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21. Oktober 2013

Literatur in der Schweiz: Die nächste Generation

Die Buchhändler ächzen: Vom literarischen Schreiben lässt sich kaum leben. Trotzdem gibt es in der Schweiz plötzlich einen Literaturnachwuchs, der diesen Namen verdient – das zeigt sich auch in den Nominationen des diesjährigen Buchpreises. Was ist passiert?

Fotomontage Buchcover mit Lesezeichen, auf denen die Nachwuchsautoren abgebildet sind
Die fünf Nominierten für den Schweizer Buchpreis haben 
an der Frankfurter Buchmesse ihr Schaffen präsentiert.

Zu dritt sitzen sie auf ihren harten Stühlen und lesen gegen den rauschenden Lärm an. Es ist Buchmesse in Frankfurt, und drei der Nominierten für den Schweizer Buchpreis, der am 27. Oktober im Rahmen der BuchBasel verliehen wird, sind vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband ­eingeladen worden, ihre Werke zu präsentieren. Sie heissen Jonas Lüscher, Jens Steiner und Henriette Vásárhelyi. Tags zuvor waren es die beiden anderen Nominierten Ralph Dutli und Roman Graf, die eine Kostprobe ihres Schreibens gaben. Die gestandenen Schriftsteller Urs Widmer, Peter Stamm und Alex Capus tauchen nicht auf der Shortlist auf, was im Fall von Urs Widmer in Kritikerkreisen für gewisse Unruhe gesorgt hat, weil sein neustes Werk, seine Autobiografie, eines seiner stärksten Bücher sei und weil von den nominierten Werken jedes entweder ein Erstlingswerk oder ein Zweitling ist, die Autoren mehrheitlich unbekannt. Wird in der Schweizer Literatur also gerade der Stab weitergereicht? Hat Melinda Nadj Abonji 2010 mit ihrem auch in Deutschland grossen Erfolg einer neuen Generation die Türen aufgestossen?

«Reine Strategie», sagt die Kritikerin Pia Reinacher, die selber schon in vielen Jurys sass, zur diesjährigen Buchpreis-Shortlist, «man entschied sich für neue, jüngere Namen.» Die Sprecherin der Buchpreis-Jury, Christine Lötscher, verneint vehement, dass dies Strategie gewesen sei: «Klar haben wir uns gefreut, dass so viele Junge dabei sind, und wir haben uns bewusst aus Begeisterung für die lebendige und experimentierfreudige junge Schweizer Literatur entschieden. Aber nicht aus strategischen Gründen! Wir sind fasziniert von diesen starken jungen Stimmen, die etwas Eigenes suchen.»

Dem Gewinner ist Platz eins auf den Bestsellerlisten fast sicher

Ganz so jung sind die Nominierten indes gar nicht: Mit Roman Graf ist der Jüngste schon 35. Aber tatsächlich gebe es eine lebendige und vielseitige jüngere oder besser gesagt neuere Generation von Schreibenden, sagt der Bündner Autor Arno Camenisch, der mit «Sez Ner» bekannt wurde. Er veröffentlichte seither praktisch im Jahresrhythmus einen neuen Roman und kann auch dank vieler Lesungen vom Schreiben leben. Nominiert für den Buchpreis war er nie. Er nennt die Spoken-Word-Szene, aber auch das Schweizerische Literaturinstitut in Biel als Bewegungen und Orte, die inspirieren und etwas bewirken. Beides gibt es in der Schweiz noch nicht lange, das Literaturinstitut erst seit 2006.

Der noch jüngere Buchpreis verleiht dem Nachwuchs nun zusätzlich Schub: Gemäss Daniel Landolf vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband ist noch jeder Roman, der den Preis gewonnen hat, auf Platz eins der Bestsellerliste vorgerückt. Allerdings für unterschiedlich lange Zeit.

Wie nachhaltig ist dieser Preis, der vom Buchhandel vergeben wird? Man weiss es noch nicht. Pia Reinacher ist angesichts «täglich schrumpfender Feuilletons» aber bereits skeptisch: «In der öffentlichen medialen Wahrnehmung haben die Autoren heute krasser denn je an Bedeutung verloren. Schriftsteller werden als ‹Einzelereignisse› für einen Tag lanciert und verschwinden sogleich wieder aus den Medien. Eine Orientierungshilfe für den Durchschnittsbürger bieten sie schon lange nicht mehr», sagt die Kritikerin.

Aber nur negativ sieht sie die Entwicklung in der Schweizer Literaturszene nicht: «Die jüngeren Autoren sind europäisch geworden, sie reisen viel, wohnen auch im Ausland und haben damit einen weiteren Blickwinkel.» Tatsächlich wohnen drei der vier nominierten Schweizer in Deutschland und die Deutsche in der Schweiz. Und die Bücher behandeln Themen, die anderswo spielen oder — fast — überall spielen könnten.

Jens Steiner interessieren philosophische Fragen.
Jens Steiner interessieren philosophische Fragen. (Bild: Marc Wetli)

Jens Steiner: Der Analytische

Jens Steiner hat Germanistik, Philosophie und vergleichende Literaturwissenschaft studiert, er arbeitete als Lehrer und Verlagslektor.

Jens Steiner, in Ihrem Buch herrscht eine beklemmende Stimmung, eine zähe, teilweise ätzende Trägheit. Wie sind Sie zu dieser Grundstimmung gelangt?

Diese Stimmung ermöglichte es mir, dem Ort und seinen Menschen «philosophisches Futter» zu geben. Der groteske Wohlstand in diesem Land und die Selbstbespiegelungssucht, die allzu oft daraus folgt, bieten kaum Material für philosophische Fragen — und die interessieren mich nun mal.

Sie haben Verschiedenes studiert, unter anderem vergleichende Literaturwissenschaft. Sind das die besten Voraussetzungen, um ein tiefgründiges, gescheites Buch zu schreiben?

Keineswegs. Der akademische Blick auf das Leben und die Gesellschaft ist nicht unbedingt ein ganzheitlicher Blick. Gute Autoren brauchen in erster Linie Freude an der Sprache und am Denken.

Was bedeutet die Buchpreis-Nomination, wie wichtig ist sie für Sie, Ihren weiteren Werdegang?

Ich könnte sicher auch ohne Buchpreis-Nomination gut weiterarbeiten. Aber jetzt, wo sie da ist, profitiere ich gerne von ihrer Wirkung.

Jens Steiner, «Carambole», Dörlemann, 221 Seiten, www.jenssteiner.ch

Porträtbild Jonas Lüscher
Jonas Lüscher will für andere Schicksale sensibilisieren. (Bild: Laif/Isolde Ohlbaum)

Jonas Lüscher: Der Philosoph

Die Finanzwelt kollabiert, Chaos und Barbarei brechen aus — und der Schweizer Fabrikerbe Preising schaut einfach zu, in Tunesien, wo er gerade auf Geschäftsreise ist. Dieses Zuschauen und Nichthandeln ist das, was den aus Bern stammenden Jonas Lüscher zur gefeierten Novelle «Frühling der Barbaren» inspiriert hat.

Der 37-Jährige ist mit einer Schauspielerin verheiratet und lebt seit 13 Jahren in München, wo er zunächst als Stoffentwickler in der Filmwirtschaft tätig war, dann Philosophie studierte. Er pendelt derzeit wöchentlich nach Zürich, wo er an der ETH doktoriert. Für Aufmerksamkeit sorgte der kritische Denker auch mit einem 1.-August-Essay dieses Jahr, in dem er zu bedenken gab, dass direktdemokratische Mehrheitsentscheide auch unanständig sein können. Als Beispiele nannte er das Nein der Appenzell-Innerrhoder zum Frauenstimmrecht 1990 und jüngst die Ausschaffungs-Initiative.

Jonas Lüscher, dem Buchhandel geht es nicht sehr gut und literarisches Schreiben bietet kaum ökonomische Sicherheit. Das scheint Sie nicht abzuschrecken …

Ja, ökonomische Gründe sind für mich, wenn es irgendwie möglich ist, nicht entscheidend, etwas zu tun oder zu lassen.

Was braucht es, um von den Verlagen bemerkt zu werden?

Im meinem Fall war es sehr hilfreich, dass ich von einer renommierten Agentur vertreten werde. Ein guter Agent weiss, mit welchem Manuskript er an welchen Verlag treten muss, und der Lektor nimmt ein Manuskript ganz anders in die Hand, wenn es von einem renommierten Agenten kommt. Das verschiebt allerdings nur die Frage: Was braucht es, um in eine gute Agentur zu kommen? Ein gutes Manuskript und Glück — meist in Form der richtigen Kontakte.

Weshalb braucht es Literatur?

Weil sie uns für das Leiden, den Schmerz und die Demütigung anderer sensibilisiert, weil wir dadurch fremde Menschen als «einen von uns» und nicht mehr als «einen von jenen» begreifen und weil sie uns darauf aufmerksam machen kann, wie wir selber Schmerz, Leid und Demütigung verursachen. So hat es der Philosoph Richard Rorty beschrieben. Aber das ist nur eine von vielen möglichen Antworten.

Jonas Lüscher, «Frühling der Barbaren», C.H.Beck, 125 Seiten

Porträtbild Henriette Vásárhelyi
Henriette Vásárhelyi kämpfte für ihre Buchidee. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Henriette Vásárhelyi: Die Stille

Eine Frau und ein Mann verbringen Tage am Meer, es könnten schöne Tage sein. Aber die Frau, Eva, ist in Gedanken ganz woanders, nämlich bei ihrem geliebten Freund Jan, der nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. Um diese tiefe Trauer, über die Eva mit anderen Menschen nicht sprechen kann, geht es im Romandebüt «immeer» der 35-jährigen Henriette Vásárhelyi. Oder wie sie in eigenen Worten sagt: «Mir ging es darum, die Trauer darzustellen.»

Die Autorin ist in Ostdeutschland aufgewachsen und lebt heute mit ihrer Familie in Biel. Sie hatte sich zunächst zur IT-Systemkauffrau ausbilden lassen, absolvierte später ein Studium am Leipziger Literaturinstitut und macht aktuell den Master an der Hochschule der Künste in Bern.

Henriette Vásárhelyi, in Ihrem Buch geht es um Trauer und darum, ihr Raum zu geben. Weshalb dieses Thema?

Es betrifft uns alle, mal früher, mal später. Mich hat sie schon einige Male getroffen, sodass ich dachte: Bin ich jetzt eine Zurückgebliebene? Ich musste diesen Text machen.

Literarisches Schreiben bietet keine Sicherheit. Sind Sie einfach sehr mutig, oder weshalb sind Sie Schriftstellerin geworden?

Ich brauche etwas anderes als eine romantische Schreibsituation und kann mich den Verhältnissen nicht entziehen. Ich arbeite auch jetzt, wenn auch nur wenig, neben Studium und Familie und versuche, mir eine berufliche Zukunft aufzubauen, deren Einkünfte mich auch ernähren. Dabei stosse ich an Grenzen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die sich mit den mir aus Deutschland bekannten vergleichen lassen, aber doch auch deutlich unterscheiden.

Was bedeutet Ihnen die Buchpreis-Nomination, wie wichtig ist sie für Ihren Werdegang?

Die mit der Buchpreis-Nomination verbundene Aufmerksamkeit für «immeer» macht mich froh. Ich kämpfte lange für dieses Buch und verschickte sehr viel Post, bevor die Jury des Studer-Ganz-Preises sich für das Manuskript entschieden hatte. Die Auswirkungen für die Zukunft kann ich nicht absehen. Ich versuche, darauf zu achten, dass mir das Schreiben nicht abhanden kommt.

Was braucht es, um von den Verlagen bemerkt zu werden?

Geduld, Zeit, Geduld.

Henriette Vásárhelyi, «immeer», Dörlemann, 191 Seiten, www.dimace.de

Porträtbiild Roman Graf
Für Roman Graf ist Schreiben das, was ihn erfüllt. (Bild: Stefan Kubli)

Roman Graf: Der Ernste

Der aus Winterthur stammende und in Berlin lebende Roman Graf ist mit Jahrgang 1978 der Jüngste unter den diesjährigen für den Schweizer Buchpreis nominierten Schriftstellern. Der Roman «Niedergang» ist nicht sein Erstlingswerk, das war «Herr Blanc», das zumindest thematisch sehr gut in die diesjährige Auswahl gepasst hätte: Menschen, Schweizerinnen und Schweizer, die lauern, zusehen, stoisch ruhig und unbeweglich bleiben.

Roman Graf blickt aus einem schmalen Gesicht mit halblangen, geraden Haaren ernst in die Kameras, nie würde man vermuten, dass er ausgebildeter Forstwart ist. Nach weiteren Stationen studierte er am Leipziger Literaturinstitut. Er nahm sich für sein aktuelles Werk den Berg vor, als zu besteigende, nicht ungefährliche Erhebung. Die Geschichte soll auch eine Parabel sein, sagt er. Und lässt im «Niedergang» die Geliebte in die Niederungen entgleiten, während der Held stolz und verletzt weiter aufwärtsgeht.

Roman Graf, literarisches Schreiben bietet kaum Sicherheit, trotzdem sind Sie Schriftsteller geworden. Weshalb?

Wohlstand ist mir nicht das Wichtigste. Es geht doch viel mehr darum, sich zu überlegen, was man mit dem einen Leben, das einem zur Verfügung steht, anstellen will. Was einen erfüllt. In meinem Fall ist es das Schreiben und die Beschäftigung mit Texten. Auch war für mich schon früh klar, dass Schreiben eine Möglichkeit ist, Dinge zu ordnen.

Sie haben am Leipziger Literaturinstitut studiert. Der Verleger Egon Ammann sagte einst, um Künstler zu werden, müsse man ins Leben gehen, nicht in die Schule.

Man braucht Lebenserfahrung, das ist richtig. Aber man braucht auch die intensive Auseinandersetzung mit Literatur. Über Texte sollte man sprechen; man muss ein Gefühl entwickeln, für Sprache, Situationen und vieles mehr. Das Literaturinstitut ist weniger mit einem Schulbetrieb als mit literarischen Salons von früher zu vergleichen.

In der Schweiz heisst es immer mal wieder, Künstler würden zu sehr mit öffentlichen Geldern gefördert. Wie sehen Sie das?

Als Künstler ist die finanzielle Unsicherheit gross. Man muss sich ständig um Stipendien bewerben und weiss nie, ob man etwas erhält oder nicht. Anders die Bauern, die mit einer bestimmten Summe vom Staat rechnen und somit planen können. Deshalb bin ich für das bedingungslose Grundeinkommen.

Roman Graf, «Niedergang», Knaus, 205 Seiten, www.romangraf.ch

Ralph Dutli Porträtbild
Ralph Dutlis erster Roman ist lange gereift. (Bild: Picture Alliance/Marc Tirl)

Ralph Dutli: Der aus dem Vollen schöpft

Kennern russischer Literatur und Liebhabern von Gedichten ist der Name Ralph Dutli schon lange ein Begriff. Der bald 60-Jährige hat die Werke des russisch-jüdischen Dichters Ossip Mandelstam übersetzt sowie eine umfassende Werkbiografie über ihn geschrieben. In den letzten zehn Jahren veröffentlichte der gebürtige Schaffhauser zahlreiche weitere Bücher: Lyrik, Essays, Hörbücher und Kulturgeschichten zum Olivenbaum und der Biene.

«Soutines letzte Fahrt» ist sein erster Roman, und prompt fand er sich damit diesen Herbst sowohl auf der Longlist des Deutschen als auch auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises wieder. Dutli entführt die Lesenden ins von den Nazis besetzte Frankreich, und ganz nah zum weissrussisch-jüdischen Maler Chaim Soutine, der an einem schlimmen Magengeschwür leidet und in einem Leichenwagen versteckt in ein Pariser Spital gefahren wird. Die Geschichte selber wird zum bild- und sprachgewaltigen Kunstwerk, das einen unangestrengt eine Menge über Kunst und Geschichte lehrt.

Ralph Dutli, Sie sind als Mandelstam-Übersetzer und Lyriker bekannt. Weshalb haben Sie mit bald 60 Jahren noch einen Roman geschrieben? Oder anders gefragt: Weshalb haben Sie nicht schon viel früher einen Roman geschrieben?

Prosa habe ich immer geschrieben, aber auch mal etwas in der Schublade gelassen. Der jetzige Roman «Soutines letzte Fahrt» ist lange gereift. Der Stoff verlangte nach der Form, diesmal konnte es nur ein Roman sein, samt seiner Dramatik und Musikalität. Lieber spät als nie.

Was braucht es, um von den Verlagen bemerkt zu werden?

Talent und originelle Themen, einen eigenen Stil, eine lebendige Sprache, Beharrlichkeit. Ich habe immer Verlage für meine Sachen gefunden, auch weil ich nie auf den Markt geschielt habe. Irgendwann fällt auch Licht auf die Nischen — wenn man genügend Geduld aufbringt.

Was braucht es, um von Kritikern anerkannt zu werden?

Das Eigene beharrlich weiterverfolgen, sich von Tiefschlägen nicht aufhalten lassen, weder Schlaflosigkeit, schiere Verzweiflung noch Armut fürchten und fröhlich-stur bei der Sache bleiben.

Weshalb braucht es Literatur?

Um das rohe Leben genauer ins Auge zu fassen, das Schreckliche wie das Schöne. Jedes gute Buch ist eine neue Brille.

Ralph Dutli, «Soutines letzte Fahrt», Wallstein Verlag, 270 Seiten, www.ralph-dutli.de

Auf dem Weg nach oben

Melinda Nadj Abonji Porträtbild
Melinda Nadj Abonji erzählt von Migration und Integration.

Melinda Nadj Abonji (45): Schon im Norden Serbiens, wo Melinda Nadj Abonji ihre ersten Lebensjahre verbrachte, gehörte ihre ungarisch-stämmige Familie einer Minderheit an. Die Familie übersiedelte an die Zürcher Goldküste und übernahm ein Café. Nadj Abonji erzählt in ihrem autobiografisch gefärbten Roman «Tauben fliegen auf» von Migration und Integration, sie gewann damit 2010 sowohl den Schweizer als auch den Deutschen Buchpreis www.masterplanet.ch

Dorothee Elmiger Porträtbild
Dorothee Elmiger ist Absolventin des Schweizerischen Litertaurinstituts in Biel. (Bild: Keystone)

Dorothee Elmiger (28): Die junge Absolventin des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel wurde 2010 schlagartig bekannt, als sie in Klagenfurt aus ihrem ersten Roman «Einladung an die Waghalsigen» las und prompt den zweiten Bachmannpreis (Kelag-Preis) gewann. Ausserdem wurde sie im selben Jahr für den Schweizer Buchpreis nominiert. Heute führt sie in Berlin ihr Studium der Politikwissenschaften fort.

Lukas Bärfuss (42). Zuerst machte er sich mit der Theatergruppe 400Asa einen Namen, dann mit einem Roman: In «Hundert Tage» befasst sich der gebürtige Thuner, der heute in Zürich lebt, mit dem Völkermord in Ruanda und der Rolle der Entwicklungshilfe. Bärfuss hat unter den heutigen Intellektuellen wohl einen der untypischsten Werdegänge. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt und ist unter anderem Dozent am Literaturinstitut in Biel.

Arno Camenisch (35): Aus einer engen Talortschaft in der Bündner Surselva via Chur und die weite Welt nach Biel ans Literaturinstitut und von dort ins erfolgreiche Schriftstellerdasein, so Camenischs Werdegang in Kürze. Er ist mit Pedro Lenz und anderen Mitglied der Spoken-Word-Gruppe «Bern ist überall». www.arnocamenisch.ch

Catalin Dorian Florescu Porträbild
Nebst vielen anderen Auszeichnungen erhielt Florescu 2011 den Schweizer Buchpreis. (Bild: Keystone)

Catalin Dorian Florescu (46): Als 15-Jähriger mit den Eltern aus Rumänien in die Schweiz geflüchtet, studierte Florescu später an der Universität Zürich unter anderem Psychologie und wurde psychotherapeutischer Begleiter von Drogenabhängigen. Parallel fing er an zu schreiben. Nebst vielen anderen Auszeichnungen erhielt Florescu 2011 den Schweizer Buchpreis. Er lebt in Zürich und tourt lesend durch halb Europa. www.florescu.ch

Daniel Mezger (35): Die Sehnsüchte der Städter nach dem Leben auf dem Land – der 35-jährige Zürcher Daniel Mezger hat sich ihrer angenommen und erzählt in seinem Romandebüt in ganz eigener, schöner Sprache, wie sich die ersehnte Idylle in ihr Gegenteil verwandeln kann. Mezger ist auch Theater- und Filmschauspieler sowie Musiker. Am Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb in Klagenfurt schaffte er es 2010 unter die ersten sieben. www.danielmezger.ch

Thomas Meyer Porträtbild
Thomas Meyer arbeitet derzeit an seinem zweiten Roman. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Thomas Meyer (39): Der Zürcher Schriftsteller und Werbetexter veröffentlichte 2012 «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse». Der Roman war für den Buchpreis nominiert und schaffte es als bisher einziges Buch, das nicht gewann, auf Platz 1 der Bestsellerliste. Meyer arbeitet an seinem zweiten Roman. www.herrmeyer.ch

Autor: Esther Banz