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27. August 2015

Schweizer Booking.com-Konkurrenz

Michael Maeder (45) ist seit Februar 2012 Geschäftsführer der STC Switzerland Travel Centre AG, die in Zürich 50, in London 25 und in Stuttgart 10 Angestellte beschäftigt. STC betreibt die Hotelbuchungsplattform www.swisshotels.com, die rund 2000 Schweizer Hotels zur Auswahl hat.

Michael Maeder
Michael Maeder: «Wenn ein Kunde eine Auswahl möchte, beispielsweise mit Hotels im Berner Oberland, hat er bei uns eine Liste von über 200 Hotels.» (Bild: zVg)

Michael Maeder, Switzerland Travel Centre (STC) betreibt eine Online-Hotelbuchungsplattform, die beim Publikum noch kaum bekannt ist. Wieso?
In der Schweiz treten wir unter der Marke swisshotels.com erst seit November 2014 auf. Vorher standen bei den Direktkunden die Namen unserer Partner im Vordergrund, über die wir unsere Buchungsplattform integrieren, also Myswitzerland.com, sbb.ch oder Destinationen wie St. Moritz und das Engadin oder Tessin Tourismus. Heute ist die Hotelvermittlung im Internet in der Hand von booking.com und Expedia. Entsprechend ist es schwierig und teuer, sich via Google-Inserat bemerkbar zu machen. Zudem buchen die Schweizer, ähnlich wie die Deutschen, online noch nicht so oft ein Hotel mit der Kreditkarte. Viele ziehen es vor, direkt beim Hotel zu reservieren und dann via Rechnung oder gleich vor Ort zu bezahlen.

Was bringt es den Kunden, wenn sie über swisshotels.com buchen und nicht direkt beim Hotel oder anderen Hotelbuchungsplattformen?
Wenn ein Kunde in ein spezifisches Hotel und in kein anderes will, kann er tatsächlich direkt buchen. Aber wenn er eine Auswahl möchte, beispielsweise mit Hotels im Berner Oberland, hat er bei uns eine Liste von über 200 Hotels. Oder er entscheidet sich für ein Wellnesshotel, weiss aber nicht wo in der Schweiz. Dann kann er das bei der Suche entsprechend filtern. Ein weiterer Vorteil: Wir haben am Telefon ein Team von 15 Leuten. Der Kunde kann also online etwas suchen und sich danach telefonisch beraten. Unser Team kennt die Schweiz. Wir sind keine anonyme Plattform und haben insgesamt rund 2000 Hotels zur Auswahl.

Je nach Definition gibt es in der Schweiz aber rund 3000 Hotels.
Wenn ein Kunde online schaut, sieht er bei uns zeitgleich mit der Buchungsmaschine des jeweiligen Hotels, ob es noch Platz hat und was es kostet. Nun gibt es eine gewisse Zahl von Unterkünften wie Pensionen oder Gasthöfen, welche diese Technologie nicht haben. Und diese führen wir nicht auf unserer Plattform. Trotzdem ist unser Angebot sehr ausgewogen – vom Luxushotel über Drei- und Vier-Sterne-Häuser bis zu Jugendherbergen in Bergen und Städten. Wir decken die ganze Schweiz ab und nicht nur klassische Touristenorte wie Luzern oder Interlaken.

Wie präsentieren sich Ihre Preise im Vergleich zu Direktbuchungen?
Pauschal ist das schwierig zu sagen. Letztlich haben es die Hotels selbst in der Hand, wie sie ihre Preise gestalten wollen. Klar ist: Wir möchten die gleichen Preise wie die Hotels und andere Plattformen. Wenn nun aber ein Hotel im Direktverkauf einen tieferen Preis anbietet, können wir nicht viel ausrichten. Sicher sind die Preise auf swisshotels.com zu 90 Prozent aller Fälle identisch mit den Preisen, welche die Kunden auf den Homepages der jeweiligen Hotels finden.

Wer sind Ihre Kunden?
Wir haben den klassischen Schweizer Kunden, Deutsche, Amerikaner und untere anderem auch Engländer und Franzosen, wobei das Buchungsvolumen noch relativ tief ist. Bis wir auf Google höher bewertet werden braucht es über ein Jahr. Momentan halten sich Direktkunden und Reiseveranstalter die Waage. Bis heute sind auf swisshotels.com über 3500 Buchungen getätigt worden.

Was ist Ihr Ziel für nächstes Jahr?
Wir wollen in der Schweiz definitiv bekannter werden. Hier können wir mit unserem Telefonservice punkten. Erst danach werden wir in Märkten wie Deutschland, USA und England aktiver. Aber wir möchten Schritt für Schritt und organisch wachsen, weil wir nur kleine Marketingmittel haben.

Wie buchen Sie selbst Ihre Hotels in der Schweiz?
Das hört sich jetzt wie Eigenwerbung an. Aber ich buche meine Ferien wirklich auf unserer eigenen Seite, weil ich weiss, dass sie schnell ist und funktioniert. Wenn ich reserviere, möchte ich, dass der Vorgang auch im Hotel ankommt. Und bei unserer Technologie klappt das.

Welches ist Ihr persönlicher Hoteltipp aus dem Angebot von swisshotels.com?
Ich übernachtete vor ein paar Wochen im Hotel Cervo in Zermatt, das mir sehr gut gefallen hat. Es ist neu, sehr schweizerisch und mit viel Holz und Design-Elementen ausgestattet. In der Schweiz habe ich so viel Liebe zum Detail noch nie gesehen. Auch die Jugendherberge in Saas-Fee ist sehr schön geworden. Zu einem solchen Preis findet man Wellness hierzulande nirgendwo.

Autor: Reto Wild