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08. April 2013

Schweizer Städte zu Fuss kennenlernen

Weitere Kurzwanderungen für Neuentdecker von Ost nach West durch den einen oder anderen grossen Ort im Mittelland. Ausgangspunkt ist jeweils der Bahnhof.

ZÜRICH:In Zürich waren die meisten Schweizer, die ausserhalb der Agglomeration der Limmatmetropole leben, schon einmal. Meistens in zwei bis drei der grossen Warenhäuser an der Bahnhofstrasse, am Limmatquai vielleicht in einem Café und am Ende am See beim Bellevue.
Speziell für sie eignet sich die folgende Stadtwanderung mit einigem Grün und architektonischen Zeitreisen bis zur Gegenwart:
Vom Bahnhof wählt man den Ausgang südwestlich (nicht am Kopf der Gleise, sondern durch die Unterführung bei der Bahnhofseinfahrt) und läuft an der renovierten Sihl-Hauptpost und danach dem Eingang zu den neuen Einkaufshallen vorbei über die Brücke und zum ersten sympathischen Strassenkaffee. Weiter geht es grundsätzlich östlich am Sihlufer entlang, vorbei an der Reithalle mit Restaurant und Theater sowie der Gessnerallee (mit gleichem Angebot). Auf abwechslungsreichen Abschnitten mit direktem Seezugang, älteren und neueren Siedlungsgebieten udn am Ende einem lauschigen Wander- udn Veloweg zwischen Fluss und Waldsaum erreicht man das seit ein paar Jahren eröffnete Einkaufszentrum Shilcity. Kurz davor wechselt man die Flussseite. Die ausladende Architektur, die markanten Brücke, darunter ein bis zwei künstlerische Eingriffe (Roman Signer) und viel Grün auf der anderen Sihlseite ergeben eine eigenartige Spannung.
Zur Entspannung fährt man mit dem Tram 13 bis zum Triemli, wo man links den Hang hinauf Richtung Üetliberg wandert und dort zur Unterstützung einkehrt. Die Aussicht entschädigt für den Effort der geleisteten Höhenmeter.

AARAU:Der Kantonshauptort einer in Sachen Landschaft (wie auch Dialekt) auf den ersten Blick unscheinbaren, aber sehr vielseitigen Region präsentiert sich ... genauso unscheinbar wie attraktiv auf den zweiten Blick. Das hat den Vorteil, dass man lauschige Wohnquartiere, eine grosszügige Einkaufsstrasse, Natureinsprengsel und anderes mehr in einem gut einstündigen Spaziergang entdecken kann:
Auch im Aarauer Bahnhof nehmen wir den Hinterausgang und laufen über die Frey-Herosé-, einen kurzen Abschnitt der Bach-, die Augustin-Keller-Strasse und den Gönhardweg bis zur Abzweigung in die Hallwylerstrasse. Nach Überqueren der markanten Entfelderstrasse verändert sich die Siedlung von Mischnutzung mit Betrieben und Wohngebäuden in ein kohärentes, mehrheitliches Wohnviertel. Wir biegen rechts in die Renggerstrasse und entdecken den idyllischen Friedhof Rosengarten, in Sachen Einbettung ins Quartier ein undramatisches Vorbild. Weiter geradeaus erreichen wir den Kunsthausweg und ennet der Bahnlinie mit dem Schanzrain, dem wir bis zum riesigen Kreisel folgen, die Fortsetzung der Bahnhofstrasse erblicken, eine einzigartig kuriose Mischung aus Industrietrash und Prachtsallee. Nun stechen wir die Hintere Vorstadt hinunter und biegen links auf den Graben ein. Über Ziegelrain, Asylstrasse, Stritengässli und Allmendweg gelangen wir an eine Kreuzung, wo wir statt der einladenden Schifflände die Schwimmbadstrasse wählen. Nun folgt rechts ein zweiteiliger Gang über die Aare (Süffelsteig) mit einer hübschen Zwischeninsel, am andern Ufer laufen wir auf dem Strässchen stadtauswärts bis zur ersten Abzweigung in die Erlinsbacherstrasse. Rechts nach wenigen Metern der befahrenen Traverse biegen wir in die Weinbergstrasse, auf der wir in einer Pirouette Richtung Osten bis zum Ende marschieren. Dort wartet eine Erfrischung im empfehlenswerten Restaurant Weinberg.

BASEL:Für Basel stellen wir einen noch etwas klassischeren längeren Spazierweg vor, der die hübschen Parks verbindet und am Rhein endet:
Sie verlassen den Basler SBB-Bahnhof auf der Rückseite, statt zur Seite mit dem Hauptplatz und den meisten Tramhaltstellen. So entdecken Sie das von Auswärtigen noch immer unterschätzte oder schlicht unbekannte Gundeldinger-Quartier ('Gundeli') mit seiner hübsch zusammenhängenden, um die 100-Jahre alte Bausubstanz. Durch die Solothurner- und rechts die Gundeldingerstrasse gelangen Sie vorbei am St. Margrethenpark (winters mit der Eisbahn) über das Dorenbachviadukt zum Zoologischen Garten. Wer hier nicht läner innehalten und Eintritt bezahlen will (viele halten den Basler 'Zolli' für den am schönsten ins Stadtbild integrierten Schweizer Zoo), läuft an der Seite weiter bis zum Schützenmattpark, einem der geheimen Zentren des sozialen Lebens in der Rheinmetropole (jedenfalls im Sommerhalbjahr). Der letzte Abschnitt verläuft auf der gleichnamigen Strasse bis zu einer der ältesten Universitäten der Welt und über Petersgraben und Blumenrain, vorbei am Luxushotel Les Trois Rois, an den Fluss. Wer noch mag, überquert ihn und erkundet eine Weile auf gut Glück Kleinbasel mit seienr Multikulti-Welt und ebensolchen Food- und Ladenangeboten.

SITTEN:In der mehrheitlich französischsprachigen Hauptstadt des Wallis gibt es für Erstbesucher kaum eine Alternative zur Altstadt und den berühmten Hügeln. Offen ist höchstens, welchen 'Anlauf' man wählt:
Vom Bahnhof richtet man die Schritte erst leicht weg vom Zentrum, links auf der Cour de la Gare, ein Stückchen auf der Avenue de Tourbillon und dann länger auf der Einfallsachse Avenue de France bis zur Abzweigung rechts in die Rue des Erables und über die Avenue de Lausanne in die Rue des Amandiers. Darauf zweigt man rechts in den Chemin des Collines ab und gelangt in dieser Quartierstrasse immer näher ans Zentrum und die Altstadt, bis man auf der halb belebten, halb zum Innehalten einladenden Place de la Planta steht. Es folgt die Erkundung der Altstadt über die Rue de Conthey und die Rue des Châteaux bis hinauf zu den Hügeln. Bleibt nur die Entscheidung, ob man am Ende der Strassenschlaufe nun erst den Weg Richtung Valère (rechts) oder jenen mit dem Ziel Tourbillon unter die Füsse nimmt.

LAUSANNE:Die Waadtländer Metropole, die mit vielen verschlafenen Ecken und alteingesessenen Bewohnern trotz grosser Studentenszene und einer Vielzahl an innovativen Unternehmen im Dienstleistungssektor alles andere als wie eine 'Capitale' daherkommt, bietet ein atemberaubendes Auf und ab. DIes gilt es unbedingt mit einem Durchstich von unten (Seeufer des Lac Léman) bis in die Wälder am Nordende zu erleben:
Am Anfang steht wegen der Länge des Vorhabens die hübsche alte Metrolinie vom Hauptbahnhof (bloss zuerst den grossen Bahnhofplatz überqueren). Mit ihr gehts hinab nach Ouchy. Dort geniesst man den einzigen Schweizer See neben dem Bodensee mit grosszügiger Weite, bewegt sich dann hinauf durch die Avenue de la Harpe und links weg in die Avenue de Cour bis zum wohl schönsten der kleinen Parks der Stadt: de Milan. Auf dem Hügel blickt man genial auf den See und rückwärts den Hügel hinauf (an Sonntagen und in den Ferien hats gelegentlich fast zu viel Besucher). Weiter gehts bis zur Bahnhofunterführung (William-Fraisse) und die Hauptstrasse Louis Ruchonnet bis zur Avenue de Savoie. Nach ein paar Schritten gelangt man nach dem verwinkelten (Parc de Milan) zum grosszügig flachen Montbenon-Park mit hübscher Anlage und Schlossbau. Weiter wandern wir zur Abwechslung auf gleicher Höhe weiter über den Pont Chauderon, rechts vorbei am Stadt-prägenden Turm der Assurance Genevoise durch die Fussgängerzone der Rue Haldimand zur Place Riponne und weiter auf der Rue du Tunnel hinauf zur Avenue Louis-Vuillemin. So erreicht man nach dem ebenfalls lohnenden Ermitage-Park über die Route du Signal und den Chemin des Chocolatières den Sauvabelin-Wald mit dem gleichnamigen Seelein. Die Stadt ist hier so weit weg wie nirgends auf dem Üetliberg oder dem Berner Gurten.

Für die Kartenansicht reicht in allen Fällen eine beim Tourismusbüro aufliegende Stadtkarte oder das Konsultieren von http://maps.google.ch

Autor: Reto Meisser