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06. Februar 2012

Schwellen- und stufenlos

Siedlungen wie «in buona compagnia» erlauben es älteren Menschen, rechtzeitig eine auf ihre Bedürfnisse optimierte Wohnform mit Nachbarn in derselben Situation zu finden. Andere möchten beim nächsten Umzug, dank Umbauten im Eigenheim oder kleinen Eingriffen in Mietobjekten 'bloss' ein möglichst altersgerechtes Wohnumfeld erreichen. Ein paar Tipps und weiterführende Links.

Altersgerechtes Wohnen
Altersgerechtes Wohnen heisst voraus planen

1. Die Lage: Zügelt jemand in eine neue Wohnung, ein Haus oder baut selbst neu, so stellt sich zuerst noch nicht die Frage, wie Wohnung, Schränke oder Badezimmer gestaltet sein sollen. Vorab geht es darum, wo das Objekt überhaupt liegt. Zuerst fährt man zumeist noch Auto, mit dem Alter nimmt aber vielleicht die Sehkraft, Reaktionsfähigkeit und anderes so weit ab, dass man darauf verzichten muss. Dann helfen sehr kurze Distanzen, die noch zu Fuss, mit Rollator oder Rollstuhl zurückzulegen sind, entschieden weiter. Gibt es einen (oder schon: meinen!) Arzt in nächster Umgebung? Wie steht es um einen grösseren Laden für Lebensmittel und andere alltägliche Verbrauchsgegenstände? Wie gut erreichbar leben die nächsten Freunde oder Verwandten?
Ebenso entscheidend ist die Anbindung an den öffentlichen Verkehr: Gelangt man schnell und ohne grössere Hindernisse zu einer Bahnstation, mindestens zu einer Bus- oder Tramstation?
2. Erreichbarkeit über alles: Ebenfalls noch vor den eigenen vier Wänden gilt es das (neue) Heim – oder die Pläne dafür - auf barrierefreie Zugänge zu prüfen: Hat das Gebäude einen vertrauenswürdigen Lift, falls man nicht bloss im Erdgeschoss lebt? Muss oder kann beim Einfamilienhaus zumindest später ein Lift ins Treppenhaus eingebaut werden? Fast selbstverständlich, dass es keine für Gehbehinderungen oder Rollstühle schwer zu überwindenden Absätze oder Stufen beim Hauseingang geben sollte.
3. Stolpersteine weg: Bekannt ist, dass Erhebungen wie Schwellen oder Absätze zwischen den Zimmern, besonders häufig beim Übergang ins Badezimmer, bisweilen aber auch zur Küche oder anderen Zimmern, zu beinahe unüberwindbaren Hindernissen werden, wenn Bewohner mit ernsteren Gehbehinderungen zu kämpfen haben. Darauf sollte beim Neubau oder der Wahl einer neuen Wohnung unbedingt geachtet werden. Bei kleineren derartigen Hindernissen lassen sich später auch Aufgänge installieren, die eine Wohnung rollstuhlgängig machen. Manchmal lassen sie sich gar zurückbauen. Abgeklärt haben sollte man dies jedoch möglichst im Vornhinein.
Noch wichtiger und oft vergessen beim Zügeln oder neu Bauen ab 50 Jahren gehen jedoch Türen und Durchgänge. Sind diese zu eng für Rollstühle, lassen sie sich in der Regel nicht einfach verbreitern. Das hat oft zur Folge, dass auf die Schnelle ein neues Heim her muss oder ein Platz in einem Alters- und Pflegeheim gefunden werden muss - in den Augen der Betroffenen eventuell verfrüht. Ein hoher Preis für vielleicht elegante und Raum sparende Durchgänge oder Türen mit unter 75 cm statt gegen einen Meter Breite.
4. Guter Halt in Badezimmer & Co.: Bei Neubauten für ältere Menschen ist es besonders wichtig, dass das Bad den Bedürfnissen für die Körperpflege vollauf nachkommt, selbst wenn die Bewegungsfähigkeit abgenommen hat. Dazu müssen sicher nicht lange im Voraus sämtliche Hilfsmittel eingebaut sein, doch ein geräumigeres Badezimmer mit vor allem einer gut erreichbaren Badewanne erleichtert später vieles. Fürs Festhalten beim Einstieg kann der eine oder andere Handlauf schon angebracht werden (die schaden auch ein paar Jahre, bevor sie unbedingt benötigt werden, nichts, respektive erhöhen die Sicherheit). Vor allem aber müssen sie später sinnvoll montiert werden können. Wie eine nicht verrutschbare Sitzgelegenheit eingefügt oder montiert werden könnte, ist ebenfalls vorab zu überlegen und abzuklären.
Weiter gibt es auch im Gang oder bei kleineren Hindernissen in der Wohnung Stellen, wo von Anfang an eingebaute oder zumindest gut später einzubauende Handläufe vorzusehen wären. Denn nicht in jedem Gebäude geht das bei jeder Wand (Mauer oder dünne Zwischenwand) problemlos.
5. Greifbare Haushaltsgegenstände: Speziell in der Küche, aber auch im Schlafzimmer, dem Bad oder der Stube lohnt es sich, funktional wichtige Vorrichtungen, Schränke und anderen Stauraum so einzuplanen, dass sie nicht allein Menschen mit einer Grösse von 1,8 Metern, sportlicher Konstitution oder langen Armen dienen. Gegenstände des täglichen Bedarfs sollten auch für kleinere Leute, solche mit Geh-Einschränkungen oder bestenfalls gar aus dem Rollstuhl in der Höhe erreichbar sein. Das stellt hohe Anforderungen ans Raumkonzept, und beim Einrichten des Haushalts auch im Detail ans Organisationstalent.
So weit nur die häufigsten Punkte, weitere Details zum alters- und barrierefreien Wohnen liefern die folgenden Links:
Zu baulichen und praktischen Aspekten
www.wohnenimalter.ch Die Bau-Richtlinien des Bundesamtes für Unfall BfU
AGE Fachberatung für altersgerechtes Wohnen (PDF)
www.hindernisfreibauen.ch
Links zu weiteren Wohnprojekten (wie in Bonaduz)
www.zukunftswohnen.ch Die Hausgemeinschaft Ruggaechern der ABZ
www.solinsieme.ch www.fuefefuefzg.ch www.wohnenimhirschen.ch www.gesewo.ch www.wohnstadt.ch

Autor: Reto Meisser

Fotograf: Siggi Bucher