Archiv
06. Juni 2016

«Die Schweiz sollte sich besser vermarkten»

Der indische Wirtschaftswissenschaftler Soumitra Dutta erstellt jährlich eine Rangliste der innovativsten Länder der Welt. Seit fünf Jahren auf dem ersten Platz: die Schweiz! Dutta über die Gründe für diesen Erfolg, seinen Optimismus für Europa und die Gründe für Donald Trumps Popularität. Dazu online die Ranglisten der innovativsten Länder und weitere Fakten (unten).

Soumitra Dutta
Bewertet jedes Jahr die Innovationskraft der Länder rund um die Welt: Wirtschaftsprofessor Soumitra Dutta.

Soumitra Dutta, als Mitglied des WEF Davos Circle kennen Sie die Schweiz ganz gut. Wie würden Sie sie beschreiben?

Die Schweiz ist eine Maschine, die funktioniert. So wird sie auch generell von aussen wahrgenommen.

Steht sie deshalb seit fünf Jahren an der Spitze Ihres Innovationsreports?

Um das zu beantworten, muss ich erst mal erklären, wie wir Innovation definieren. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Man könnte schauen, aus welchen Regionen der Welt die meisten Innovationen kommen. Da fällt zum Beispiel das Silicon Valley in den USA auf. Wir aber betrachten die Innovationsfähigkeit jedes einzelnen Landes. Und da erstaunt es nicht, dass die Schweiz obenaus schwingt. Sie gehört zu den Ländern mit den höchsten Leistungslevels bei den relevanten Faktoren: Sie hat eine hervorragende Infrastruktur, ausgezeichnete Institutionen, enorme politische Stabilität und sehr viele talentierte Fachkräfte, die sie sich aus der ganzen Welt holt.

Die Schweiz schwingt bei vielen entscheidenden Faktoren für Innovation obenaus, sagt Soumitra Dutta.
Die Schweiz schwingt bei vielen entscheidenden Faktoren für Innovation obenaus, sagt Soumitra Dutta.

Länder mit weniger guter Basis haben es schwerer bei der Innovation?

Genau. Ich werde oft gefragt: Warum stehen die USA nicht auf Platz 1? In der Schweiz haben sie kein Google, kein Facebook, kein Uber erfunden. Aber was gerne vergessen wird: Die USA bestehen aus mehr als dem Technologiesektor. Dort wird exzellente Arbeit geleistet, aber in anderen Bereichen deutlich weniger: Flughäfen, Strassen und Brücken bröckeln überall vor sich hin, die Politik ist blockiert, bei der Landwirtschaft oder in der Pharmaindustrie sind viele Länder deutlich fortgeschrittener als die USA. Trotzdem stehen sie auf Platz 5, was ja auch ziemlich gut ist, gerade für ein so grosses Land.

Für viele sind die USA die Traumdestination, nicht die Schweiz.

Was die USA vielen anderen Ländern voraus- haben: Leute aus aller Welt fühlen sich dort zu Hause, sofort. So ging es auch mir, als ich als junger Student aus Indien in die Bay Area von San Francisco kam. Nach weniger als einem Monat fühlte ich mich daheim – in Frankreich, das ich liebe, dauerte es zwei Jahre! In den USA wird man auf der Basis der eigenen Leistung gemessen und belohnt, egal, wer man ist oder woher man kommt. Wer gute Arbeit leistet, wird sofort akzeptiert.

Viele in der Schweiz halten ihr Land für ziemlich selbstzufrieden und seine Bewohner für nicht eben sonderlich hungrig auf Veränderungen. Erschwert das Innovation nicht eher? Oder ist das ein falsches Bild?

Das scheint mir eine unvollständige Wahrnehmung der Schweiz. Sie verfügt über mehrere exzellente Universitäten, wo dieser Hunger durchaus vorhanden ist. Gäbe es den nicht, wäre das Land nicht auf dem Niveau, wo es heute in so vielen Bereichen steht. Auch die Tatsache, dass die Schweiz so viele hervorragende Fachkräfte anzieht, spricht für sich. Generell scheint mir, dass Schweizerinnen und Schweizer eher zurückhaltend sind, wenn es darum geht, ihre Erfolge anzupreisen, gerade im Vergleich zu den Amerikanern.

Die knappste Ressource auf der Welt sind gut qualifizierte Fachleute. Wer es schafft, sie zu sich zu locken, kann sich glücklich schätzen.

Nun hat die Schweiz aber vor zwei Jahren bei einer Abstimmung entschieden, die Migration einzuschränken, und das trifft insbesondere die gut Ausgebildeten aus der EU. Ein Fehler?

Migration ist in allen Ländern politisch umstritten. Dennoch ist man sich in der Regel bewusst, dass die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte für ein Land von Vorteil ist. Es würde mich deshalb sehr überraschen, wenn die Schweiz am Ende entscheiden würde, diese Art von Einwanderung einzuschränken. Die knappste Ressource auf der Welt sind gut qualifizierte Fachleute. Wer es schafft, sie zu sich zu locken, kann sich glücklich schätzen, denn diese Menschen sind mobil und können jederzeit auch woandershin. Würde die Schweiz bewusst auf sie verzichten, würde dies das Land schwächen und auch seinen ersten Platz auf der Innovationsrangliste gefährden. Nicht sofort, aber nach zehn Jahren würde man es spüren. Wenn man die Einwanderung einschränken will, dann nur für schlecht Ausgebildete.

Was braucht es in einem Land, damit Innovation gefördert wird?

Gute Infrastruktur, stabile und verlässliche Regulierungen und Gesetze, ein gutes Bildungssystem, das Anziehen und Fördern von Fachkräften, funktionierende Verbindungen zwischen Universitäten und der Wirtschaftswelt, Zugang zu Investitionskapital. Für den Einzelnen sind gute, inspirierende Vorbilder ganz wichtig. Junge Menschen lassen sich gerne inspirieren. Innovation entsteht grundsätzlich aus zwei Gründen: Verzweiflung oder Inspiration. Erfolgreiche Rollenmodelle im eigenen Land zu haben, ist deshalb gerade in den Industrieländern entscheidend.

Und Kreativität, ist die nicht zentral?

Kreativität gibts im Überfluss, mangelnde Ideen sind eigentlich nie das Problem. Daraus dann aber etwas Erfolgreiches zu machen, ist schon schwieriger. Die vorhin genannten Bedingungen helfen dabei. Denn auf dem Weg zur Umsetzung stösst jede Innovation auf Hürden, und einige scheitern daran auch.

Eine bessere Marke würde der Schweiz gut tun.

Was könnte die Schweiz besser machen?

Sich besser vermarkten. Heute assoziiert man mit der Schweiz ein paar Produkte wie Uhren, Banken, Schokolade, schöne Natur; im Übrigen gilt sie als eher konservativ und risikoscheu. Die Realität ist deutlich vielseitiger, und eine bessere Marke würde ihr guttun.

Wie macht man das?

Man muss sich ganz bewusst dafür entscheiden und eine konkrete Strategie ausarbeiten. Was wollen wir rüberbringen? Unsere tollen Universitäten, unsere erfolgreichen Start-ups, unsere guten Lebensbedingungen, die viele qualifizierte Fachkräfte anlocken, unsere Offenheit und Risikobereitschaft. Eine Marke neu auszurichten, braucht Zeit und Aufwand. Meine Heimat Indien hat viele Jahre daran gearbeitet. Und die Marke als Technologie-, IT- und Filmproduktions-Center ist heute stärker als die Realität, finde ich. Sie entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft; innerhalb der Regierung gibt es sogar eine eigene Organisation dafür, die India Brand Equity Foundation.

Woran fehlt es sonst noch?

Die Verfügbarkeit von Investitionskapital könnte besser sein. Und man könnte versuchen, wie die USA, etwas offener zu sein gegenüber Fachkräften aus anderen Kulturen, damit die sich leichter zu Hause fühlen. Man muss ja nicht so weit gehen wie Singapur. Dort schickt die Regierung Leute an Schulen in Indien und China, wo sie aktiv die besten Talente für Singapur rekrutieren. Sie schicken sie mit Stipendien an gute US-Universitäten, bevor sie dann in Singapur leben, arbeiten und natürlich auch die Staatsbürgerschaft erhalten.

Diese Grafik zeigt, welche Länder überdurchschnittlich und unterdurchschnittlich innovativ sind. Quelle: Credit Suisse Bulletin (Umsetzung), Global Innovation Index (Daten). Für Vergrösserung auf das Bild klicken.

Wer profitiert stärker von Innovation: die Menschen oder die Unternehmen?

Letztlich hoffentlich beide, und meistens ist das auch so. Es ist eine Frage, wie der daraus entstehende Wohlstand verteilt wird. Einige Länder machen das besser als andere, Europa zum Beispiel macht es besser als die USA. Leider gibt es auch Regierungen, die nicht effizient sind und einen übermässigen Teil der Einnahmen an bestimmte Interessengruppen verteilen. Ungleiche Verteilung von Wohlstand wird dann ein Problem, wenn ein Teil der Bevölkerung keine Chance mehr auf grundlegende Dinge hat – etwa eine anstän­dige Schulbildung oder Krankenversicherung.

Innovationen sind nicht immer auf Anhieb ein Erfolg: Das erste Smartphone gab es schon in den 90er-Jahren, aber es hat kaum jemanden interessiert.

Timing ist alles. Wenn man zu früh ist, hat man keine Chance, wenn man zu spät ist, auch nicht. Man muss sozusagen spüren, was die Kunden möchten. Oder, noch schwieriger: Man erfindet etwas, von dem die Leute gar nicht wissen, dass sie es möchten, dann aber nicht widerstehen können. Apple war diesbezüglich einige Zeit lang sehr erfolgreich.

Während Forscher die Grenzen des Möglichen immer stärker erweitern, sind Gesellschaften und Regierungen überfordert, wie sie damit umgehen sollen.

Manchmal gibts auch starken Widerstand gegenüber Innovationen: genetisch modifizierte Pflanzen, Impfungen, Atomkraft. Sehen Sie ein gemeinsames Element, das zu diesem Widerstand führt?

Der technologische Fortschritt war in den letzten 20 Jahren so enorm, dass wir überfordert sind, diese neuen Technologien angemessen einzuordnen und zu regulieren. Der Druck auf die Gesellschaft wird sich weiter erhöhen, um herauszufinden, auf welche Weise neue Technologien am besten den Interessen der Menschheit dienen. Es gibt reale Risiken, dass wir uns von Innovationen gesellschaftlich in falsche Richtungen drängen lassen. Und je näher solche Technologien an Kernfragen des menschlichen Lebens kommen, desto heikler wird es und desto schwieriger ist es, gute Antworten zu finden. Während Forscher die Grenzen des Möglichen immer stärker erweitern, sind Gesellschaften und Regierungen überfordert, wie sie damit umgehen sollen.

Aber wenn es grosse ethische Vorbehalte gibt, kann etwas auch gestoppt werden.

Für ein bestimmtes Gebiet kann man etwas wohl tatsächlich stoppen. Aber da es keine globale Regierung gibt, die das international durchsetzen könnte, wird es immer irgendwo Forscher geben, die auch an problematischen Entwicklungen arbeiten. Ich bin relativ pessimistisch, dass sich das unterbinden lässt.

Die Länder der westlichen Welt sind auf Ihrer Innovations-Rangliste alle relativ weit oben. Dennoch geht es ihnen wirtschaftlich seit der Finanzkrise von 2007 nicht besonders gut, gerade in Europa.

Europa ist in der Tat in einer schwierigen Position. Das liegt auch daran, dass die Europäische Union politisch und wirtschaftlich sehr viel zersplitterter ist als die USA. Das macht es fast unmöglich, eine Strategie zu finden, die für alle funktioniert; das verlangsamt Europas Reaktionsfähigkeit und reduziert die Wirksamkeit der Massnahmen. Hinzu kommen all die politischen Risiken durch die Nähe zu diversen Krisenherden in Nordafrika, dem Nahen Osten und Russland. Dies sorgt für konstante Instabilität. Dabei befindet sich Europa mitten in einem gewaltigen Experiment. Die Europäische Union ist eine grosse Innovation, vermutlich die grösste im Bereich der Geopolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und berücksichtigt man all das, schlägt sich Europa alles in allem eigentlich sehr gut. Schaut man in den USA genauer hin, geht es auch dort längst nicht allen Teilen so gut wie es von aussen erscheint. In Europa gibt es Griechenland, Spanien und Portugal, aber eben auch Deutschland, Skandinavien und die Schweiz.

Europa scheint nicht mehr in der Lage, seine jungen Menschen zu inspirieren.

Dennoch könnte Europa einiges besser machen, oder?

Was tatsächlich ein ernsthaftes Problem ist: Europa scheint nicht mehr in der Lage, seine jungen Menschen zu inspirieren. Viele haben nicht mehr das Gefühl, Europa sei ein Ort, der ihnen die Möglichkeit gibt, ihr volles Potenzial zu entfalten. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern ist einer der Gründe dafür. Die Regierungen müssen sparen und können es sich nicht leisten, neue Jobs zu kreieren. Die Unternehmen stehen im globalen Wettbewerb und kreieren neue Jobs lieber in andere Regionen der Welt, wo sie billiger sind. Dieses Problem lässt sich nur lösen, wenn die Leute selbst neue Jobs kreieren, etwa durch erfolgreiche Start-ups – die Basis dafür: Innovation. Dafür ist Europa eigentlich gut positioniert.

Dann sind Sie nicht allzu pessimistisch?

Gar nicht, ich bin sogar ziemlich optimistisch. Europa hat viele Stärken, es verkauft sich einfach nicht gut. Alle kennen Mark Zuckerberg, aber auch in Europa werden viele bedeutende Dinge neu entwickelt, nur bekommt das kaum jemand mit.

Macht Ihnen das politische Klima keine Sorgen? Auf beiden Seiten des Atlantiks sind isolationistische Rechtspopulisten derzeit sehr erfolgreich.

Doch, das ist schon Grund zur Besorgnis. Ihr Erfolg ist auch ein Zeichen für die mangelnde Qualität des aktuellen politischen Führungspersonals. Wo Populisten an die Macht kommen, besteht ein hohes Risiko, dass sie das Land zurückwerfen. Letztlich ist Donald Trump auch deshalb so erfolgreich, weil viele Menschen sich um die Folgen der Globalisierung Sorgen machen, weil sie fürchten, dass es ihren Kindern einst weniger gut gehen wird als ihnen. Und das sind durchaus berechtigte Ängste, sie sind Teil der Herausforderung, in einer globalisierten Welt zu leben. Die Menschen stehen nicht mehr nur in der eigenen Stadt oder dem eigenen Land im Wettbewerb, sondern mit Konkurrenten von anderen Kontinenten. Die politische Führung muss dies anerkennen und Strategien entwickeln, nur so wird sich die Anziehungskraft der Rechtspopulisten managen lassen. Der Vorteil von demokratischen Systemen ist, dass sie solche Ansichten zulassen und sich damit auseinandersetzen – dies verhindert in der Regel, dass eine Mehrheit der Gesellschaft infiziert wird. Wenn das allerdings passiert, wird es gefährlich. Es liegt am politischen Führungspersonal, dies zu verhindern.

Könnte Trump US-Präsident werden?

Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich habe mit vielen Republikanern gesprochen, und die haben alle dasselbe gesagt: Falls Trump die Nomination bekommt, werden sie für den demokratischen Kandidaten stimmen. Ich nehme an, Hillary Clinton wird gewinnen und Barack Obamas Kurs mehr oder weniger weiterführen.

Angenommen, es kämen doch ein paar Rechtspopulisten an die Macht und würden versuchen, die Globalisierung zu bremsen. Ginge das überhaupt?

Schwierig, würde ich sagen. Die Welt ist heute derart stark miteinander verbunden. Vielleicht liesse sie sich ein wenig zurückbinden, aber sicher nicht eliminieren. Und wir dürfen nicht vergessen: der Nutzen des Teilens ist so viel höher als der Nutzen der Isolation. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Globalisierung je wieder verschwinden wird. Mir wäre auch kein Land der Welt bekannt, das sich ­gezielt zu isolieren versucht – vielleicht abgesehen von Nordkorea. Wenn, dann versuchen Länder eher, offener zu werden: Myanmar, Iran oder Kuba zum Beispiel.

Die meisten Menschen möchten und können lernen, man muss ihnen nur die Chance geben.

Aber was tun wir mit den Verlierern der Globalisierung? Die gibt es nun mal auch.

Wir können ihnen mit Bildung und Ausbildung helfen. In den allermeisten Fällen ist das durchaus möglich, ich sehe das in Indien. Die meisten Menschen möchten und können lernen, man muss ihnen nur die Chance geben. Und manche starten sogar ihr eigenes Unternehmen, weil sie eine innovative Idee haben. Hilfreich wären auch intelligentere Unternehmensstrategien in Krisenzeiten. Statt Leute zu entlassen, könnte man Arbeitszeiten für alle reduzieren und allenfalls mit staatlicher Hilfe Überbrückungsgelder auszahlen, bis die Lage sich wieder bessert. In Deutschland hat man das während der letzten Krise in der Autobranche erfolgreich getan.

Die Schweiz hat gerade über ein Bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Wäre das auch eine Option, um einige dieser Probleme zu lösen?

Es gibt zwei Aspekte: Einerseits ist es ein gewaltiger Wirtschaftsstimulus. Wenn der Staat den Menschen Geld gibt, das unter Garantie ausgegeben wird und sofort in den Markt fliesst, wird sich das positiv auswirken. Gleichzeitig ermöglicht es allen Menschen einen minimalen Lebensstandard. Andererseits besteht das Risiko, dass viele Menschen ihre Motivation verlieren, überhaupt zu arbeiten. Die Frage ist, ob man sich das als Gesellschaft leisten kann oder will. Aber wenn man reich genug ist, geht das vermutlich, umso mehr wenn man es mit Strategien kombiniert, um die Arbeitsmotivation der Menschen zu erhalten. 



Soumitra Duttas Innovationsberechnung

Der Global Innovation Index misst 79 Indikatoren, aufgeteilt in sieben Kategorien mit je drei Unterkategorien. Fünf Kategorien werden der Input-, zwei der Outputseite zugeordnet.

Input und Output werden gleich gewichtet und ergeben den finalen Innovationswert von 1-100. Quelle: «Credit Suisse Bulletin (Umsetzung), Global Innovation Index 2015 (Daten)».

Input

InstitutionenHumankapital und ForschungInfrastrukturEntwicklungsgrad MarktEntwicklungsgrad Wirtschaft
Politisches UmfeldAllgemeine AusbildungIT und Komm.-technologieKreditWissensarbeiter
Regulatorisches UmfeldHochschulausbildungAllgemeine InfrastrukturInvestmentInnovationsumfeld
Wirtschaftliches UmfeldForschung und EntwicklungÖkologische NachhaltigkeitHandel und WettbewerbWissensimport

Output

Techn.-wiss. LeistungKreative Leistung
WissensschaffungImmaterielle Werte
WissensimpactKreative Waren und Services
WissensverbreitungOnlinekreativität


Die Top-10-Listen zeigen die Länder, die im Vergleich zu anderen Ländern mit einem ähnlich hohen Einkommen besonders gut abschneiden. Das Einkommen wird mit dem BIP pro Kopf gemessen. In Klammern der Global Innovation Index Score. Quelle: «Credit Suisse Bulletin (Umsetzung), Global Innovation Index 2015 (Daten)».

Einkommen: tiefuntere Mitteobere Mittehoch
1. Kambodscha (30,35)1. Republik Moldau (40,53)1. China (47,47)1. Schweiz (68,30)
2. Kenia (30,19)2. Vietnam (38,35)2. Malaysia (45,98)2. Grossbritannien (62,42)
3. Ruanda (30,09)3. Armenien (37,31)3. Ungarn (43,00)3. Schweden (62,40)
4. Mosambik (30,07)4. Ukraine (36,45)4. Bulgarien (42,16)4. Niederlande (61,58)
5. Malawi (29,71)5. Mongolei (36,41)5. Montenegro (41,23)5. USA (60,10)
6. Burkina Faso (28,68)6. Georgien (33,83)6. Mauritius (39,23)6. Finnland (59,97)
7. Mali (28,37)7. Marokko (33,19)7. Costa Rica (38,59)7. Singapur (59,36)
8. Uganda (27,65)8. Indien (31,74)8. Weissrussland (38,23)8. Irland (59,13)
9. Gambia (27,49)9. Philippinen (31,05)9. Rumänien (38,20)9. Luxemburg (59,02)
10. Tadschikistan (27,46)10. Senegal (30,95)10. Thailand (38,10)10. Dänemark (57,70)


Sie haben mit Ihrem Innovationsreport 2007 begonnen. Gab es vorher schon so was?

Nein, ich war tatsächlich der Erste, der Innovation auf diese Weise und mit globalem Fokus betrachtete. Und ich kam darauf, weil ich mich vorher recht stark mit Entwicklungsländern beschäftigt und dabei realisiert habe, dass es dort eine Menge Innovation gibt, die aber überhaupt nicht wahrgenommen wurde. Und zwar weil Innovation damals lediglich anhand von Patenten, Publikationen und Doktortiteln gemessen wurde – ein meiner Ansicht nach unvollständiger Massstab. So entwickelte ich ein eigenes, ganzheitlicheres System. In Mexiko gibt es zum Beispiel eine sehr erfolgreiche Soap-Opera-Industrie, auch diese Art der Kreativität ist Innovation. Unser Messmodell berücksichtigt explizit auch den kreativen Sektor. Es dauerte allerdings ein paar Jahre, bis meine Fachkollegen und die entsprechenden internationalen Gremien diesen neuen Masstab akzeptierten. Inzwischen aber ist das der Fall.

Speziell Chinas Aufstieg war dramatisch, ich denke, in zehn Jahren wird das Land unter den Top20 im Index sein.

Gab es seither Länder, die sich überraschend stark vorwärts oder rückwärts entwickelt haben?

Südkorea und China haben sich stärker vorwärts bewegt als erwartet, und der Trend zeigt weiterhin aufwärts. Speziell Chinas Aufstieg war dramatisch, ich denke, in zehn Jahren wird das Land unter den Top20 im Index sein. Unerwartete starke Abstürze gab es eigentlich nicht, aber meine Heimat Indien fällt dadurch auf, dass sie weniger stark positioniert ist als sie sein könnte. Unter der aktuellen Regierung hat sich nun aber einiges verbessert.

Sind Sie häufig dort?

Oh ja, drei- oder viermal pro Jahr. Ich arbeite dort mit diversen Unternehmen zusammen, und als Leiter der Cornell-Wirtschaftsfakultät bin ich verantwortlich fürs Fundraising – gerade kürzlich war ich vor allem deswegen in Indien. Und natürlich besuche ich dort auch meine Familie.

Was tun Sie sonst so in Ihrer Freizeit?

Ich bewege mich gerne, gehe Ski fahren, wandern und ins Fitness-Center. Ithaca ist für Ausflüge in die Natur perfekt gelegen, sehr idyllisch an einem See im nördlichen Teil des Bundesstaats New York. Es lebt sich dort sehr gut. Aber trotzdem würde ich ganz gerne wieder nach Europa zurückkommen, wo ich ja bereits einige Jahre gelebt habe. Verglichen mit den USA, sehe ich viele Vorteile – ich liebe Europa!
 

Autor: Ralf Kaminski

Fotograf: Julien Benhamou