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10. Juni 2013

Schwach im Wasser

Weil aus Spargründen viele renovierungsbedürftige Hallenbäder geschlossen werden, nimmt auch die Schwimmkompetenz der Kinder ab. Mit fatalen Folgen.

Schwimmunterricht
Kinder lernen vor allem in Hallenbädern schwimmen. Fehlt dieses in der Region, sind die Hürden für den Schwimmunterricht hoch: Es braucht Transportmittel, Betreuung und mehr Zeit. (Bild: Getty Images)

Vor 15 Jahren gab es in der Schweiz praktisch keine Nichtschwimmer. Heute sieht das anders aus. Und die Zahlen steigen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache unter den 5- bis 14-Jährigen. «Kinder haben immer weniger Gelegenheiten, schwimmen zu lernen», sagt Prisca Wolfensberger (43) von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). «Es fehlt an Infrastruktur und Geld.» Immer mehr Hallenbäder verschwinden, weil renovationsbedürftige Anlagen aus Geldmangel geschlossen werden. Zudem wird ein Teil des Sportunterrichts geopfert, wenn die Schule sparen muss. Dabei hätten die Kinder eher mehr Stunden als weniger nötig.

«Die Schwimmlehrer brauchen heute länger, um den Schülern das Schwimmen beizubringen», sagt Prisca Wolfensberger. «Die Kinder bewegen sich weniger als früher, viele haben motorische Defizite.» Derzeit ertrinken pro Jahr durchschnittlich fünf Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren. Aus diesem Grund lancierte die SLRG vor fünf Jahren eine Initiative, die obligatorischen Schwimmunterricht für alle forderte. In einigen Kantonen, wie etwa in Bern, wurde das Schulschwimmen obligatorisch. Aber: «Verantwortlich für die Durchführung sind die Gemeinden. Wenn im Ort das Hallenbad fehlt, sind die Hürden hoch: Es braucht Transportmöglichkeiten, Betreuung und mehr Zeit, damit der Unterricht stattfinden kann», sagt Prisca Wolfensberger.

Es gibt aber Hoffnung. Steht ein Hallenbad vor dem Abbruch, hilft oft der Widerstand der Bevölkerung. Kommt es zur Abstimmung, stimmen die Steuerzahler einer Renovation meist zu. Aber auch nur, weil genügend Eltern und Politiker im Vorfeld dafür gekämpft haben.

Autor: Claudia Langenegger