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20. April 2015

Lächeln nicht vergessen!

Die Cheerleader Blue Fire Renegades aus Zürich turnen diese Woche in den USA um den Weltmeistertitel. Die Frauen trainieren hart für ihre Show, die nach purem Spass aussieht – schauen Sie oben das Video mit ihren schönsten Formationen.

Auf einer Wiese hoch über Zürich hüpfen 23 Frauen mit kurzen Röckchen und Maschen im Haar durchs Gras. Auf Kommando bauen sie emsig kleine Menschentürmchen, strecken dann den Rücken durch und knipsen ein strahlendes Lächeln an. «Häsch mi?», ruft es aus dem Gewusel heraus, «gots?» und «Hauptsach, lächle!».
Die Cheerleader der Blue Fire Renegades üben für die Weltmeisterschaft. In wenigen Tagen reist die Truppe um Trainerin Nadja Arévalo (29) nach Orlando in die USA, wo am 23. und 24. April um den WM-Titel gekämpft wird. «Tower ­Pyramide», «Basket ­Arabian» oder «Front Tuck» heissen die Elemente, die sie zu einer zweieinhalbminütigen Choreografie zusammensetzen – Turmpyramide, Arabischer Korb, Vorwärtssprung.

Alles kommt leichtfüssig und heiter daher, es steckt allerdings knochenhartes Training dahinter. Zurzeit drei Mal pro Woche.
Wer Cheerleading betreibe, dürfe nicht schmerzempfindlich sein, meinen einige der Frauen. In ihrer Gruppe gab es schon Nasenfrakturen und gerissene Kreuzbänder, eine brach mal beide Handgelenke aufs Mal. Das tut der Motivation der jungen Frauen keinen Abbruch. Regelmässig feuern sie die Spieler des Zürcher American­Football-Clubs Renegades von der Seitenlinie her an, reisen an Schweizer und Europameisterschaften und treten an Firmenfeiern auf. Die 17- bis 32-jährigen Frauen möchten ihr Hobby fördern und suchen deshalb im Moment eine neue Trainingshalle mit geeignetem Boden und natürlich einen Sponsor, der bei der Finanzierung hilft.

Viel Teamspirit und keine Furcht
Aber jetzt kommt zuerst einmal die WM. Favoriten sind die Amerikanerinnen und Norwegerinnen, weil sie über finanzielle Ressourcen und Equipment verfügen, wovon die Schweizerinnen nur träumen können. In der Schweiz ist Cheerleading eine Randsportart. «Unsere Gewinnchancen sind deshalb nicht sehr gross», sagt Trainerin Arévalo, «aber viel wichtiger ist sowieso das gemeinsame Erlebnis.»
Denn neben den Stunts und den Hebefiguren gehört das ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl zu den Stärken der Blue Fire Renegades. Wer bei ihnen mitmachen will, muss denn auch vor allem Teamgeist und Ehrgeiz mitbringen, so die Trainerin. Furchtlosigkeit könne auch nicht schaden.

«One, two, three, four» zählt eine der Frauen laut, und im Takt dazu scharen sich die Cheerleader zu Reihen und Kreisen, werfen sich gegenseitig in die Höhe und fangen einander wieder auf. Sie schnaufen, lächeln, rufen, zählen. Hie und da kippt eine von der Pyramide, rappelt sich vom Boden wieder auf, streicht das Röckchen glatt. Und lächelt. 

Die Cheerleader Blue Fire Renegades in ihrer Heimuniform
Die Cheerleader Blue Fire Renegades in ihrer Heimuniform. An der WM treten sie in Rot-Weiss auf.

Autor: Yvette Hettinger