen und Wirrungen des Denver-Clans am Mittwochabend liess ich mir nicht entgehen. Larry Hagmans Intrigen im Ölgeschäft und in seiner Familie dagegen schon.

Mein berufliches Serien-Coming-out hatte ich 1995 – der Zeit von Melrose Place, Beverly Hills 90210, Friends und Absolutely Fabulous. Damals erklärten meine Journalisten-Kollegin Regina Decoppet und ich in der «Schweizer Woche» Serien kurzerhand zu Kult. Und ab dann wurden Serien tatsächlich salonfähig. Was sicherlich mit der verbesserten Qualität zu tun hatte. Und ein wenig auch unserem Artikel zuzuschreiben ist. Denn selbst die «Weltwoche» nahm sich, inspiriert von unserem Analysestück, dem Thema an. Von da an war es cool, am Arbeitsplatz über Ally McBeals Männergeschichten oder die amourösen Erlebnisse der vier New Yorkerinnen um Carrie Bradshaw in Sex and the City zu diskutieren.

Und heute? Mein Serienportfolio ist ziemlich breit, ich schätze alles, was schrägen Witz, Tiefgang oder beides hat, absurd ist, meine Neugier auf eine Welt weckt, die ich nicht kenne und manchmal auch ganz Banales (Gossip Girl oder Gute Zeiten Schlechte Zeiten). Und dann wäre da noch die Lindenstrasse – seit 25 Jahren DIE Serienkonstante in meinem Leben.
Ich kann nicht genug kriegen von...
...The Big Bang Theory (immer wieder, wenn Sheldon drei mal an Pennys Türe klopft), Private Practice und Grey's Anatomy (es gibt ein Leben ausserhalb von OPs und Praxen), 30 Rock (warum TV machen anstrengend ist), Friends (über ihre Dialoge lache ich auch nach dem zehnten Mal), Brothers and Sisters (selbst wenn Ally McBeal-Darstellerin Calista Flockhart viel zu dünn ist), Boston Legal (auch Männer haben echte Freunde), Gilmore Girls (wer hätte nicht gern eine Mutter wie Lorelei?), Keeping up Appereances (niemand wünscht sich ernsthaft Hyacinth Bucket als Nachbarin), The Red Dwarf (weil es neben Star Trek auch Lustiges im Weltall zu erleben gibt), Black Adder (die schrägste Familiensaga made in England) und Downton Abbey (ja, auch ich).
Jagen kann man mich mit...
...Actionserien aller Art. Mich nerven die in Slow Motion gefilmten Autoexplosionen von Alarm für Cobra 11 genauso wie Mordfälle und deren Lösung in allen Varianten. Sei es bei CSI, Bones oder Castle. Und richtig fremd schäme ich mich bei Soaps und Telenovelas wie Sturm der Liebe, Rote Rose oder The Bold and the Beautiful.Und was ich sonst noch sagen wollte
Serien! Was sonst?

Autor: Christine Kunovits