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18. Juli 2016

Schwingerkönig Wenger ist bereit für Estavayer

Kilian Wenger ist guter Dinge vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac. Von der Niederlage in Burgdorf vor drei Jahren hat sich der Schwingerkönig erholt, die Verletzungen sind verheilt – und auch mental ist er in Form. Zum Interview (unten) die Infografik mit den wichtigsten Zahlen und Fakten zum Schwingfest.

Schwingerkönig Kilian Wenger
Schwingerkönig Kilian Wenger schaut dem Schwingfest vom 27. udn 28. August optimistisch entgegen. (Bild: Christian Grund)

Kilian Wenger, 2013 hätten Sie sich am Eidgenössischen in Burgdorf BE gerne erneut einen Sieg geholt. Gewonnen hat dann schliesslich Matthias Sempach. Warum hats nicht geklappt?

Das fragte ich mich natürlich auch. Ich glaube, ich fühlte mich unter Druck, erwartete zu viel von mir.

Haben Sie seit 2013 etwas an Ihrem Training geändert?

Das körperliche Training ist immer noch dasselbe. Seit dieser Saison trainiere ich aber zusätzlich den Kopf, mit einem Sportpsychologen.

Seit dieser Saison trainiere ich aber zusätzlich den Kopf.

Wie muss man sich dieses Mentaltraining vorstellen?

In erster Linie geht es mir darum, besser mit Druck umzugehen und fokussiert zu bleiben. Wie das genau geht, bleibt mein Geheimnis.

Gibt es spezielle Rituale, die Sie vor einem Gang einhalten?

Nicht wirklich.

Mit welchen Gefühlen werden Sie Matthias Sempach in Estavayer begegnen?

Mit guten. Wir sind befreundet und begegnen uns oft. Auch sind wir beide im selben Teilverband und treten daher in Estavayer-le-Lac zu Beginn sicher als Team auf. Was im siebten oder achten Gang läuft, das ergibt sich dann.

Wer könnte Ihnen sonst noch gefährlich werden?

Es hat jeder der fünf Teilverbände Schwinger, die sehr weit kommen können. Das gibt eine spannende Sache.

Eigentlich hätte es bereits im Mai zu einem Königsduell zwischen Ihnen und Sempach kommen sollen. Sie mussten es aber wegen eines Hexenschusses platzen lassen. Wie steht es jetzt um Ihre Form?

Ich habe mich gut erholt und bin zuversichtlich – auch, weil ich vor ein paar Wochen meinen 64. Kranz gewonnen habe.

Sie hatten in der Vergangenheit viele Verletzungen: Sind Sie der Rafael Nadal des Schwingsports?

Ich bin zum Glück von gröberen Verletzungen verschont geblieben. Die Schulter, die ich letztes Jahr operieren liess, war bisher das Schlimmste.

In dieser Saison lag ich zum Glück noch nie am Boden.

Ihre bevorzugten Schwünge sind der Kurz, der Wyberhaken und der Stich. Warum gerade die?

Die liegen mir einfach. Aber natürlich muss man die Schwünge auch dem Gegner anpassen, indem man seine Schwächen erkennt.

Mit welchem könnten Sie Matthias Sempach bodigen?

Schwierig zu sagen. Wenn einer keine Schwächen hat, dann er.

Was ist das überhaupt für ein Gefühl, ins Sägemehl zu fallen?

Sicher kein gutes. Im ersten Moment ist es immer eine Enttäuschung. Dann versucht man natürlich herauszufinden, was genau passiert ist. Aber in dieser Saison lag ich zum Glück noch nie am Boden.

Sie haben in Ihrer Karriere bereits 17 Siegermunis gewonnen. Was ist aus all den Tieren geworden?

Man hat jeweils die Möglichkeit, sich zwischen dem Lebendpreis und seinem Geldwert zu entscheiden. Ich habe das Geld genommen, da ich keinen Bauernhof habe.

Sie erhielten nach Ihrem Sieg am Eidgenössischen 2010 viel Fanpost, vor allem von Frauen. Darunter waren auch Heiratsanträge. Ist dem noch immer so?

Mittlerweile hat sich das etwas beruhigt. Vor allem seit in den Medien stand, dass ich eine Freundin habe.

Ihre Freundin haben Sie 2013 im Ausgang kennengelernt.

Genau.

Von Kathy weiss man, dass sie gerne eine junge Mutter wäre. Inzwischen ist sie 27 Jahre alt. Wie steht es mit der Familienplanung?

Im Moment ist sicher noch nichts geplant. Jetzt lassen wir zuerst das Eidgenössische über die Bühne gehen, und dann schauen wir mal.

Das ist manchmal nicht einfach für Kathy.

Wie geht Kathy damit um, dass andere Frauen Sie wegen Ihres athletischen Körpers so sehr bewundern?

Das ist manchmal sicher nicht ganz einfach für sie. Etwa, wenn alle Fotos mit mir machen wollen. Aber mittlerweile hat sie gelernt, damit umzugehen.

Sie sagten einst, Ihre Traumfrau sei die Schauspielerin Mila Kunis. Wie viel Mila steckt in Kathy?

(lacht) Was soll ich da bloss sagen? 70 Prozent mindestens, vielleicht sogar 80 Prozent.

Mit Muskeln an Gewicht zuzulegen ist besser.

Kocht sie so gut wie Ihre Mutter?

Das kann man so sagen. Das Essen ist tipptopp.

Für einen Schwinger ist das Essen sicher sehr wichtig.

Schon. Ich muss immer schauen, dass ich das Gewicht halten kann.

Und doch achten Sie darauf, dass Sie sich gesund und nicht zu fettig ernähren.

Heute sind die Schwinger an der Spitze athletischer als früher. Es ist besser, mit Muskeln an Gewicht zuzulegen als mit Speck.

Sie haben als Metzger, Zimmermann und LKW-Fahrer gearbeitet: Können Sie inzwischen vom Schwingen leben?

Ich bin noch zu 60 Prozent als Chauffeur angestellt. Zudem bin ich finanziell am Fitnesszentrum S4Sports in Wilderswil BE beteiligt. Dort trainiere ich auch.

Sie könnten wahrscheinlich mehr mit Sponsoren verdienen, wenn Sie nicht so wählerisch wären. Für Alkohol oder Grossbanken, sagten Sie einst, würden Sie nicht werben wollen.

Man sollte sich schon gut überlegen, an wen man sich bindet. Ich bin sehr traditionell aufgewachsen, komme vom Land – und da gibt es Partnerschaften, die einfach besser zu mir und dem Schwingsport passen.

Was passt zu Ihnen und dem Sport?

Bodenständige Marken, schweizerische Wurzeln, gelebte Tradition.


DIE INFOGRAFIK

DER HOSENLUPF IN ZAHLEN

Zahlen und Fakten zum Eidgenössischen Schwingfest 2016
Zahlen und Fakten zum Eidgenössischen Schwingfest 2016

Die ganze Infografik zum Eidgenössischen Schwingfest (JPG, 1440 x 980 px)
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Infografik: Daniel Müller / Recherche: Andrea Freiermuth

Autor: Andrea Freiermuth