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12. August 2013

Schweizer Nati im Abseits

Die Fussballer der Schweizer Nationalmannschaft haben die Vorteile von Facebook und Twitter noch nicht entdeckt und stehen neben den Schuhen. Immerhin gibts zwei positive Ausnahmen.

Facebook-Fans und Twitter-Follower von Schweizer Nationalspielern
Visualisiert: Facebook-Fans und Twitter-Follower von Schweizer Nationalspielern.

Über drei Millionen Schweizerinnen und Schweizer sind bei Facebook registriert – im Schnitt eine Person pro Haushalt. Viele Sportler, Musiker und sogar Politiker lassen es sich nicht nehmen, über das soziale Netzwerk engen Kontakt zu ihren Anhängern oder Fans zu halten und Einblicke in ihren persönlichen Alltag zu geben. Die besten Schweizer Fussballer halten sich aber noch merklich zurück. Einzig die beiden Aushängeschilder Gökhan Inler und Xherdan Shaqiri geben auch auf Facebook Vollgas.

Wirklich aktiv ist keiner von ihnen – weder auf dem einen noch dem anderen Netzwerk. Bei Facebook kommen Inler und Liechtsteiner in den letzten 30 Tagen auf 24 bzw. 21 Einträge. Vom Rest erfahren die Fans im besten Fall jeden dritten Tag etwas und müssen sich im schlechtesten einmal im Monat oder noch weniger damit begnügen. Zu den geheimnistuerischen Kandidaten gehören Diego Benaglio, Steve von Bergen und Johan Djourou. Bei Twitter sind Valon Berahmi und Gökhan Inler die fleissigsten mit 1080 bzw. 800 Tweets. Johan Djourou und Xherdan Shaqiri begnügen sich mit 500 bzw. 125 und Stephan Lichtsteiner gar nur mit 27 Nachrichten.

Dabei müssen die Spieler das Smartphone gar nicht in die Hand nehmen. Die Betreuung von Websites und Facebook- sowie Twitter-Accounts gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben eines Beraters, erklärt Dino Lamberti – in der Schweiz der berühmteste seiner Gilde – im Interview (eigener Beitrag). Es darf deshalb davon ausgegangen werden, dass die wenigsten Einträge auf den Profilen der Fussballprofis aus der eigenen Feder stammen. Vielmehr übernimmt das eine professionelle Agentur, wie das zum Beispiel im Falle von Shaqiris Facebook-Seite auch offen deklariert ist . Trotzdem freuen sich Fans von Spielern auf Eindrücke aus dem Training, der Kabine oder von der letzten Reise zum Auswärtsspiel, die sonst unzugänglich sind. Ein moderner Profi sollte diese Art der modernen Kommunikation unbedingt einsetzen. Auf dem digitalen Spielfeld sind heute noch viele Nationalspieler ungenügend.

Autor: Reto Vogt

Fotograf: Reto Vogt