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19. Januar 2015

Schweizer Mäzeninnen – Bewegte Frauen

In ihrem Buch «Mäzeninnen: Denken ‒ Handeln ‒ Bewegen» beleuchten Elisa Bortoluzzi Dubach und Hansrudolf Frey das Leben und Wirken von 20 engagierten Geldgeberinnen. Eine Auswahl.

Hortense Anda-Bührle
Hortense Anda-Bührle

Hortense Anda-Bührle, Zürich (gestorben 16. Mai 2014)
Die Tochter des Grossindustriellen Emil Georg Bührle steigt nach dem frühen Tod des Vaters 1956 als 30-Jährige in den Verwaltungsrat des Familienunternehmens ein. 1960 macht die Konzernchefin zusammen mit ihrer Mutter Charlotte Bührle-Schalk und Bruder Dieter Bührle den grössten Teil der immensen Kunstsammlung ihres Vaters im Museum der Stiftung Sammlung E.G. Bührle öffentlich. Die Stifterfamilie trägt seither die Kosten für Pflege und Ausstellung. In Erinnerung an ihren Mann, den 1976 verstorbenen, berühmten ungarischen Pianisten Géza Anda, rief Hortense Anda-Bührle die Géza-Anda-Stiftung zur Förderung des Pianistennachwuchses ins Leben.
www.buehrle.ch
www.geza-anda.ch

Gisela Kutter, Basel
Gisela Kutter, Basel

Gisela Kutter, Basel
Als die Stadt Basel 1998 dringend ein neues Schauspielhaus braucht, geht die ausgebildete Modedesignerin diskret bei vermögenden Frauen auf Spendensammlung – über 20 Millionen Franken kommen zusammen. Die Mäzeninnen bleiben auf eigenen Wunsch hin bis heute anonym, nur das Gesicht von Gisela Kutter ist bekannt. Die Wahlbaslerin aus Süddeutschland wird durch diese Aktion Gründerin und Präsidentin der Stiftung Schauspielhaus Ladies First, die 2003 aufgelöst wird. 2000 erhält Gisela Kutter in Dänemark den Preis der europäischen Kulturstiftung «Pro Europa».

Janine Aebi-Müller (rechts)
Janine Aebi-Müller (rechts)

Janine Aebi-Müller, Bern
Ihr Vater Maurice E. Müller, Pionier der Osteosynthese und Hüftprothese, war der Visionär und Gründer des Zentrums Paul Klee. Gemeinsam mit ihm hat Janine Aebi-Müller das Kindermuseum Creaviva ins Leben gerufen. Die Physiotherapeutin und Kunstpädagogin präsidiert auch dessen Trägerstiftung, die «Fondation Musée des Enfants auprès du Centre Paul Klee». Zudem ist sie Vizepräsidentin der Maurice E. and Martha Müller Foundation, der das Gebäude Zentrum Paul Klee samt Umgebung ­gehört, und Stiftungsrätin der Stiftung Zentrum Paul Klee. Nach dem Tod ihrer Eltern gründete sie die Tharice Foundation zur Förderung und Unterstützung von Musik und ästhetischer Bildung.
www.creaviva-zpk.org
www.tharicevirtuosi.ch

Renata Babini Cattaneo-Premoli
Renata Babini Cattaneo-Premoli

Renata Babini Cattaneo-Premoli, Lugano TI
Die Norditalienerin und Wahltessinerin ist Gründerin der Fondazione Uriele mit Sitz in Lugano. Diese errichtete zunächst ein Spital mit 50 Akutbetten im Dschungel von Bula im Norden des heutigen Kongos. Später realisiert die Stiftung eine Grundschule für 170 Kinder, eine angegliederte Schneiderei, die jährlich 30 Schneiderinnen ausbildet, sowie eine Buschschreinerei, wo Männer ins Schreinerhandwerk eingeführt werden − alles nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Babini Cattaneo-Premoli ist mindestens zweimal jährlich vor Ort.
www.fondazioneuriele.ch

Alicia Soiron, Basel
Alicia Soiron, Basel

Alicia Soiron, Basel
Die Architektin und Kunsthistorikerin zählte zu den treibenden Kräften hinter dem Basler Kulturzentrum Unternehmen Mitte und dem Quartierzentrum Gundeldingerfeld auf der ehemaligen Industriebrache der Sulzer-Burckhardt AG. Neben vielseitigen anderen Mandaten ist die zweifache Mutter und sechsfache Grossmutter heute vor allem in der gemeinnützigen Ackermannshof AG engagiert. Der historische, subtil renovierte Basler Gebäudekomplex ist ein Kreativort und vereint Kunst, Musik, Architektur, Wissenschaft, Philosophie und Gastronomie und fördert den Austausch zwischen Kultur und Wirtschaft. Alicia Soiron und ihr Ehemann, Topmanager Rolf Soiron, wurden 2011 für ihr kulturpolitisches Engagement mit dem Basler Stern geehrt.
www.ackermannshof.ch

Hilde Schwab
Hilde Schwab

Hilde Schwab, Genf
1970 zieht die Aargauer Kauffrau und Kongressorganisatorin nach Genf. Zuerst arbeitet sie für Klaus Schwab, dann heiratet sie ihn, wird Mutter von zwei Kindern. Lebenswerk des Ehepaars ist das World Economic Forum (WEF) in Davos. 1998 lancieren Hilde und Klaus Schwab die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship und bauen ein weltumspannendes Netzwerk auf. Ziel: das soziale Unternehmertum fördern. Als Vorsitzende der Stiftung organisiert Hilde Schwab unter anderem den Preis «Social Entrepreneur of the Year».
www.schwabfound.org

Mirjam Staub-Bisang
Mirjam Staub-Bisang

Mirjam Staub-Bisang, Zürich
2009 wird die Vermögensverwalterin und ausgebildete Rechtsanwältin vom World Economic Forum zum «Young Global Leader» ernannt. Kurz darauf stellt sie die Stiftung MBA for Women Foundation auf die Beine. Die dreifache Mutter hat selbst erlebt, wie ein Master of Business Administration (MBA) der renommierten Business-School Insead (ursprünglich für Institut Européen d’Administration des Affaires) Türen öffnen kann. Die Stiftung gewährt jungen Frauen Stipendien und/oder ein Darlehen für ein MBA-Studium an der Insead oder einer vergleichbaren Schule.
www.mbaforwomen.org

Carolina Müller-Möhl
Carolina Müller-Möhl

Carolina Müller-Möhl, Zürich
Die Unternehmerin und Politologin hat über zwölf Mandate als Verwaltungs-, Stiftungs- und Beirätin inne, zum Beispiel bei der «NZZ» oder der Bertelsmann Stiftung. Vor bald drei Jahren lancierte die Mutter eines Sohns die Müller-Möhl Foundation, der sie als Präsidentin vorsteht. Die Stiftung versteht sich als Plattform für gelebtes, engagiertes und liberales Bürgertum. Sie fokussiert auf Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Standortförderung Schweiz. In diesen Bereichen ist die Stiftung nicht nur fördernd, sondern auch operativ tätig.
www.mm-foundation.org

Bilder: Keystone (3), Marc Waymel, André Springer, Ursula Markus, PD/zVg


PODIUMSDISKUSSION
«Weibliches Mäzenatentum als Chance für die Zivilgesellschaft», mit den Autoren Elisa Bortoluzzi Dubach und Hansrudolf Frey sowie Mäzenin Marlies Kornfeld und Andrea Bignasca.
Mittwoch, 28. Januar, 19 Uhr, im Literaturhaus Basel
www.literaturhaus-basel.ch

Autor: Franziska Hidber