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24. August 2015

Ist das Schweizer Wirtschaftswachstum vorbei?

Die Schweizer Wirtschaft leidet unter dem starken Franken. Schlittert unser Land demnächst in eine Krise?

Wirtschaftswachstum- und Baissephasen
Wirtschaftswachstum- und Baissephasen seit 1880 in der Schweiz.

Die Schweiz steckt mit grosser Wahrscheinlichkeit schon jetzt in einer Rezession. Gemäss Definition braucht es dazu zwei Quartale hintereinander mit einem negativen Wachstum. Von Januar bis März schrumpfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) bereits um 0,2 Prozent. Und im zweiten Quartal gab es wohl einen weiteren Rückgang (die Statistik wird am 27. August publiziert).

Über die wahre Verfassung unserer Wirtschaft sagen diese Quartalszahlen allerdings nur wenig aus. Zu viele kurzfristige Faktoren verzerren das Bild. Zum Beispiel treiben manche – im Prinzip schädliche – Faktoren das BIP wie bei einem Strohfeuer vorübergehend in die Höhe: etwa ein aufgeblähter Staat wie ehemals in Griechenland, eine Immobilienblase wie in Spanien oder die Abwertung der eigenen Währung wie aktuell in der Eurozone. So glänzte die griechische Wirtschaft noch im Jahr 2006 mit einem Wachstum von 6 Prozent.

Viel aussagekräftiger ist der langfristige Wachstumstrend eines Landes. In der Grafik (oben) sehen Sie den BIP-Anstieg der Schweiz als gleitenden Durchschnitt über zehn Jahre. Mit dieser geglätteten Darstellung können wir temporäre konjunkturelle Ausschläge, wie zurzeit wegen des überbewerteten Frankens, ausblenden.
Ausserdem zeigt die Grafik das BIP-Wachstum pro Kopf. Denn bei einem starken Bevölkerungswachstum (zum Beispiel wegen einer erhöhten Zuwanderung) wird der Wohlstand auf eine grössere Anzahl Menschen verteilt.

Aus der Grafik sehen wir: Die goldenen Boomzeiten der Nachkriegsjahre sind zwar vorbei. Und doch ist der Wachstumseinbruch hierzulande noch nicht dramatisch, während in Japan und der Eurozone bereits von einem «verlorenen Jahrzehnt» gesprochen werden muss.
Tatsache ist: Kaum ein anderes Industrieland hat die Finanzkrise besser überstanden als die Schweiz.

Für etliche Länder der Eurozone dagegen hat die Rückkehr zu höheren Wachstumsraten eine existenzielle Bedeutung. Nur so können sie ihre akuten Probleme in den Begriff bekommen, namentlich die Staatsschulden, die Arbeitslosigkeit und die Stabilität der Sozialwerke.
Die Schweiz steht bei diesen Kriterien hervorragend da. Somit kann sie eine vorübergehende Konjunkturdelle viel besser verkraften. 
Aktuell auf Blog.migrosbank.ch: Unser Ländervergleich zeigt, wie gut die Schweiz die Finanzkrise gemeistert hat.

Autor: Albert Steck