Archiv
15. Dezember 2014

Schwänz-Alarm per SMS

Sollen Eltern ein SMS bekommen, wenn ihr Kind in der Schule fehlt? Schwänzer-SMS können sinnvoll sein, sagt der Lehrerverband, warnt aber vor dem «gläsernen» Schüler.

Keinen Bock auf Schule: Achtung, wer regelmässig schwänzt, hat später im Leben oft Probleme.
Keinen Bock auf Schule: Achtung, wer regelmässig schwänzt, hat später im Leben oft Probleme. (Bild: iStockphoto)

«Liebe Eltern. Ihr Sohn Nicklas ist heute unentschuldigt dem Unterricht ferngeblieben. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Klassenlehrer. Mit freundlichen Grüssen, die Schule». In Schweden erhalten Eltern automatisch ein SMS, wenn ihr Kind in der Schule fehlt. Seit fünf Jahren werden Absenzen in einem Register eingetragen, das die Eltern im Internet einsehen können. Gleichzeitig können sie ihr Kind per Handy-App krankmelden.

Das System sorgt für Disziplin und deutlich weniger Schulschwänzer. «Das passt zur Kultur der nordischen Länder, wo sich Schule und Eltern sehr nahe stehen», sagt Jürg Brühlmann (60) vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Mit dem SMS-System werden Schüler jedoch auch stark überwacht. «Man spricht vom gläsernen Schüler», so Jürg Brühlmann. «Man sollte aber darauf achten, dass die Privatsphäre des Kindes dennoch geschützt ist.»

«In der Schweiz sind wir zurückhaltender», erklärt der Experte. Aber auch bei uns ist es sehr wichtig, dass Schule und Eltern in Kontakt stehen. Gerade bei jüngeren Kindern geht es dabei um die Sicherheit. «So sollten Eltern rasch informiert werden, wenn das Kind nicht zur Schule kommt», rät Brühlmann.

Auch die Eltern von älteren Kindern sollten kontaktiert werden. «Vor allem wenn die Absenzen über längere Zeit andauern, da ein Zusammenhang zwischen Schulabsenzen und späteren Problemen besteht.» Es liegt aber auch an den Eltern, auf die Lehrperson zuzugehen und sich nach Auffälligkeiten zu erkunden. Der Fachmann: «Halten Sie Kontakt, um ihr Kind vom Schuleschwänzen und den damit verbundenen Gefahren und Problemen abzuhalten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind wie auch mit der Lehrperson – egal, ob per SMS, Telefon oder persönlich.»

Autor: Priska Plump